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Das Blaue Sofa in Berlin: Buchpräsentation mit Eugene Drucker

Eugene Drucker und Ruth Jarre auf
dem Blauen Sofa

Doppelter Kunstgenuss im Berliner Ensemble: Der weltberühmte Geiger Eugene Drucker las gestern aus seinem Debütroman Wintersonate, der jetzt im Osburg Verlag erschienen ist. Das Publikum kam außerdem in den Genuss eines Konzerts.

Drucker, Gründungsmitglied des Emerson String Quartetts, hatte seine Stradivari mitgebracht und spielte zwei Sätze aus der Chaconne von Bach, die auch in dem Roman eine Rolle spielt.

Bevor heute die Deutschlandtournee des Quartetts mit Stationen in Berlin, Köln und Freiburg startet, nahm sich Drucker die Zeit für die Buchpräsentation auf dem Blauen Sofa vom Club Bertelsmann, das auf der Leipziger Buchmesse sein 10jähriges Jubiläum feiern wird, und heute mal wieder in Berlin zu Gast war. Im Gespräch mit der Journalistin Ruth Jarre (Deutschlandradio Kultur) erzählte der Autor von der Entstehungsgeschichte des Buches, das 2007 in den USA unter dem Titel The Savior bei Simon & Schuster erschien und dort begeistert aufgenommen wurde.

Das Publikum erfuhr, dass Drucker, der in den USA nicht nur Musik, sondern auch Englisch und Literaturwissenschaften studierte, seit 1976 an dem Roman gearbeitet hat. Den Stoff für die „Wintersonate“ nahm der 58-Jährige aus der Lebensgeschichte seines Vaters: Der Geiger Ernst Drucker, Jahrgang 1909, musste als deutscher Jude 1938 vor den Nationalsozialisten fliehen. Seinem Sohn hat er in dessen Kindheit viel über das Naziregime erzählt – ohne ihm dabei Hass auf Deutschland zu vermitteln. Vielmehr habe sein Vater ihm eine Sensibilität für das Leiden anderer beigebracht, so Drucker.

Das Thema hat ihn fortan nicht mehr losgelassen. In „Wintersonate“ erzählt Drucker von einem sensiblen Musiker, der durch sein Spiel unfreiwillig zum Handlanger eines KZ-Kommandanten wird. Der Autor ist froh, dass sein bewegendes Buch nun auch in dem Land erschienen ist, in dem die Handlung spielt. Im Mittelpunkt steht die spirituelle Kraft der Musik, aber auch die Frage, wie so etwas in einem kultivierten Land geschehen konnte und wie man sich selbst verhalten hätte. Eine Antwort gibt er nicht, aber den Anstoß zum Nachdenken.

ML

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