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Rudolf Frank – „…ein sehr lebhaftes Vielerlei“

Rudolf Frank, daneben seine Autobiographie

“Rudolf Frank ist ein sehr lebhaftes Vielerlei. Schauspieler, Regisseur, Bühnenleiter, Dramaturg, Doktor juris, Historiker, Nationalökonom, Schriftsteller, war Redakteur, Verlagslektor und Berichterstatter, hat im Film und Funk gearbeitet, die Werke Heinrich Heines und E.T.A. Hoffmanns herausgegeben und unbekannte Schriften des letzteren entdeckt, einige über Goethe, Schlegel, Schleiermacher, Dehmel veröffentlicht, Filme, Romane, Jugendschriften geschrieben und sonst noch allerhand, was mir im Augenblick nicht einfällt“, beschreibt sich Rudolf Frank im August 1935 selbst.

Gestern Abend wurde in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main eine Ausstellung in acht Kapiteln und einer Kabinettexposition eröffnet, die Rudolf Frank, dem deutschen Exilautoren jüdischer Abstammung, und in einem besonderen Bereich seiner Frau, der Malerin Anna Frank-Klein, gewidmet ist.

„Die Ausstellung reiht sich ein in die Bestrebungen der Deutschen Nationalbibliothek, Emigranten dem Vergessen zu entreißen“, sagte die Generaldirektorin Dr. Elisabeth Niggemann in ihrer Begrüßung. Zudem hob sie die Verdienste von Rudolf Franks Sohn Vincent Frank-Steiner hervor, der sich nicht nur um den Nachlass seines Vaters, sondern auch um die Nachlässe von Ulrich Becher, Hermann Adler und Gertrud Isolani bemüht hat und diese der DNB vermittelte.

Vincent Frank-Steiner freute sich über das Zustandekommen der Exposition, die genau am 124. Geburtstag seines Vaters eröffnet wurde. Er erinnerte an die schwierige Lage der Emigranten, an den hohen Preis des Exils, das zwar das Überleben sicherte, jedoch nicht das Weiterleben.

Sein Vater lernte zwar glücklicherweise nie ein Konzentrationslager kennen, wurde aber ins Gefängnis gesteckt und in Schweizer Lagern interniert, weil auch in der Schweiz ein Arbeitsverbot für ihn galt, das er immer wieder zu umgehen versuchte, um seine Existenz zu bestreiten. Etwa ein Drittel seiner Übersetzungen erschienen anonym oder unter Pseudonym.

Die Festrede hielt Alfred Grosser. Er bezeichnete die Ausstellung als schöpferische Erinnerung. Nicht zu trauern, sondern wieder etwas ans Leben zu holen ist das Ziel. Ganz persönliche Beziehungen verbindet Alfred Grosser mit Rudolf Franks 1931 veröffentlichtem Antikriegsroman Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua, der zuerst bei Müller & Kiepenheuer erschien. Dieses Buch las Alfred Grosser im Alter von achteinhalb Jahren, es begleitet ihn sein ganzes Leben.

Wilfried Weinke kuratierte die Exposition, der Graphiker Uwe Franzen setzte sie um. Unterstützung erhielt das Projekt nur von der DNB und dem Exilarchiv sowie einer kleinen Schweizer Stiftung. Keine einzige deutsche Stelle, weder Stiftung noch Firma noch Institution, gaben finanzielle Mittel dazu.

Die Ausstellung im Foyer der DNB ist dort bis zum 23. Dezember zu sehen und wird dann weiter nach Gießen, Basel und Mainz reisen.

JF

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