
© DZB Leipzig – Karsten Sachse
Ab Januar 2010 wird es Audio-Literatur in Blindenbibliotheken nur noch in digitaler Form geben: auf MP3-CD mit komfortablen Zusatzfunktionen im blindenfreundlichen DAISY-Standard. Stolze 25.000 als Hörfassung produzierte Bücher und Zeitschriften sind bereits „daisyfiziert“ worden, und fast täglich kommen neue Titel hinzu – als Ausleih-Angebot für Sehbehinderte, aber auch von einigen Verlagen für den kommerziellen Handel.
Um auf die Bedeutung des stetig wachsenden DAISY-Angebots und die weit über das Hörbuch hinausgehenden Möglichkeiten des Formats aufmerksam zu machen, veranstaltete die Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Kooperation mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) in der vergangenen Woche den internationalen Kongress DAISY 2009 im Leipziger Ramada Hotel (www.daisy2009.de). Anwender, Entwickler und Experten trafen sich zum gegenseitigen Austausch und zur Diskussion über moderne Informationstechnologien, mit deren Hilfe Menschen mit funktionellen Leseeinschränkungen mit Literatur versorgt werden.
„In nicht einmal 100 Tagen endet die Ausleihe von Tonkassetten in allen deutschsprachigen Blindenhörbüchereien. Die Hörbücher werden dann ausschließlich als digitale Angebote im DAISY-Format verschickt“, freute sich Thomas Kahlisch, Direktor der DZB Leipzig, über einen historischen Schritt: Gemeinsam schnitten er und Elke Dittmer, Geschäftsführerin der Norddeutschen Blindenhörbücherei Hamburg, den ersten Abschnitt eines übergroßen Maßbands ab, das in den verbleibenden Wochen des Jahres 2009 die letzten Tage der Kassette zählt. Auch diese stand überdimensional auf der Bühne, um symbolisch verabschiedet zu werden. Kahlisch: „Wir sagen: Vielen Dank, Kassette! Aber auch: Hallo, DAISY! Denn dank der sehr einfach zu bedienenden Abspielgeräte haben gerade ältere Menschen, die nicht den Computer nutzen wollen oder können, jetzt einen noch bequemeren Zugang zum Buch- und Zeitschriftenmarkt.“
Wie vielfältig dieser Markt längst ist, davon konnten sich Interessierte im öffentlichen DAISY-Anwenderforum überzeugen. Schlag auf Schlag präsentierten elf Entwickler und Dienstleister in nur wenigen Minuten ihr jeweiliges DAISY-Projekt. Zum Beispiel stellte Katharina Eberenz vom Argon Verlag die „argon daisy edition“ vor: 180 Hörbuch-Bestseller werden im speziellen DAISY-Design und -Format angeboten – die meisten schon in der zweiten Auflage. Elke Dittmer präsentierte ein Katalogverwaltungsprogramm zum Suchen, Finden und Bestellen von Daisy-Büchern, und Irene Klein vom Verbandsmagazin „Gegenwart“ des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes zeigte „DBSV-Inform“, eine CD, die die ganze Vielfalt der Blinden- und Sehbehinderten-Selbsthilfe abbildet. Gastgeber Thomas Kalisch wiederum sprach über die Gruner+Jahr-Zeitschrift „Neon“, die ab Januar im DAISY-Format erscheinen wird – ein auflagenstarkes Magazin für die junge Zielgruppe.
Silvester 2009 ist also Schluss mit dem analogen Zeitalter in allen deutschen, österreichischen und schweizerischen Blindenbibliotheken. Wer wissen möchte, was die digitale Zukunft ab Januar bietet, sollte das Internetradio Ohrfunk (www.ohrfunk.de) sozusagen im Auge behalten – hier wird es bald einen Mitschnitt und Bericht zur DAISY-Woche geben.
rw