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S. Fischer – eine Lebensbeschreibung

Barbara Hoffmeister, Clemens Greve

Der 150. Geburtstag des Verlegers Samuel Fischer wurde gestern Abend im Frankfurter Holzhausenschlösschen vorab gefeiert. Von den vier Geburtsdaten, die von Samuel Fischer kolportiert werden, hat sich der 24.12.1859 durchgesetzt – es gibt eine handschriftliche Notiz des Verlegers. Doch ebenso gut hätte er gestern Geburtstag haben können, der Abend wäre ihm durchaus gerecht geworden.

Monika Schoeller, Verlegerin S. Fischer Verlag, begrüßte die Gäste, die in Scharen gekommen waren. „Es war schon lange mein Wunsch, eine neue Biografie über Samuel Fischer zu veröffentlichen. Doch die oft zweifelhaften und viele Lücken aufweisenden Quellen erschwerten das Vorhaben. Außerdem war ich auf der Suche nach einem einfühlsamen Autor für einen Menschen, der so recht öffentlich nie sein wollte.“

Die Autorin heißt Barbara Hoffmeister, „sie hat uns schon mit ‚Die Familie Mann’ beeindruckt“, erläuterte Monika Schoeller und würdigt die jüngste Arbeit: „Entstanden ist eine einfühlsame Biografie.“ Die Verlegerin wies auf den sorgsamen Umgang mit den Quellen hin, sie konnte das im Verlagsarchiv in Marbach sehen. In diesem Zusammenhang dankte sie auch den Marbacher Mitarbeiterinnen Ingrid Kussmaul und Angelika Lochmann, die ebenfalls an diesem Abend nach Frankfurt gekommen waren.

Auf die lange Tradition des Verlages und die enge Beziehung zu seinen Autoren zielend, erinnerte Monika Schoeller an den Fischer-Autor Hans Keilson, der am 12. Dezember 2009 seinen hundertsten Geburtstag feiern wird und stellte fest: „Wenn ich Hans Keilson dann gratuliere, werde ich nur einen Händedruck von Samuel Fischer entfernt sein“.

Clemens Greve, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Holzhausenschlösschen, moderierte die Veranstaltung und würdigte zunächst die von Peter de Mendelssohn 1970 erschienene Biografie S. Fischer und sein Verlag. Doch Barbara Hoffmeister hat in ihren sorgfältigen Recherchen neue Quellen aufgetan. So ist eine Lebensbeschreibung entstanden.

Dann kommt die Autorin zu Wort und liest das erste Kapitel über einen Verleger, der auf Gruppenfotos meist am Bildrand zu finden ist, als Verleger jedoch immer mitten im Bild steht.

Der in Ungarn in einer jüdischen Familie geborene Samuel Fischer kam höchstwahrscheinlich 1879 nach Berlin, zu einer Zeit, als dem Wort der Nimbus geistiger Führung oblag. Im gleichen Jahr äußerte allerdings Heinrich von Treitschke, Berliner Geschichtsprofessor bereits: „Die Juden sind unser Unglück“.

Der gelernte Buchhändler Samuel Fischer – ein kurzer Wortwechsel zwischen Barbara Hoffmeister und Clemens Greve, ob diese Lehre in Wien absolviert wurde, veranschaulichte die Kompetenz und Verve der Autorin – hatte zu Beginn noch eine zweite Firma, es bleibt trotz aller Bemühungen im Dunkeln, womit sich diese beschäftigte. Der erste nachweisbare Berliner Wohnsitz war in der Kochstraße, heute befindet sich dort der Check Point Charlie. „Alle möglichen Plaketten sind am Haus angebracht, ein Hinweis auf S. Fischer fehlt aber“, weiß die Autorin.

1886 gründete er den S. Fischer Verlag in Berlin, als erstes Buch erschien das Schauspiel Rosmersholm von Henrik Ibsen. Autoren wie Zola, Tolstoi, Dostojewski waren dem jungen Verleger wichtig. Otto Brahm gründete mit Samuel Fischer und weiteren 1889 die Freie Bühne, ein Verein, der für den Verlag von Bedeutung war, ganz im Sinne Fischers, der einen Markt für geistige Werte schaffen wollte.
1890 ließ sich Samuel Fischer in Coburg einbürgern, die Staatspolizei und die Sittenpolizei waren ihm auf den Fersen; Coburg galt als liberal.

1895 kam Moritz Heimann in den Verlag – er blieb 30 Jahre, „wie die meisten Mitarbeiter, auch heute noch“, ergänzte Clemens Greve. Heimann unterbreitete Vorschläge, arbeitete mit den Autoren – ein Novum in der Verlagsgeschichte – doch Samuel Fischer entschied. Er sieht es als seine Aufgabe als Verleger, „dem Publikum Werte aufzudrängen, die es nicht will.“

Barbara Hoffmeister weist auf das Jahr 1926 hin. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Verlages erscheint ein Almanach, „eine Zeitmode, aber die von S. Fischer waren wirklich gut“, betont die Autorin. Schon damals sieht Samuel Fischer eine Gefahr, dass Bücher obsolet werden könnten.

Ein Gedanke, der auch heute immer wieder eine Rolle spielt. Doch Bücher gibt es immer noch – ein wichtiges ist hinzugekommen.

Wie sagte Samuel Fischer? „Bücher machen weder gut noch schlecht, aber besser oder schlechter.“

JF

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