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Bücher und Autoren heute in den Feuilletons: Politker sollen für Lesefördervereine geben und nicht predigen

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

In allen Medien: Peter Handkes Erklärung, nicht auf der Longlist vom Deutschen Buchpreis bleiben zu wollen [mehr…].

Frankfurter Rundschau

„Lasst uns streiten“ heißt ein großes Interview, das Barbara Frischmuth heute der „Rundschau“ gegeben hat: Darin spricht sie (mit Julia Kospach) über Orient und Okzident, Islambilder und Vorurteile: „Was sollen denn all diese Islam-Diskussionen? … Wozu sich über Bücher streiten, die tausende Jahre alt sind … Zu streiten ist über die Gegenwart und ihre Geschichte, aber doch nicht über die Frage, was der Koran verbietet oder erlaubt.“

Ina Hartwig hat sich Max Frischs New Yorker Poetik-Vorlesungen von 1981 angesehen, die jetzt bei Suhrkamp unter dem Titel Schwarzes Quadrat erstmals an die Öffentlichkeit gelangen.

Gestern hieß es noch, The Jewel of Medina werde in Englisch in Deutschland erscheinen, nun soll es Großbritannien sein. Wenn das alles mal nicht nur wieder ein Riesenwirbel um nix ist …

Ulrich Rüdenauer rezensiert unter dem Titel „Und dann macht Manny das Licht aus“ Stewart O’Nans Roman Letzte Nacht (marebuchverlag). Eigentlich eine ganz alltägliche Geschichte mit alltäglichen Leuten. Eigentlich …

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Alexander Kosenina hat sich die bei Stroemfeld erschienenen Oxforder Oktavhefte von Franz Kafka angesehen (die als neueste Lieferung der Faksimile Edition von Roland Reuß und Peter Staengle zusammen mit dem Reprint der Schmiede-Erstausgabe vom Process erschienen sind).

Pia Reinacher rezensiert Paul Nizon Die Zettel des Kuriers.Journal 1990 bis 1999 (Suhrkamp) – das Journal eines chronischen Selbstversuchers.

Annotationen
Margot Ehrich Komm nach Madagaskar (Rimbaud Verlag) und Hypochonder. 21 Texte über eingebildete Krankheiten (Mitteldeutscher Verlag).

Nun auch die Briefe von Francis Scott Fitzgerald an seine Tochter Frances, geschrieben auf Englisch, jetzt erschienen auf Französisch. Die Franzosen haben nämlich gerade einen Fitzgerald-Boom. Mal sehen, wann der in Deutschland ankommt.

Neue Sachbücher
„Selbstbestimmung ist kein Patentrezept“ überschreibt Michal Pawlik seine Rezension zu Bettina Schöne-Seiferts Grundlagen der Medizin-Ethik (Kröner) – wer dieser Tage das Missvergnügen hat, Nicht-Privatpatient in einem deutschen Krankenhaus zu sein, der weiß, wovon die Autorin redet: nämlich den Folgen des von Ulla Schmidts heuchlerisch „Gesundheitsreform“ (als gäbe es an der Gesundheit was zu reformieren – ne Kassenreform meint sie!) genannten Abzock- und Leistungsminimierungsprogramms.

Andreas Strobl schreibt über den Caspar David Friedrich-Band von Helmut Börsch-Supan (Deutscher Kunstverlag), und Michael Borgolte hat sich Ludwig Schmugges Ehen vor Gericht. Paare der Renaissance vor dem Papst (bup) angesehen.

Jürg Altwegg greift den Schweizer Streit um die Kulturstiftung Pro Helvetia auf [mehr…]. Altwegg sieht im protestierenden Kein & Aber-Verleger einen schlechten Verlierer und meint, Nagel und Kimche habe die Auszeichnung mehr als verdient.

Die Welt

Elmar Krekeleramüsiert sich über den neuesten Preissegen fürs Deutsche: Jetzt soll es also auch das „Jugendwort des Jahres“ [mehr…] sein. Zugegeben, ein bisschen gegrinst haben wir ja auch … Krekeler allerdings befürchtet, wenn diese Wettbewerbe derart ins Kraut schießen, dass sich keiner noch für überhaupt einen interessiert.

Morgen in der Literarischen Welt
Bernhard Schlink über Alice Munro
Peter Merseburger über Jorge Semprún
Henryk Broder über Toleranz als Wille zur Ohnmacht

Neue Zürcher Zeitung

Hörbuch-Annotationen
Elias Canetti Die Stimmen von Marrakesch, Franz Kafka Nicht einmal gefangen (Mandelbaum) und Franz Kafka Der Prozess, gelesen von Christian Brückner (Zweitausendeis), sowie weitere Kafka Hörbücher bei GoyaLit und Wagenbach/Der Audio-Verlag.

Süddeutsche Zeitung

„Frostriesen und Mondbrüller“ lautet die Überschrift zur Auseinandersetzung von Alexander Kissler mit dem Schwarzbuch Waldorf, das von Michel Grandt demnächst beim Gütersloher Verlag erscheint und von dem Kissler noch eine Menge Radau erwartet. Denn wissen die Eltern, die ihre Kinder auf eine der 200 Schulen in Deutschland schicken, welcher weltanschaulicher Hintergrund da gelehrt wird? Grandt stelle in jedem Fall die richtigen Fragen, „trotz unangenehm eitler Töne und miserabler Ausdrucksweise“.

„Demokratie wäre die beste Rache“ fasst die Eindrücke zu Tariq Alis Bericht vom Dauerkampf der pakistanischen Bürger mit einer korrupten militärisch-politischen Elite, das unter dem Titel Pakistan beim Diederichs Verlag erschien. Alis Darstellung lebe von den persönlichen Anekdoten und überzeuge, so Rezensent Janek Schmidt.

„Werde dir selber doch einmal untreu“ überschreibt Andreas Dorschel seine Eindrücke von Friedrich Hebbel, dessen Tagebuchaufzeichnungen unter Weltgericht mit Pausen im Hanser Verlag erschienen und die der Musiker Alfred Brendel herausgegeben hat. Brendel habe seine Auswahl geschickt eingeleitet und sie klug benachwortet.

„Wohlstandsquelle“: Kurzkritik erfährt Amitav Ghoshs Roman Das mohnrote Meer aus dem Carl Blessing Verlag. Obwohl die Figuren farbig erfunden seien, wollen sie nicht ans Herz wachsen und wirken schematisch, so der Eindruck von Christoph Haas.

Die Seitenspalte „Hörbuch“ beschäftigt sich mit der Idee der ARD Tatort zum Hören anzubieten und Martin Z. Schröder hat sich drei der Hörspiele angetan:
Peter Meisenberg Der Emir, Frank Göhre Schmutzige Wäsche und
Christine Lehmann Himmelreich und Höllental, alle aus dem Hörverlag.
Sein Urteil ist vernichtend: Abgesehen von einigem Spektakel, die manchmal Spannung bringen, werde „keine Geschichte vernehmlich, keine originell Idee, keine gedankliche Arbeit, keine Entwicklung, kein Charakter, keine Spur von Psychologie, sondern nur Boulevard-Geschichten, die alte Ausländer- und Auslandskriminalität unter dem Deckmantel unintelligenter Globalisierungskritik pflegen“.

Heute erscheinen die Kinder- und Jugendbuchseiten mit acht Besprechungen

Bewegend berichtet Hermann Schulz, der ehemalige Verlagsleiter des Peter Hammer Verlages über seine Leserkarriere, die erst mit 14 und einem schmutzigen Heft von der Müllkippe begann und der glaubte, dass er mit seinen „fragwürdigen Zeugnissen“ nirgendwo sonst landen konnte und auf eine „großartige Lehrherrin“ traf.

Schöne Zeichnungen werden vorgestellt aus dem Buch von Sylvane Donno und Dorothée Monfreid: Dich hab ich zum Fressen gern bei Carlsen.

„Wer ist König?“ heißt der Bericht über philosophische Momentaufnahmen im Bilderbuch in: Heinz Janisch und Wolf Erlbruch: Der König und das Meer bei Sancoussi. Die einfache Sprache in Bild und Text lasse Raum zum Nachdenken, findet Jens Thiele.

„Auf nach Alaska“ heißt es

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