Der 40.000 Euro dotierte Oskar Pastior Preis 2010 geht an den Dichter Oswald Egger. Die Oskar Pastior Stiftung vergibt den Preis in diesem Jahr zum ersten Mal.
Oswald Egger erkunde in seinem Werk die vielstimmigen Erscheinungs- und Wahrnehmungsformen von Welt in Sprache, heißt es in der Begründung. „Mit Spielwitz und Risikofreude macht er noch die entlegensten Vokabularien und Wortschätze zum Material seiner mathematisch-poetischen Versuchsanordnungen und treibt so die Traditionen experimentellen Schreibens voran.“
Oswald Egger, geboren 1963 in Lana (Südtirol), hat in Wien Philosophie und Literatur studiert und lebt als freier Autor auf der Raketenstation Hombroich. Im Frühjahr erscheint sein Buch Die ganze Zeit im Suhrkamp Verlag.
Verliehen wird der Preis am 28. Mai im Berliner Rathaus; die Laudatio hält der Lyriker Ulf Stolterfoht. Die Preisverleihung wird begleitet von einem öffentlichen Symposion zu den Möglichkeiten experimentellen Schreibens im Literaturhaus Berlin.
Der 2006 gestorbene Dichter Oskar Pastior hatte die Stiftung zur Förderung aller Spielarten experimenteller Literatur, in deren Tradition er stand, testamentarisch verfügt. Herta Müller, die eng mit ihm befreundet war, beschreibt die Beweggründe für seine Stiftung so: „„Dieses Geld ist keine Erbschaft, sondern Seelengeld – in lebenslang gesparten kleinen Summen. Das Sparen war, auch wenn er nie darüber sprach, kein Geheimnis, sondern Selbstverständlichkeit. Und es war nicht Verzicht, sondern Bescheidenheit. Und komplementär zu seiner Literatur eine Vorarbeit für die Literatur, die nach ihm kommt.“
Wichtigste Aufgabe der Stiftung ist die Vergabe des Oskar Pastior Preises, der alle zwei Jahre vergeben wird. Außerdem fördert die Stiftung Arbeiten und Veröffentlichungen experimenteller Literatur und Kunst sowie wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet. Ihr obliegt auch die Pflege und Vermittlung des Werks von Oskar Pastior. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Stiftungsrats hatte Oskar Pastior selbst bestimmt: Klaus Ramm, Ernest Wichner, Marianne Frisch, Herta Müller, Dierk Rodewald, Ulf Stolterfoht und Christina Weiss.