Die Verschmelzung des Börsenverein-Landesverbandes NRW mit dem Bundesverband soll vor allem den Effekt haben, daß deutlich weniger Administration den Mitarbeitern mehr freie Hand gibt, sich vor Ort um die Probleme der Mitglieder zu kümmern. Geschäftsführerin Gabriele Schink ist vom Erfolg überzeugt.
Der Landesverband NRW plant eine Fusion. Was soll danach anders werden für die Mitglieder?
Gabriele Schink: Unsere persönliche Präsenz in allen Regionen NRWs soll sich verdoppeln. Wir reduzieren die gesamte Administration, die mit der Konstruktion eines selbstständigen Verbands notwendigerweise einhergeht. Und stattdessen möchten wir mehr Mitglieder besuchen, deutlich mehr Regionaltreffen auch in bisher „unterversorgten“ Regionen anbieten und bei diesen auch viel mehr Mitgliedermeinungen erfragen.
Wo kann man denn soviel einsparen und reduzieren?
Als selbstständiger Landesverband sind wir in vielerlei Aufgaben eingebunden, die wir im Sinne unserer Mitgliedsinteressen für gar nicht wesentlich halten: Sitzungen der Geschäftsführer der Länder und des Bundes, Sitzungen mit Vorsitzenden, Sitzungen wie den Länderrat, Vorstandssitzungen, Rechnungsprüfung, Hauptversammlung usw. usw. All diese Termine sind mit Reiserei und somit Zeitaufwand und Kosten verbunden. Und wir denken, dass wir nicht mehr überall mitmachen müssen, weil sich gerade in Zeiten moderner Kommunikationswege, Informationen auch mit weniger Aufwand erbringen und einholen lassen. Und dann gibt es noch administrative Tätigkeiten, die zentral schneller und kostengünstiger erbracht werden können: Buchhaltung und Personalverwaltung, Controlling und Teile der Beratungsleistungen, die wir bisher in jedem Fall immer selbst vor Ort erbringen.
Und wie können dann künftig die NRW-Mitglieder am Verbandsleben teilnehmen? Und ihre Interessen artikulieren und durchsetzen?
Wir werden die Regionaltreffen häufiger und an mehr Orten als bisher stattfinden lassen. Mitglieder werden wir auffordern, dort auch Meinungen zu regionalen Branchenproblemen zu äußern. Und solche Themen, die sich auf den Treffen als dringlich, komplex und den Mitgliedern wichtig erweisen, werden wir dann in neuen Task-Forces oder Arbeitsgruppen weiter behandeln. Diese werden keine vorgegebene Struktur haben. Vertreter der Branche, die sich für ein Thema einsetzen, können dann gemeinsam mit Kollegen und/oder Experten aller Art ein Thema erarbeiten, bis es einen Lösungsansatz gibt, den dann das Büro Düsseldorf in die Mitgliedschaft hinein propagieren wird. Oder aber nach Frankfurt an den Bundesverband weitertransportiert, wenn die Aufgabe in NRW allein nicht gelöst werden kann. In diesen Fällen hat jedes Mitglied die Möglichkeit, sich aus einer solchen Arbeitsgruppe heraus von den anderen Mitgliedern dort beauftragen zu lassen, das Thema an der geeignetsten Stelle in Frankfurt oder auch gleich auf den Buchtagen in Berlin vorzutragen. Die Aufgabe des künftigen Regionaldirektors in NRW wird es sein, die Mitglieder zu solchen Aktivitäten zu ermutigen und ihren Anliegen angemessen Gehör zu verschaffen, letztendlich natürlich um eine Lösung für möglichst viele Probleme zu finden.
Das hört sich nach spannenden Neuerungen an. Glauben Sie an den Erfolg?
Natürlich. Das Modell wird nun seit einigen Monaten bereits auf verschiedenen Ebenen diskutiert. Die übrigen Landesverbände sind leider skeptisch, die Mitglieder in NRW aber scheinen sich mit den Neuerungen gut anfreunden zu können. Bisher hat noch niemand seine Ablehnung geäußert.
Woher bekommen Sie denn aktuelle Mitgliedermeinungen?
Der Landesverband NRW hatte auf seinen gerade beendeten Regionaltreffen in Münster, Steinhagen, Essen und Köln insgesamt etwa 200 Mitglieder zu Gast. Allen wurde ein Gespräch zu diesen Themen angeboten und von dort erhielten wir Feedback. Wir befragen auch immer wieder ganz inoffiziell Mitglieder, die sich mit Fragen anderer Art an den Landesverband wenden. Und auch die Mitglieder unseres Vorstands hören sich im Kollegenkreis ihrer Sparten und ihrer Kunden immer wieder um. Wir stellen fest: Offenbar trauen unsere Mitglieder uns zu, eine nach vorne gewandte, demokratische, basisnahe Meinungsbildung zu entwickeln und zu sichern. Darüber freuen wir uns schon sehr.
Und wie sieht es mit dem gesamten Organisationsmodell aus?
Wir befinden uns noch in der Phase der Auswertung aller Rechenschritte und Prüfarbeiten. Vermutlich kurz vor Weihnachten werden wir diese abschließen können. Dann gilt es, schnellstmöglich, gut verständliche Unterlagen auszubereiten, die den Mitgliedern bei ihrer Meinungsbildung im Zusammenhang mit der möglichen Fusion helfen können.