
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur. Band 9: Nationalsozialismus und Exil 1933-1945, herausgegeben von Wilhelm Haefs bei Hanser enthält überzeugende Beiträge, die aber, so David Oels kein Ganzes ergeben. Gespart habe der Verlag dort, wo heute oft gespart wird: Das Literaturverzeichnis ist unsortiert und damit „beinahe unbrauchbar“, Abkürzungsverzeichnis und sogar Werkverzeichnis fehlen ganz. Schade.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bertelsmann kehrt zurück ins Geschäft mit Musikrechten.
Nur ein Zehntel der 8,7 Millionen Quelle-Kataloge ist ausgeliefert.
„Vom jugendlichen NS-Barden zum kommunistischen Schriftstellerfunktionär, der schließlich unter Qualien zum kiritschen Autor in der DDR mutiert“ – heute vor 25 Jahren starb Franz Fühmann. Bei Hinstorff ist die Biografie Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns von Gunnar Decker erschienen.
Der Katalog zur Ausstellung Candida Höfer. Projects: Done, die bis zum 2. August in Leverkusen zu sehen ist, ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen.
Kritik in Kürze:
David Schumann: The Tokyo Diaries, Rockbuch
Rudolf Taschner: Der Zahlen gigantische Schatten – die fantastische Welt der Mathematik, dtv
Die Welt
„Goethe bloggt“, mit der Überschrift fischt man nach Aufmerksamkeit für ein Internetprojekt, das den Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe jetzt online stellen will. Der Clou: Der Briefwechsel soll in Echtzeit ins Netz gehen, nur 215 Jahre zeitversetzt. Im Jahr 2020 hätte man dann alle 1011 Briefe gelesen, auf die man per RSS-Feed aufmerksam gemacht wird. Link: www.briefwechsel-schiller-goethe.de.
Nach dem bayerischen Wissenschaftsminister [mehr…] fordern auch Historiker eine kritische Edition von „Mein Kampf“. Im Internet sei die Schrift ohnehin schon längst zu finden. Gefordert wurde dies auf eine Historikerkongress in Stuttgart zum 80. Geburtstag des Historikers Eberhard Jäckel, der in Zukunft „Holocaust“ mit „k“ geschrieben sehen will.
Die besten Büchereien stehen im Südwesten, zeigt der Bibliotheksindex, den der Deutsche Bibliotheksverband erstellt hat.
Süddeutsche Zeitung
Der Francokanadier Guy Delisle erregte in den letzten Jahren mit seinen Comic-Reportagen Shenzhen und Pjöngjang einiges Aufsehen. Mit seinem neuesten Band Aufzeichnungen aus Birma erweitert er nun seine Comic-Trilogie über asiatische Diktaturen (Reprodukt Verlag). Für Thomas von Steinaecker ist das Comic ein „seltener Glücksfall“.
Johannes Willms bespricht Louis Begleys neues Buch Der Fall Dreyfus: Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte (Suhrkamp). Der amerikanische Anwalt und Schriftsteller versucht anhand der Dreyfus-Affäre eine kritische Durchleuchtung und Infragestellung höchst gegenwärtiger Praktiken. Willms findet, Begley habe sich versagt, die zahlreichen Rechtsbeugungen ausführlicher darzustellen und anzuprangern, die sich die USA in ihrem „Krieg gegen den Terror“ willentlich und wissentlich habe zuschulden kommen lassen.
Thomas Geiger lässt 24 Dichter in Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart sich selbst kommentieren (dtv). Tobias Lehmkuhl rezensiert.
Roger Moore hat eine Autobiographie geschrieben. Mein Name ist Bond ist im kleinen Berliner Verlag Iron Pages (IP) erschienen. Hans-Peter Kunisch ist nicht gerade überzeugt, für ihn ist ein „Aston Martin spritziger“.
„Wort und Totschlag“: Der ehemalige Journalist Michael Connelly hat einen Kriminalroman über den Niedergang der amerikanischen Zeitungen geschrieben. Nikolaus Piper hat die englische Ausgabe von Scarecrow gelesen, Anfang 2011 soll das Buch auch auf Deutsch bei Heyne erscheinen.
Neue Zürcher Zeitung
„Resonanzraum des Gemüts“ sei die Poesie und Prosa von Pietro de Marchi, das jetzt unter Der Schwan und die Schaukel / Il cigno e l’altalena. Gedichte und Prosastücke 1990–2008. Italienisch und deutsch bei Limmat erschienen ist. Man lasse sich gerne bezirzen von diesem Buch, so Barbara Villiger Heilig: „Epigramme, Anagramme – de Marchi spielt gewieft mit der Sprache. Er beherrscht den Vers, ohne sich ihm unterzuordnen; er verwendet Reim, Binnenreim, Assonanz, ohne mit den rhetorischen Mitteln zu protzen.“
„Nichts Neues für die Mitte“, sondern Retro. Eine Altstadt für die Berliner Republik wolle Senatsbaudirektor Hans Stimmann zwischen wiederaufzubauendem Schloss und Fersehtum am Alex errichten und betrachtet wie es einmal war, in: Berliner Altstadt. Von der DDR-Staatsmitte zur Stadtmitte bei DOM Publishers.
„In Griechenland begann Europa“: Für Christian Meier sei dort Kultur um der Freiheit willen. Griechische Anfänge – Anfang Europas?, so sein Titel im Siedler-Verlag entstanden.
„Irgendwie spirituell“, sei die Gesellschaft, doch wie könne auch Hubert Knoblauch in seinem Buch Populäre Religion (Campus) nicht wirklich erklären, findet Urs Hafner.
„Das Grosse Amerikanische Unheil“: Junot Díaz rechnet in Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao mit dem Diktator der Dominikanischen Republik ab, erschienen im Fischer-Verlag.