
ein Jahr auf dem Buckel
Alten Wein in neue Schläuche füllt die Firma Sony auf der Buchmesse. Gleich am Mittwoch, 15. Oktober um 11 Uhr, soll in Halle 9.0 im Raum Dialog, „… die Content- und Vertriebs-Strategie des neuen digitalen Lesegerätes PRS 505“ [mehr…] den Medien vorgestellt werden.
„Neu“ ist allerdings etwas ganz anderes. Bereits am 2. Oktober 2007 berichtete Jürgen Kuri auf heise online ausführlich über Sonys E-Book Reader PRS 505, der nun seit über einem Jahr in den USA ein eher leidliches Dasein fristet.
Richtig bitter aber ist die Tatsache, dass Sony USA Mitte November 2008 mit dem neuen E Book Lesegerät, dem PRS 700 BC auf den Markt kommt. Der neue PRS 700 BC wird auch gleich den größten Nachteil des PRS 505, keinen Internet-Zugang zu haben, wettmachen, eine eingebaute Leselampe mitliefern und die interne Speicherkapazität für digitale Bücher auf ca. 320 Exemplare im Vergleich zum Vorgänger verdoppeln.
Doch offensichtlich hat Amazon-Chef Jeff Bezos mit der Einführung seines Lesegerätes Kindle, das es seit einem knappen Jahr gibt und von dem angeblich rund 240.000 Stück in den USA über die virtuelle Ladentheke gingen, eine wahre Renaissance des E-Books ausgelöst (wir berichteten ausführlich u.a. [mehr…] und [mehr…]).
Rund 160.000 digitale Bücher, Zeitschriften, Magazine usw. hält Amazon im Moment für den Kindle bereit und präsentiert die Vorteile des Readers für Verleger am Mittwoch um 10.45 Uhr im Forum Innovation (4.2, P 421) auf der Buchmesse. Wir dürfen wohl mutmaßen, dass der europäische Markteintritt von Sony den Start des Kindles für Europa eher beschleunigen wird.
Ohne sich nun weiter in Details zu verlieren, hier die größten Vor- und Nachteile des „neuen“ Sony PRS 505: Mit 260 Gramm ist er wunderbar leicht, sein eingebauter Speicher (192 MB) kann ca. 160 Bücher aufnehmen und er kann viele, unterschiedliche Textformate (u.a. TXT, RFT, PDFs, BBeB, MS Word) in variablen Größen darstellen.
Die Kehrseite: Der PRS 505 hat keinerlei Netzzugang, was angesichts dessen, was dargestellt werden soll, eben digitale Texte, schon beinahe absurd anmutet: Er muss über einen USB Stick oder eine Speicherkarte mit den Inhalten versorgt werden (beides muss extra gekauft werden).
Während im Web die US-Variante des PRS 505 für ca. 200,- US Dollar (ca. 150,- Euro) zu haben ist, wird sich der Preis in Europa wohl zwischen 300,- bis 400,- Euro bewegen. Dabei ist im Lieferumfang kein Ladegerät für den Akku enthalten, was bedeutet, dass der E-Book-Reader dazu per USB Kabel an den Computer angeschlossen werden muss. Oder mensch kauft sich (bei Sony) das Ladegerät.
Der neuere PRS 700 BC wird in den USA zu ca. 400,- US Dollar (inklusive 100 freier E-Books) offeriert. Sonys eigener E-Book Store hält momentan ausschließlich englischsprachige E-Books für die Reader bereit, über den Umfang des Angebotes und wann es vielleicht wo deutsche Inhalte für die Reader gibt, ist nichts bekannt. Enthüllt werden soll bei dem Termin auf der Buchmesse, wer die „…Partner aus dem deutschen Buchhandel…“ sind.
Wieviel „Neu“igkeitswert das dann noch hat, werden wir am 15. Oktober sehen.
STEFAN BECHT
stefan@stefanbecht.de