
hat man unser Potenzial
noch nicht überall erkannt“
Am Donnerstag gab es in der ARD einen Gala Abend für Alfred Biolek. Tre Torri-Verleger Ralf Frenzel (Foto) war lange sein Berater, ist dadurch auf die Idee zur Verlagsgründung gekommen. Das war vor genau fünf Jahren – Anlass für Fragen an den umtriebigen Unternehmer.
Wie sieht die Bilanz nach fünf Jahren aus?
Tre Torri hat sich als Marke für Essen, Trinken und Genuss etabliert.
In einem schwer umkämpften Umfeld …
…Aber wir sind Meinungsführer und erster Ansprechpartner der Medien.
Sie nehmen den Mund ziemlich voll
Ach, ich mache das ganz bewusst. Ich weiß doch, was wir bewirken – denken Sie an meine Idee, zur Buchmesse 2008 während der Messe statt einem konventionellen Messestand ein Restaurant zu machen Und das wurde Dank der zahlreichen Sterneköche wie Hans-Stefan Steinheuer, Michael Hoffmann oder Ingo Holland – allesamt Tre Torri-Autoren – nicht nur eine kleine Oase, in der sich die Besucher vor der Masse aus Würstchen und Gummibärchen, die man sonst so auf der Messe findet, retten konnten, sondern hat auch zu Kontakten für uns geführt, die unbezahlbar waren. Und natürlich haben wir diesen Raum auch für die Medien geöffnet – unsere Autoren Alfred Biolek und Mario Lohninger, Chefkoch der Restaurants im Frankfurter Edeltechnoclub Cocoon, haben an einer Gesprächsrunde in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Neuen Presse teilgenommen.
Werden Sie die Idee in diesem Jahr wiederholen?
Lassen Sie sich überraschen!
Networking ist eine Ihrer Stärken.
Das war nur einer der Gründe, vor fünf Jahren meinen eigenen Verlag zu gründen. Ich hatte schon für andere Verlage Kochbücher gemacht, wollte aber meine Vision ohne Kompromisse umsetzen. Das schlägt sich jetzt immer mehr in Medienresonanz nieder.
Beispiel?
Zuletzt berichtete z.B. VOX in der Sendung „Wissenshunger“ über uns und in Focus wurde vor kurzem erst über eine historische Jahrhundertweinprobe (eine Reihenverkostung verschiedener Jahrgänge von Romanée-Conti und dem Assmannshäuser Höllenberg) im Kloster Eberbach berichtet, die eigens für das verlagseigene „FINE. Das Weinmagazin“ initiiert wurde.
Sie fühlen sich aber immer noch vom Handel verkannt?
Ja, dort spüre ich immer noch Skepsis gegenüber unserem Verlag. Nicht überall hat man im Handel unser Potenzial erkannt.
Welches Potenzial?
Dann deutlicher: Wenn Buchhändler nur zwei bis fünf Verlage im Bereich Essen, Trinken und Genuss führen, dann müssen wir einer dieser Verlage sein. Da führt kein Weg daran vorbei, da wird unser Potenzial verkannt. Denn unsere Bücher haben einen vielfachen Mehrwert, sie haben einen hohen ästhetischen Anspruch, ein Tre Torri-Buch kann man immer wieder aus dem Regal in die Hand nehmen und anschauen.
Das gilt für die Produkte Ihrer Wettbewerber aber auch …
Bei Büchern wird der Preis immer mehr in die Breite und in die Tiefe gehen, das ist wie beim Wein. Und die Tre Torri-Leser legen in ihrem Leben viel Wert auf Genuss, und sie sind auch bereit dafür zu investieren.
In Ihrer Region brauchen Sie die Händler nicht mehr zu überzeugen, dort ist Tre Torri offensichtlich „Lokalmatador“ …
Ja, „Der BücherBauer“ etwa hier in Wiesbaden hat dieses Potenzial wohl erkannt, wir haben dort in seinem Laden sogar einen eigenen Bereich in der Abteilung Kochbücher.
Wie nutzen Sie das?
Zurzeit veranstalten wir als Verlag den „Gourmettalk“, eine Talkrunde die sich mit kulinarischen Themen auseinandersetzt.
Sie haben Ihr Herbstprogramm verabschiedet. Was glauben Sie, wird das heiße Thema dieses Herbstes?
Ohne Zweifel: Bauer sucht Frau! Das Buch wird im September erscheinen, das RTL-Format ‚Bauer sucht Frau‘ ist schließlich eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehsendungen, die Millionen vor den Fernseher zieht. Wir machen dazu das Buch, zeigen die besten Rezepte vom Lande und wie Liebe durch den Magen geht.
Sie haben mir mal gesagt, Sie wollen in fünf Jahren der profitabelste Verlag in Ihrem Bereich sein.
Wenn sich Qualität auszahlt, dann werden wir das schaffen. Wir sehen Tre Torri als die deutsche Buchmanufaktur. Das komplette Wissen und die Kompetenz für die Kochbücher sind in einem Haus geballt. Hier sollen Bücher nicht nur verlegt, sondern auch entwickelt werden, z.B. für die Dresdner Bank. Die waren von Frenzels Büchern so begeistert, dass im Verlag auch ein Kunstbuch für die Bank erschienen ist.
Neben den Köchen und Ernährungswissenschaftlern, die für Tre Torri arbeiten, können auch die Grafiker oder der Vertrieb „einen Weiß- vom Rotwein unterscheiden“. Meine Mitarbeiter wissen, was sie tun. Ich sehe Tre Torri als Stätte zur Verständnis der kulinarischen Tiefe. Ich möchte Rezepte von der Massenverpflegung bis zur Spitzenküche begreiflich machen – denn das Verstehen der Grundlagen schafft die nötige Sicherheit für kreative Prozesse.
Was war Ihnen in diesen fünf Verlegerjahren wichtig und was ist jetzt wichtig?
Mir war vor fünf Jahren wichtig, gegen den Trend der Billigproduktionen, qualitativ hochwertige Bücher zu machen. Und das ist mir heute wichtiger denn je: Ein seriöser Inhalt und eine hervorragende Bearbeitung.
Wie haben Sie sich als Newcomer gefühlt?
Es war schade, dass der eine oder andere Verlag uns nicht souverän willkommen geheißen hat. Auf der anderen Seite haben wir viele neue Kollegen kennengelernt, tolle Betreiber im Buchgeschäft. Viele sind im Laufe der letzten fünf Jahre Freunde geworden.
Wie sehen Sie den Markt jetzt?
Der Markt ist verängstigt. Gut, dass wir als Tre Torri Verlag wissen, was wir tun.
Fühlen Sie sich immer noch als Außenseiter, der Sie ja nie waren, denn Sie waren ja eigentlich ein Exot?
Exotische Früchte vollenden doch erst die heimischen Gerichte!
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz