Hier die ausführliche Lösung des Rätsels [mehr…]:
Der gesuchte Verleger, Drucker und Buchhändler hieß Georg Joachim Göschen, wurde 1752 in Bremen als Sohn eines Kaufmanns geboren und starb 1828 in Grimma. Er verfasste mit Meine Gedanken über den Buchhandel und dessen Mängel, meine wenigen Erfahrungen und meine unmaßgeblichen Vorschläge, dieselben zu verbessern eine der Grundschriften der Branche (1802; Neudruck 1925).
Göschen erlernte von 1767 bis 1770 den Buchhandel bei Kramer in Bremen und war buchhändlerisch von 1770 bis 1081 in Leipzig und von 1781 bis 1785 in Dessau tätig, ehe er sich 1785 mit einer Verlagsbuchhandlung selbstständig machte. Von 1787 bis 1790 veranstaltete er eine erste Gesamtausgabe von Goethes Schriften, 1790 verlegte er Schillers Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Wieland und Klopstock waren weitere Klassiker, die er verlegte. Er stand damit in Konkurrenz zum 1659 gegründeten Verlag J. G. Cotta in Tübingen, ab 1810 in Stuttgart.
Göschen eröffnete 1793 eine eigene Druckerei in Leipzig, die er schon 1797 nach Grimma verlegte, in dessen Nähe er 1795 das Landgut Hohnstädt erworben hatte. Der Autor, der dort ab 1797 seine Druckerei beaufsichtigte und quasi als Lektor (Korrektor genannt) tätig war, hieß Johann Gottfried Seume. Seume verließ Göschen schon 1801 und begab sich auf eine Fußreise, über die er seinen sprichwörtlich gewordenen Bericht Spaziergang nach Syrakus verfasste (1803).
Göschen siedelte 1812 ganz nach Grimma-Hohnstädt über, 1823 verlegte er auch den Verlagssitz dorthin.
Göschen starb 1828, Druckerei und Druckereigebäude am Markt in Grimma gingen an den Berliner Verleger Georg Andreas Reimer über, die Verlagsbuchhandlung wurde 1828 nach Leipzig zurückverlegt und 1823 nach öffentlicher Versteigerung an den Konkurrenten Cotta verkauft, dem es dabei einzig und allein um die Rechte an den Klassikern ging.
1868 trennte sich Cotta vom Verlag Göschen, der von dem Cotta-Mitarbeiter Ferdinand Weibert als selbstständiger Verlag eine Zeitlang weitergeführt wurde, dann mehrmals den Besitzer wechselte und seit 1919 zum Verlagskonzern Walter de Gruyter gehört. Als kulturpolitische Leistung von besonderem Wert muß in diesem Zusammenhang die Sammlung Göschen genannt werden, eine wissenschaftliche Taschenbuchreihe, die im Jahre 1889 von Adolf Nast begründet wurde und nach dem Verlag benannt worden ist, in dem sie erschien.
„Bis 1934 verblieb das Wohnhaus in Grimma-Hohnstädt noch in den Händen der Nachkommen Göschens, von denen es Renate Sturm-Francke (1903-1979) käuflich erwarb. Dieser engagierten Frau, die seit 1928 auf dem Gebiet der Heimatgeschichte tätig war und von 1951 bis 1955 das Heimatmuseum in Grimma leitete, ist es zu danken, dass es heute das Museum Göschenhaus gibt. Sie gestaltete mit großem Enthusiasmus und mit Sachkenntnis Göschens Wohnhaus im Laufe der Jahre im Stil jener Zeit aus, indem sie Möbel und Gebrauchsgegenstände von damals überall im Kreis Grimma und darüber hinaus aufspürte und erwarb, so daß die Räume im Erdgeschoss des Hauses ab 1963 zur vielbesuchten Gedenkstätte für Göschen und seine berühmtesten Gäste Körner, Schiller und Seume wurden“ (Eberhard Zänker).
Das ebenfalls erhaltene Druckereigebäude am Markt in Grimma ist heute im Besitz eines Leipziger Kunsthändlers. Das Erdgeschoss wird als Veranstaltungs- und Ausstellungsort genutzt. Das Gebäude trägt den Namen Seume-Haus. Es ist auch Sitz des Internationalen Johann-Gottfried-Seume-Vereins Arethusa.
Literatur über Seumes Lektorentätigkeit (Auswahl):
Jörg Drews (Hrsg.): Wo man aufgehört hat zu handeln fängt man gewöhnlich an zu schreiben – Johann Gottfried Seume in seiner Zeit. Bielefeld: Aisthesis 1991
Stephan Füssel: Seume, Johann Gottfried. In: Lexikon des gesamten Buchwesens. 2. Auflage. Bd. VII S. 66/67. Stuttgart: Hiersemann 2004.
Johann Gottfried Seume: Briefe. Frankfurt/Main: Deutscher Klassiker Verlag 2002.
Eberhard Zänker: Georg Joachim Göschen. Buchhändler/Drucker/Verleger/Schriftsteller. Beucha: Sax 1996
Eberhard Zänker: Johann Gottfried Seume. Eine Biographie. Leipzig: Faber&Faber 2005