
Mit 152 Anmeldungen hat gestern die größte Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlichen Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) in der Geschichte begonnen. Unter der Überschrift „Mit E-Content zu neuen Handelsprozessen“ ging es um die Frage, welche Rolle Verlage, Barsortimente, Aggregatoren und Buchhandel in Zukunft beim Verkauf von E-Books und digitalen Inhalten einnehmen werden.
Dabei habe der Wettbewerb um die Bibliotheksmarkt um den Verkauf von E-Books längst begonnen, die klare Abgrenzung der Sparten steht in Frage, diese Stimmung wurde schnell nach den ersten Vorträgen heute deutlich. Die Frage der Tagung, die dieses Jahr in Bonn stattfindet, lautet: Wer macht in Zukunft welches Geschäft?

Einführend berichtete Dr. Klaus Junkes-Kirchen von der Universitätsbibliothek Frankfurt über „Freud und Leid“ mit dem neuen Medium E-Book in wissenschaftlichen Bibliotheken.
Danach stellte sich Jörg Pieper, Geschäftsführer der Buchhandlung Schweitzer Kamloth aus Bremen der Frage wie der Kunde zum E-Book kommt. Dabei nehme das Katalogmanagement eine zentrale Rolle ein. „Der Kunde will eine Quelle, in der alles zusammengestellt ist.“ Deshalb unterhalte Schweitzer einen eigenen Katalog über alle Medien, für den die Daten im Haus selbst zusamengestellt, aber auch von außen zugekauft werden. „Link-Lösungen haben keine Zukunft“, so Pieper.

Neben verschiedenen Bezahlmodellen stellte Pieper neue Möglichkeiten an Serviceleistungen vor, an denen Schweitzer derzeit arbeitet. So kann eine Buchhandlung für Bibliotheken E-Book Paketstrukturen auflösen, außerdem alle E-Contente mit den entsprechenden Rechte- und Rollenkonzepten einbinden und die Titel von unterschiedlichen Aggregatoren zusammenbinden. Pieper bemängelte die zu geingen Erlöse und Rabatte beim Verkauf von E-Books. „Die können nicht bei 5, 10 oder 15 Prozent, sondern eher zwischen 15 und 45 liegen“, forderte er.

Klaus Tapken, von Missing Link Versandbuchhandlung eG gab Antworten auf die Frage aus der Sicht eines Aggregatoren, der E-Books aus verschiedenen Verlagen aufnimmt und auf eine Plattform stellt. Dabei nannte er positive Bespiele von Geschäftsfällen, in denen es möglich war, Verlage Buchhandlungen und Verlage in den Verkaufsprozess einzubinden. Er machte deutlich, dass Verlage mit ihren Direktvertriebsabteilungen zwar große Einzelverkäufe möglich machen können, aber nur selten in der Lage sind, Kunden nachhaltig zu binden. „Das können Buchhandlungen besser“, sagte er.

Die strategischen und konzeptionellen Überlegungen zum Aufbau der neuen Datenbank beim Verlag Walter de Gruyter stellte Buchhandelsvertriebsleiter Paul Osborne vor. „Je schlanker und einfacher desto besser“, lautete dabei die Anforderung an das Portal unter dem Titel ReferenceGlobal. Dafür habe de Gruyter die Preismodelle auch neu gestaltet. Osborne wurde mit der Kritik konfrontiert, wonach Bibliotheken über den Direktvertrieb günstigere Preise angeboten wurden als über den Buchhandel und versicherte, dass Buchhandlungen nachträglich Gutschriften ausgestellt wurden und sagte: „Diese Frage werden wir im nächsten Jahr lösen müssen. Ich hoffe, wir kommen dahin, dass wir gleiche Preise anbieten können.“

Ralf Schiering, zuständig für Libri.biz, stellte die zunehmende Notwendigkeit von E-Procurementlösungen heraus. Studien belegen, dass Unternehmen mit elektronischen Bestellsystemen 15-35 Prozent der Beschaffungskosten einsparen können. Insbesondere für E-Books, die wie Bücher bei vielen Unternehmen als C-Artikel gelten, sei dies interessant. „Bei Ausschreibungen werden in Zukunft zu 80 Prozent Service und zu 20 Prozent System eine Rolle spielen“.

Der Leiter des Mainzer Instituts für Buchwissenschaften Prof. Dr. Stefan Füssel stellte eine Untersuchung bei einer Gruppe unter 815 Studenten vor, was diese als Kunden der Zukunft von E-Readern und digitalen Inhalten erwarten. Zwei Drittel der Studierenden wollen demnach Lehrbücher weiterhin als Printwerke beziehen. 66 Prozent von ihnen können sich aber auch vorstellen, wenn Reader genügend unterschiedliche Inhalte bieten darauf auch Belletristik zu lesen. Für Portallösungen könnten sie aber die Kunden der Zukunft sein, denn die überwiedgende Zal gab an, dass sie Lösungen wie Kunstgeschichte oder Beck-Online auch nach dem Studoum nutzen wollten. „Die Frage ist, ob Sortimenter auch an Studierende Zugänge verkaufen können“, so Füssel.
Im Anschluss begann der unterhaltsame Teil des Abends, ein Besuch im Arp-Museum und das festliche Abendessen. Morgen soll es weitergehen mit einem Überblick von Ciando-Chef Dr. Werner Christian Guggemos über die E-Reader-Technologien und mit Tipps von Haufe Vertriebsgeschäftsführer Mirza Hayit zum Thema wie Wissenschafts- und Fachliteratur professionell über E-Mail vermarktet werden können.