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Berlin: Eshkol Nevo las im Jüdischen Museum

André Kaminski, Eshkol Nevo,
Patricia Reiman (v.l.n.r.)

Auf Einladung der Literaturhandlung stellte Eshkol Nevo gestern Abend im voll besetzten Auditorium des Jüdischen Museums Berlin seinen neuen Roman Wir haben noch das ganze Leben (dtv) vor. An einem Tag wie diesem wurde auch der Nahost-Konflikt nicht ganz ausgeblendet.

Es sei ein trauriger Tag, eine Tragödie, sagte Nevo unter Hinweis auf den israelischen Militäreinsatz, und er trete mit gemischten Gefühlen vors Publikum. Man neige in solchen Fällen dazu, zunächst die Frage nach der Schuld zu stellen und dabei die Tragödie aus dem Blick zu verlieren. Sein Mitgefühl gelte den Opfern.

Eshkol Nevo, 1971 in Jerusalem geboren, las anschließend einen kurzen Text auf Hebräisch, der Schauspieler André Kaminski längere Passagen auf Deutsch. Fast zwei Stunden lang schlugen die beiden das Publikum in ihren Bann.

Das Buch ist nach Vier Häuser und eine Sehnsucht der zweite Roman Eshkol Nevos, der auf Deutsch erscheint. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft von vier Männern, die 1998 beim Fußballendspiel Frankreich-Brasilien ihre Lebenswünsche aufschreiben und sie erst nach vier Jahren preisgeben wollen. Doch bis zur nächsten WM hat sich alles verändert. Schon seit Jahren habe er ein Buch über das Thema Freundschaft schreiben wollen, erzählte Nevo. Nun ist es – rechtzeitig zur WM – erschienen und es sei bereits in der zweiten Auflage, so Lektorin Patricia Reimann im Gespräch mit Eshkol Nevo.

„Wir haben noch das ganze Leben“ ist aber kein Fußballbuch. Die WM diene nur als Zeitrahmen, so Nevo, der dem Publikum verriet, dass ihn das reale Leben zu dem Roman inspiriert hat. Gemeinsam mit seinen Freunden hat er vor zwölf Jahren tatsächlich Wünsche aufgeschrieben und die Zettel haben sie bis heute nicht geöffnet. Auch bei der bevorstehenden WM in Südafrika wird noch nicht Bilanz gezogen: Der Freund, der die Zettel verwahrt, ist gerade in Nepal.

Heute setzt Eshkol Nevo seine Lesereise in Stuttgart fort, morgen liest er in Hannover.
ML

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