
Seit dem Nikolaustag und noch bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) fragen wir täglich noch bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet DVA/Siedler-Verleger Thomas Rathnow (Foto) unseren „anderen“ Fragebogen.
1
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Der Tag, an dem bekannt wurde, dass drei Autoren der DVA, Howard Jacobson, Andrea Levy und Tom McCarthy, für die Shortlist des Booker Preises nominiert wurden. Dass Jacobsons Roman Die Finkler-Frage den Preis später auch noch gewann, hat den Tag aufs schönste vollendet.
2
Worüber haben Sie sich 2010 am meisten geärgert?
Ich vergesse Ärgernisse sehr schnell.
3
Was war 2010 Ihr schönster Erfolg?
Schön war der Erfolg von Joachim Gaucks Erinnerungen Winter im Sommer, Frühling im Herbst (Siedler), der zuletzt mit dem Geschwister-Scholl-Preis gekrönt wurde, und die Tatsache, dass wir die Rechte an Nataša Dragnićs noch unveröffentlichtem Erstling Jeden Tag, jede Stunde (DVA) bereits in 21 Länder verkaufen konnten. Der größte Erfolg war natürlich das Debatten-Buch von Thilo Sarrazin, dessen Echo mich in seiner Heftigkeit in mancher Hinsicht überrascht hat, das aber eine Reihe wichtiger Diskussionen anstoßen konnte.
4
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Die Formulierung ist mir zu dramatisch, aber ich hätte der Neuausgabe von Katherine Anne Porters Roman Das Narrenschiff bei Manesse mehr Leser und mehr Aufmerksamkeit bei der Kritik gewünscht. Und Michael Kleebergs Roman Das amerikanische Hospital hätte auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gehört.
5
Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Die vielen Superlative dieses Fragebogens machen einem zu schaffen. Sei’s drum: Der Reprodukt Verlag und sein Einsatz für aufregende und aufwendig gemachte Graphic Novels. Eine bewundernswerte Leistung in einem schwierigen Markt.
6
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Dass bestimmte politische Entscheidungen „alternativlos“ seien. Das ist das Ende aller demokratischen Auseinandersetzung.
7
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Über Alternativen zum Bestehenden. Und über die nicht intendierten Folgen politischer Maßnahmen und Vorschläge.
8
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Zu viel Zeit mit Nebensächlichem zu verbringen.
9
Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Nicht rechtzeitig zu erkennen, was das Nebensächliche ist.
10
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht? Maike Albaths Der Geist von Turin. Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943 (Berenberg Verlag) – für jeden Verlagsmenschen eine höchst genussvolle Pflichtlektüre.
11
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Wenn ich das vorher wüsste… Beim Blick auf unsere Frühjahrsprogramme möchte ich zwei Bücher herausgreifen, die mir besonders am Herzen liegen: Michail Schischkins umwerfender Roman Venushaar (DVA); der bei uns noch zu entdeckende russische Schriftsteller schreibt Weltliteratur. Und im Sachbuch freue ich mich, dass der brillante Autor und Gehirnforscher Antonio Damasio sein neues Buch Selbst ist der Mensch. Körper, Geist und die Entstehung des Bewusstseins bei Siedler veröffentlicht.
12
Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
–
13
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Die schönste Titelformulierung in diesem Jahr?
14
Hier können Sie die auch beantworten…
Was bisher geschah – so heißt Loel Zweckers mehr als fünf Jahrtausende umspannende Weltgeschichte, die bei Pantheon erschienen ist.
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