Der Geschwister-Scholl-Preis 2009 wird dem italienischen Schriftsteller Roberto Saviano verliehen. Er erhält den Preis für sein aktuelles Buch, „Das Gegenteil von Tod“ (Hanser)– aber darüber hinaus für sein engagiertes Schreiben insgesamt.
Savianos Werk zeuge im Sinne des Preises von geistiger Unabhängigkeit und sei geeignet, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben, so die Preisbegründung. Der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und der Landeshauptstadt München verliehene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen David Grossmann, Anna Politkovskaja, Saul Friedländer, Necla Kelek und Arno Gruen.
Die Jury schreibt in ihrer Begründung, dass der gerade 30-jährige Saviano den Mut hat, die Wahrheit zu sagen: „Er spricht Dinge aus, die in Italien fast niemand zu sagen wagt und hat damit auch unseren Blick auf Italien verändert. Schon mit seinem literarischen Debüt „Gomorrha“ (Hanser, 2006) hat er einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, wie die Mafia, speziell die Camorra, immer noch das Leben der Menschen systematisch zerstört.
Ausdrücklich verweist die Jury auf die Klarheit und Intensität der Sprache Savianos, die seine Essays, Reportagen und Erzählungen so erschütternd macht: sie ist nüchtern, gleichzeitig empathisch, zart und in höchstem Maße poetisch. Seine literarische Wucht ist gespeist aus dem Zorn über die weltweite Macht der organisierten Kriminalität – trotzdem ist Roberto Saviano fähig wie kein anderer, die komplexen Sachverhalte eindringlich und allgemeinverständlich darzustellen. Damit leistet er ungeachtet seiner eigenen Situation einen einzigartigen Beitrag zum Verständnis des Leidens seiner Mitmenschen in seiner Heimat. Der Geschwister Scholl-Preis ehrt somit einen Autor, der unter Einsatz seines Lebens dagegen anschreibt, eine ausweglos erscheinende Situation als gegeben hinzunehmen.
Die Verleihung des Preises findet im Rahmen einer geschlossenen Festveranstaltung am Montag, dem 16. November 2009 um 19.00 Uhr in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München statt.