Die Edition Helga Lengenfelder, München, 1985 gegründet und auf die Reproduktion mittelalterlicher illuminierter und illustrierter Handschriften in Form von Farbmikrofiches spezialisiert, hat zum Jahresende 2008 seine Tätigkeiten eingestellt. Der Verlag wurde stillgelegt.
Damit ist wieder ein kleiner Spezialverlag aus unserer Kulturlandschaft verschwunden, der ganz besondere Schätze aus der Vergangenheit auf den Markt gebracht hat.
Seit Beginn ihrer Lehrzeit im Buch- und Kunstauktionshaus Dr. Hauswedell in Hamburg mit wechselnden Stationen bei Otto Harrassowitz in Wiesbaden und im K.G. Saur Verlag in München hat sich Dr. Helga Lengenfelder mittelalterlichen Handschriften verschrieben und 1985 ihren Verlag aus eigener Kraft aufgebaut und allein geführt.
“Es ist heute in Zeiten der Digitalisierung großer Mengen gar nicht mehr vorstellbar, dass archivbeständiges Farbfilmmaterial gerade erst 1985 entwickelt wurde und als Basis für die Reproduktion vollständiger Handschriften in Farbmikroform ausreichende Qualität besaß, so dass die Bibliotheken willens waren, die Verfilmungen ihrer Tresorschätze unter zum Teil abenteuerlichen Umständen vorzunehmen, auch im Hinblick darauf, dass sich für die Notwendigkeiten der Konservierung eine Alternative zu den kostspieligen Faksimile-Ausgaben bot. Alles musste auch so organisiert werden, dass die Kosten für mich tragbar blieben, denn eine finanzielle Unterstützung für die Entwicklung habe ich von keiner Stelle bekommen“, so Lengenfelder über einen Grund der Verlagsschließung.
Worüber sie aber sehr froh ist: Es ist gelungen, das gesamte Verlagsarchiv, das Filmmaterial, die Veröffentlichungen, die Arbeitsbibliothek und alle Unterlagen zur Verlagsgeschichte in die Obhut eines kulturhistorischen Archivs zu geben, wo sie der Forschung und weiteren Erschließung zur Verfügung stehen.
“Ich habe großes Glück gehabt, dass ich die Zeit nutzen konnte, dass ich meine privaten Interessen, Studienkenntnisse und berufliche Erfahrung in der Arbeit verbinden konnte, ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, und kein bisschen traurig“, so Helga Lengenfelder gegenüber buchmarkt.de.