Was für eine verrückte Welt: Am 11. November wurden die Kündigungen ausgesprochen, am 18. November wurde das dann erst richtig in in einer Betriebsversammlung klar, dass bei der Süddeutschen Zeitung 11 Leute gehen müssen und auch Dirk Rumberg genervt das Handtuch wirft.
Liest denn keiner mehr Zeitung? Offensichtlich auch wir nicht. Jetzt erst spricht sich das nämlich richtig herum. Und auch, dass Marion Meyer, Rumbergs bisherige kaufmännische Leiterin, die Leitung des deutlich abgespeckten Programm-Segments „Sonderproduktionen“ übernehmen wird. Aber: Nur acht von 19 Mitarbeitern dürfen bleiben.
Grund für den harten Einschnitt ist, dass man keine neuen Projekte plant (das hat man jedenfalls in den Kündigungsbriefen geschrieben), was bei der verbliebenen Rumpfmannschaft anders angekommen ist: Da ist davon die Rede, dass man doch daran denke, gelegentlich neue Projekte anzupacken.
Den Mut, z.B. eine komplette DVD-Edition aller bisherigen TV-Tatorte zu machen (darüber ist es wohl auch zum Zerwürfnis mit Rumberg gekommen), hatte die neue Geschäftsführung dann aber doch nicht. Sie folgt dem Sparkurs der neuen Eigner, die als Vorbild für eine moderne Tageszeitung das Konzept ihrer „Rheinpfalz“ („Näher bei die Leut“) vorgeben. Seither heißt es in den Gängen der Süddeutschen Zeitung: „Näher bei immer weniger Leut“.
Mit Rumberg [mehr…]verlässt ein Mann das Unternehmen, der ein Stück Buchhandelsgeschichte mitgeschrieben hat: Der bisherige Leiter des Bereichs „Neue Produkte“ ist der Erfinder der „SZ-Bibliothek“ – und mischte damit im März 2004 den „Sondereditionen“-Markt neu auf.
Eigentlich war die Bibliothek als Marketingmaschine für die SZ gedacht – um die Zeitungsabos deutlich in die Höhe zu treiben. Der Coup glückte: Die erste Staffel der „SZ-Bibliothek“ entwickelte ein Eigenleben, wie es sich ihr Schöpfer im Traum nicht ausgemalt hatte. Schon ein Jahr später waren über elf Millionen Exemplare verkauft, die ersten Trittbrettfahrer (z.B. BILD) sprangen auf den Zug und überschwemmten den Markt mit ähnliche preiswerten Produkten.
Aber Rumberg und SZ waren den Konkurrenten immer eine Nasenlänge voraus. Es entstanden weitere Buch- und Filmreihen im Ressort „Neue Produkte“ (WM-Bibliothek, Krimi-Bibliothek, Kinder- und Jugendbibliothek, Cinemathek), die sämtlich am Markt reüssierten.
Rumberg wird, wie schon durchsickert, die Buchbranche verlassen, aber auch in seiner neuen Tätigkeit der Buch- und Zeitungsbranche nebenberuflich als Berater verbunden bleiben. Rumberg hat es auch in den letzten Tagen immer wieder gesagt: „Machen Sie sich um meine Zukunft keine Sorgen, machen Sie sich lieber Sorgen um die Zukunft meiner Mitarbeiter.“