
Es soll eine andere Art von Adventskalender und Fragebogen an die Akteure der Buchbranche werden: Seit Nikolaustag fragen wir täglich bis zu den Heiligen drei Königen in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Wenn’s gefällt, gibt es 2010 eine Neuauflage! Heute wird der Fragebogen von Libelle-Verleger und BuchMarkt-Kolumnist Ekkehard Faude (Foto) beantwortet.
1
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Ein Samstag im späten Frühjahr, als ich mit meiner Frau rheinabwärts die ersten beiden Klöster ansteuerte, die in Arno Borsts Buch „Mönche am Bodensee“ vorkommen. Geschichte vor Ort. Nur selten lässt sich ein schöner Ausflug zugleich als Arbeit deklarieren.
2
Worüber haben Sie sich 2009 am meisten geärgert?
Aber das eigene Unvermögen, den enormen Spaß am täglich aus dem Netz gefischten kostenlosen Lesestoff mit den vernünftigen bzw. herkömmlichen Gedanken an Autoren- und Verlagsrechten der Google-Diskussion in Einklang zu bringen.
3
Was war 2009 Ihr schönster Erfolg?
Dass ich bei der Nachricht, wie Egon Ammann es schafft, rechtzeitig mit seiner (hervorragenden) Arbeit aufzuhören, nicht in blanken Neid verfallen bin…
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Unserer Kätzin mit Argumentation der political correctness von Jagd und Verzehr ihres nächsten Rotkehlchens abzuraten.
5
Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Die schönste Buchhandlung: Die in Markdorf mit den strahlenden Augen von Susanne Scheffel, kurz bevor wir dann den sommerlichen RA im Innenhof eines Cafés machen. Der Verlag: Die vielgestaltige und konsequente Arbeit um Theater und Film von Alexander Wewerka im Alexander Verlag.
6
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Von unbeabsichtigten Nachkommen mittelgroßer Schriftsteller.
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Über das Anwachsen der Gletscher. Oder die ansteigende Lagerverbreiterung im Sortiment, damit Online-Käufer wieder zurück kommen.
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Mit dem hoffnungsvoll psalmodierten Satz „Das schaffen wir schon“ Wochen später einen Zeitdruck anzurichten, bei dem der Alltag flöten geht.
9
Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Der Kätzin, wenn sie wieder vom halbvollen Napf wegschreitet und sich später beharrlich weigert, den Rest aufzufressen, dann doch ein anderes Futter zu geben.
10
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Besondere Freude machen immer Bücher im Plural. Von anderswo verlegten: Chateaubriands Tagebuch seiner Reise von Paris nach Jerusalem, Jochen Schimmangs „Das Beste was wir hatten“. Von den eigenen: Ulrike Draesners echolotische Antworten auf Johann Peter Hebels „Kästchengeschichten“.
11
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Arno Borst „Mönche am Bodensee“. Weil es kein besseres Buch übers Mittelalter am Bodensee und über Spiritualität in ziemlich heidnischer Zeit gibt. Damit die Leser ins 24-seitige Register kucken und die europäischen Bezüge dieses Megawerks sehen, haben wir jedem Buchstaben ein Bodensee-Foto spendiert.
12
Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Martin Schmitz, dem Verleger.
13
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Welche Begegnung am Frankfurter Messestand hat die leuchtendsten Erinnerungen hinterlassen?
14
Hier können Sie die auch beantworten…
Als am Samstag unversehens Hartmut von Hentig auftauchte, den ich jahrelang nicht mehr gesehen hatte. Die Präsenz und Lebhaftigkeit dieses Vierundachtzigjährigen, unsere Vorfreude auf ein gemeinsames Buch.
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