Hier die komplette Lösung des Rätsels [mehr…]: Die Eheleute, die das Gesicht des Insel Verlages prägten, waren Anton Kippenberg (1874-1950) und Katharina Kippenberg, geb. von Düring (1876-1947). Ihre Erben verkauften den Verlag 1963 an den Suhrkamp Verlag, mit dem er seit 1965 in Personalunion geführt wird und Anfang 2010 von Frankfurt am Main nach Berlin übersiedelte.
Der Verlag ging aus der von 1899 bis 1902 erschienenen Zeitschrift „Die Insel“ hervor, die von Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder ins Leben gerufen worden war und im Verlag Schuster & Löffler in Berlin erschien. 1901 wurde der Insel Verlag in Leipzig als Buchverlag gegründet, dessen Leitung Rudolf von Pöllnitz übernahm.
Nach seinem Tod im Jahre 1905 traten der Drucker und Verleger Carl Ernst Poeschel und Anton Kippenberg als Gesellschafter und Geschäftsführer in das Unternehmen ein, Poeschel schied aber bereits 1906 wieder aus. Kippenberg leitete von da an das Haus allein. Seiner Frau Katharina erteilte er erst im Jahre 1918 Prokura und nahm sie 1922 als Kommanditistin auf, nachdem sie während seiner kriegsbedingten Abwesenheit von 1914 bis 1918 den Verlag allein geleitet hatte.
In den 1920er-Jahren war auch sein Neffe Max Christian Wegner Prokurist des Verlages. Er wechselte 1931 zum Bernhard Tauchnitz Verlag und nach kurzer Zeit nach Paris zu Albatros.
Schwerpunkte der Verlagsarbeit waren von Anfang an das Werk Johann Wolfgang von Goethes und Rainer Maria Rilkes, dessen Gesamtrechte an allen bisher geschriebenen Werken 1912/13 an den Insel Verlag übergingen. Als zeitgenössische Autoren traten u.a. Hugo von Hofmannsthal und Stefan Zweig hinzu. Mehrbändige Ausgaben erschienen von Heinrich Heine und Charles Dickens. Ein erster großer verlegerischer Erfolg wurde eine aus dem Englischen übersetzte Ausgabe der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht.
Kippenberg gründete – wohl auf Anregung von Stefan Zweig – 1912 die bis heute erscheinende Insel-Bücherei, die Millionenauflagen erreichte und den Verlag populär machte. U.a. sie verhalf dem Verlag für die kommenden Jahrzehnte zu einer soliden Basis. Das Verlagsgebäude in der Kurzen Straße 7 wurde im Dezember 1943 vollständig zerstört, als das gesamte so genannte Graphische Viertel in Leipzig einem Bombenangriff zum Opfer fiel.
Der Insel Verlag in Leipzig wurde zu Zeiten der DDR nur teilweise verstaatlicht, ja er galt bis 1960 juristisch als Hauptsitz des Unternehmens. 1977 wurde er mit drei anderen belletristischen DDR-Verlagen zur Verlagsgruppe Kiepenheuer zusammengeschlossen. Anton Kippenberg war nach dem Krieg nach Marburg übersiedelt und hatte eine Niederlassung in Wiesbaden gegründet, die 1960 zum Hauptsitz wurde.
Wichtige verlegerische Projekte nach dem Verkauf an Suhrkamp waren 1977 die Gründung der insel-Taschenbücher und 1981 die des Deutschen Klassiker Verlages als eines gemeinsamen Tochterunternehmens mit Suhrkamp.
Katharina Kippenberg veröffentlichte u.a. 1935 Rainer Maria Rilke. Ein Beitrag, ihr Mann Anton 1941 Geschichten aus einer alten Hansestadt und 1939 Schüttelreime unter dem aus seinem Namen geschüttelten Pseudonym Benno Papentrigk.
Die Goethe-Sammlung Anton Kippenbergs wurde zur Grundlage für das Goethe-Museum in Düsseldorf, das von der Anton und Katharina Kippenberg Stiftung getragen wird.