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Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und der Börsenverein präsentierte stabile Umsatzzahlen

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Heute in den Feuilletons: Die Branche hat stabile Umsatzzahlen, wie buchmarkt.de gestern schon berichtet hat: [mehr…]

Frankfurter Rundschau

Joseph Weizenbaum, 2008 verstorbener, langjähriger Professor für Computer Science in Cambridge stellte vor einigen Jahren fest, es gäbe immer weniger qualifizierte IT-Nachwuchskräfte und war sicher: „Computer für Kinder – das macht Apfelmus aus Hirnen.“ Paula Bleckmann, Medienpädagogin in Emmendingen kommentiert in ihrem Gastbeitrag zum Thema Medienkonsum.

Fredrik Coltings 60 ears Later: Coming through the Rye, die Fortsetzung des Fängers im Roggen, darf in den USA nicht erscheinen. In Großbritannien ist sie unter dem Pseudonym J. D. California bereits erschienen.

„Eine Schonzeit“ sieht Ina Hartwig für den deutschen Buchhandel anlässlich der Präsentation der Umsatzzahlen 2008 durch den Börsenverein, die heute erfolgen soll. Erfreulich: Kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 10 Angestellten haben sich als umsatzstark erwiesen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zum Umsatzzuwachs von 0,4 Prozent im letzten Jahr in der Buchbranche macht sich Sandra Kegel Gedanken: ein „vergleichsweise geschmeidiges Gut“ sei das Buch aus zwei Gründen. „Ganz offensichtlich wenden sich die Menschen in der Krise vom medialen Getöse ab und suchen andere Werte. Klar ist aber auch, dass, wer sparen muss, sich ein Buch noch immer eher leisten kann als einen neuen iPod oder eine Reise ins Ausland.“ Das Buch als Notlösung?

„Lieben“, meint Pia Reinacher von Friedrich Glauser, „konnte er nur theoretisch, vorzugsweise in Abwesenheit des Objektes der Begierde“. Im Nimbus Verlag sind Briefe und Gedichte des Schweizers erschienen: Pfützen schreien so laut ihr Licht. Gesammelte Gedichte, herausgegeben von Bernhard Echte. Die Briefe an Elisabeth von Ruckteschell und die Asconeser Freunde ist unter dem Titel Man kann sehr schön mit Dir schweigen erschienen. „Kostbarkeiten“ seien diese Bände.

„Kurzweilig“ findet Helmut Mayer das Blättern im Schimpfwörterbuch zu der von Karl Kraus 1898 bis 1936 herausgegebenen Zeitschrit „Die Fackel“ im Verlag der Östereichischen Akademie der Wissenschaften, den „Ertrag“ findet er aber „bescheiden“.

Kritik in Kürze:

Stephanie Catanie u.a. (Hg.): Die Kunst der Erinnerung. Poetik der Liebe. Das erzählerische Werk Hanns-Josef Ortheils, Wallstein

Elfreide Gerstl: Lebenszeichen, Gedichte Träume Denkkrümel, Literaturverlag Droschl

Wirtschaftsbücher:

Die „Virtualisierung“ des Geldes zeigt Niall Ferguson in Der Aufstieg des Geldes bei Econ auf. Der Rezensent bedauert allerdings das Fehlen des geldtheoretischen und ökonomischen Aspekts in der ansonsten allgemeinverständlichen Darstellung und moniert teilweise vorkommende Widersprüchlichkeiten.

Zu den „Risiken und Nebenwirkungen des deutschen Finanzföderalismus“ gibt es in den letzten Jahren einige Untersuchungen, eine Reform scheint dringend angeraten. Clemens Fuest und Michael Thöne machen „sinnvolle und vor allem politisch machbare Vorschläge“. Erhältlich ist ihr Bändchenbei der Stiftung Marktwirtschaft.

Sachbücher:

Robert Jütte rezensiert Ruediger Dahlkes und Vera Kaesemanns Krankheit als Sprache der Kinderseele (C. Bertelsmann) und zweifelt an der Kompetenz der Autoren.

Die Feuilletons der Frankfurter Zeitung und der Deutschen Allgemeinen Zeitung aus der Zeit der Weimarer Republik untersucht Barbara Wildenhahn in ihrer Dissertation Feuilleton zwischen den Kriegen bei Wilhelm Fink und kann einen „stark politischen Impetus“ im Kulturjournalismus nachweisen.

Financial Times Deutschland

Die Zeitung auf rosa Papier hat sich mit einer Konferenz um die Frage gekümmert: „Wie das Neue in die Welt kommt.“ Zahlreiche best practice Beispiele erhielten ihre Bühne. Schlussfolgerung:
> Alle Innovationen mussten Widerstände überwinden
> Widerstände können die Kreativität steigern, ein Produkt auch tatsächlich durchzusetzen
> Die besten Giftcocktails gegen Neuerungen kommen aus der Marketing-Abteilung
> Angriffe gehen oft ins Persönliche
> Je einfacher für den Kunden, desto eher setzt sich etwas Neues durch
> Kreative Zerstörer des Alten sind meist Quereinsteiger

Die Welt

Angesichts des nächste Woche startenden Harry-Potter-Films hat Wieland Freund einen neuen Fantasy-Trend ausgemacht: „Fantasy wird urban“, hat er festgestellt. Nicht Auenland, sondern U-Bahn, seien die neuen Schauplätze. Den Fans geht es nicht darum: „Hauptsache nicht nur real“.

Süddeutsche Zeitung

Hermann Parzinger und Thomas Flierl haben mit Humboldt-Forum Berlin. Das Projekt einen Band über die Pläne des „Kulturhauses“ gemeinsam mit dem Verlag Theater der Zeit herausgebracht. Jens Bisky meint: „Eine Nummer größer“.

„Im U-Bahnnetz der Seele“: Christoph Schröder bespricht John Wrays Roman Retter der Welt, erschienen bei Rowohlt. Schröder: „Das Buch ist ein Stationendrama, das sich problemlos auch als Thriller lesen lässt. Nichts raunt darin, nichts wird vergeheimnist. In klarer Sprache bekommt man die Innenarchitektur einen Kranken vorgeführt.“

Mathias Schreiber hat ein Buch über Glück geschrieben, „das nicht nur erheitert, tröstet oder Lebenshilfe leistet, sondern auch gedanklich stimuliert“. Johann Hinrich Claussen hat sich Das Gold in der Seele. Die Lehren vom Glück (DVA) angeschaut und meint: „Zum Glück gänzlich ratschlagsfrei“.

Der Literaturwissenschaftler Heinz Brüggemann über kritische und utopische Blicke der Literatur in dem Aufsatz Luftbilder eines kleinstädtischen Jahrhunderts. Ekstase und imaginäre Topographie in Jean Paul: Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch, der in Romantik und Moderne. Moden des Zeitalters und buntscheckige Schreibart (Königshausen & Neumann) herausgebracht wurde. Lothar Müller rezensiert.

Weitere Rezensionen zum politische Buch:
„Eine Abrechnung mit dem angeblichen Zeitgeist“: Hartmut Kühne rezensiert Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde des Spiegel-Redakteurs Jan Fleischhauer (Rowohlt). Kühne meint: „Fleischhauers Argumentation bleibt in vielen Punkten schwach. Seine Ausflüge in die Geistesgeschichte führen meist in Sackgassen. Hilflos ist schon sein Versuch zu definieren, was er unter links versteht.“ Und weiter: „Sein Buch verharrt in der Vergangenheit, in seiner eigenen Jugend. … Entsprechend altbacken schmeckt die Lektüre.“

Der Bildband Die sächsische Schweiz veröffentlicht Fotografien aus den Jahren 1911 – 1938 des Fotografen und Kletterers Walter Hahn. Jens Bove hat das Buch bei Lehmstedt herausgebracht. Ralf Husemann hat es sich angeschaut: „Bizarre Landschaften“.

Petra Krusell hat Briefe aus Kurdistan 1954 – 1963. Zwischen Krieg und Idyll – ein Leben im Straßenbau ihres Vaters Bernard Wittmann beim Verlag Hans Schiller herausgebracht. In den Briefen erzählt der Ingenieur und Bauleiter in der Manier Karl Mays aus dem „wilden Kurdistan“. Heinz Odermann meint, „die Briefe gehören zu den besten Berichten und Erzählungen aus diesem Land“.

Neue Zürcher Zeitung

„Japanischer Parzival“, überschreibt Ludger Lütgehaus seine Besprechung zu Sanshiros Wege von Natsume Soseki aus dem Be.bra Verlag. Eine Chinoiserie, die sch lohne: „Was literarisch Erotik sein kann, ohne den Leser mit den Plattheiten des «Sex», gar der Pornografie anzuöden – man liest es bei Natsume mit Begeisterung“, findet er.

Nachdenklich macht Gottfried Schatz in seinem Artikel „Bedrohtes Erbe“. Der emeritierte Biochemieprofessor der Uni Basel trägt zusammen, wie unsicher die Datenspeicher unserer Kultur sind und berichtet darüber, welche Anstrengungen es gibt, Datenträger zu schaffen, die den Jahrtausenden trotzden könnten. In den USA verbraucht die Datensspeicherung schn jetzt ein Prozent des gesamten Energiehaushalts. Das umkopieren der Informationen bedeute „gleichsam von einem sinkenden Schiff auf ein anderes umzuladen, das ebenfalls bald sinken wird.“

Kurz besprochen werden heute literarische Filme unter:
> „Bourdieus Habitus“: Soziologie ist ein Kampfsport Pierre Bourdieu im Porträt, Regie: Pierre Carles, Filmedition Suhrkamp
> „Beinahe Scorsese“: Kurzer Prozess, Regie: Jon Avnet, Kinowelt 2009
> „Doppelköpfige Coeniade“: Burn After Reading, Regie: Ethan and Joel Coen, Universum Film 2009

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