
Mit einer Rede des spanischen Schriftstellers Juan Goytisolo startete gestern Abend das internationale Literaturfestival Berlin (ilb). Die Literaturszene der Stadt und zahlreiche Autoren des Festivals trafen sich im Haus der Kulturen der Welt (Foto). Im gut besuchten großen Saal saß auch der bisher mit einem Ausreiseverbot belegte chinesische Autor Liao Yiwu.
Bereits zum zehnten Mal konnte Festivalleiter Ulrich Schreiber eine Ausgabe des „literarischen Ausnahmezustands in Berlin“ eröffnen. Bis zum 25. September präsentieren sich in knapp 250 Veranstaltungen über 270 Autoren aus allen Kontinenten. Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Jahr auf der Literatur aus Osteuropa. Dazu werden bekannte Namen erwartet wie Juri Andruchowytsch und Vladimir Sorokin, aber auch vielversprechende, noch zu entdeckende Autoren.
Um einen Mangel an Besuchern müssen sich die Veranstalter keine Sorgen machen. Die Schulveranstaltungen der Sparte Internationale Kinder- und Jugendliteratur; die in diesem Jahr wieder Katrin Hesse zusammen mit Ina-Marie Bargmann verantwortet, sind mit 13.000 Teilnehmern längst ausgebucht.
Wie in den vergangenen Jahren haben die Veranstalter mit Juan Goytisolo für die Eröffnungsrede einen großen zeitgenössischen Autor gewonnen. Gestern Abend sprach der Schriftsteller darüber, wie seine Ortserkundungen zu Texten wurden. „In Kreuzberg wie bei meinen Aufenthalten in Paris konnte ich feststellen, dass wir das Privileg genießen, zu reisen, ohne uns vom Fleck zu bewegen“, sagte er. „Mussten wir uns früher einschiffen, den Zug oder Autobus nehmen und zum Flughafen fahren, so kommt uns heute das gesuchte, ferne Land entgegen und klopft an unsere Tür. Wir können dort, wo wir unsere Tage in Arbeit oder Muße verbringen, vom Maghreb nach Pakistan, von China nach Senegal, von Ecuador nach Indien gelangen.“
Für Aufmerksamkeit sorgte auch die Anwesenheit des chinesischen Schriftstellers Liao Yiwu. Nach 14 erfolglosen Versuchen sein Heimatland für eine Auslandsreise zu verlassen, konnte er jetzt der Einladung nach Berlin und zum Harbourfront Festival in Hamburg folgen. Noch im März musste der Autor, der zur lit.cologne reisen wollte, kurz vor dem Start das Flugzeug wieder verlassen.
Im Rahmen des ilb wird Liao Yiwu aus seinem bei S. Fischer erschienenen Buch Fräulein Hallo und der Bauernkaiser lesen, in dem er die „Underdogs“ der chinesischen Gesellschaft porträtiert, wie Joachim Sartorius, Leiter der Berliner Festspiele, in seinem Grußwort sagte.
Bis zum 31. Oktober ist Liao Yiwu Gast der Autorenresidenz LiteraturRaum im Hotel Bleibtreu in Berlin. Über seinen Aufenthalt wird er auf dem Blog www.literaturraum.de berichten.
Zum Festival sind auch in diesem Jahr im Verlag Vorwerk 8 wieder ein Katalog und die von Ajda Omrani und Ulrich Schreiber herausgegebene Berliner Anthologie „Den Erdrand erleuchtet Begierde“ erschienen. Sie liegen am Büchertisch aus, den in diesem die internationale Kinderbuchhandlung Le Matou und die BuchBox betreiben.
Das Programm des Festivals unter www.literaturfestival.com
ML