
Romanfabrik-Chef Michael Hohmann konnte gestern Abend Rawi Hage auf der zweiten Station seiner Lesereise in Frankfurt begrüßen. Lektorin Eva Marie von Hippel und der Schauspieler August Zirner begleiteten den Autor. In seinem Debütroman Als ob es kein Morgen gäbe, soeben im DuMont Literatur und Kunst Verlag erschienen, schildert Rawi Hage Bürgerkriegs-Eindrücke aus dem Blickwinkel eines Jugendlichen im Beirut der 80er Jahre.
„In der deutschen Übertragung von Gregor Hens – er ist selbst Schriftsteller – glaubt man die Detonationen der Bomben zu hören, den Brandgeruch zu riechen“, setzte Michael Hohmann der Lesung voran.
Eva Marie von Hippel entdeckte das bereits 2006 unter dem Titel De Niro’s Game erschienene und im vergangenen Jahr mit dem IMPAC Award, dem höchstdotierten Literaturpreis der Welt für ein Einzelwerk, ausgezeichnete Buch und war vom ersten Augenblick an begeistert.
Die Lesung bestritten abwechselnd August Zirner auf Deutsch und Rawi Hage auf Englisch.
Eine Diskussion schloss sich an, in der Rawi Hage, er wanderte 1982 in die USA aus – für Frankreich hatte er kein Visum bekommen – , von seiner ersten Berufslaufbahn als Fotograf erzählte. In New York arbeitete er als Assistent eines Fotografen, entdeckte seine Leidenschaft für das Metier und studierte in Kanada, dort wohnt er seit 1991, Fotografie. Allerdings trug er schon immer Geschichten aus seiner Heimat Beirut mit sich herum, die waren fotografisch so nicht umsetzbar. „Eine Fotografie ist wie ein One Night Stand, ein Roman wie eine Beziehung“, antwortete er auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Fotografieren und Schreiben.
Sein zweiter Roman Cockroache, liegt bereits auf Englisch vor. Bei DuMont ist die deutsche Ausgabe für nächstes Jahr geplant.
JF