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Berlin: Kurzweiliger Fallada-Abend im Gorki Theater

Gestern Abend präsentierte der Aufbau Verlag im Berliner Maxim Gorki Theater die erstmals veröffentlichte Originalversion von Hans Falladas letztem Roman Jeder stirbt für sich allein. „Eine Weltpremiere“ schwärmte der Literaturkritiker Hajo Steinert, der den Abend moderierte.

Neben einer Lesung aus dem Roman erwartete das Publikum ein interessantes Podium. Hajo Steinert sprach mit René Strien, dem verlegerischen Geschäftsführer des Aufbau Verlags, dem englischen Penguin Verleger Adam Freudenheim und dem Intendanten des Theaters, Armin Petras, der den Roman im Herbst auf die Bühne bringen will. Im Publikum war zudem Achim Ditzen, der Sohn von Hans Fallada. Er war drei Jahre alt als sein Vater 1947 starb.

Die wohl dosierte Mischung aus Gespräch und Lesung machten die Veranstaltung zu einem kurzweiligen Theaterabend. Darin war sich nach zwei Stunden auch das Publikum einig. Gleich zu Beginn hatte ein Ausschnitt aus der Verfilmung von Alfred Vohrer aus den 70er Jahren mit Hildegard Knef in der Hauptrolle auf den Abend eingestimmt.

Jan Josef Liefers und Regine Zimmermann lasen aus dem Roman – auch das bisher unveröffentlichte 17. Kapitel, das der Aufbau Verlag in seinem Archiv entdeckt hat, und das nun in der druckfrischen Neuausgabe des Romans erstmals erscheint.

Eine denkwürdige Buchpremiere, betonte Hajo Steinert und sprach angesichts des voll besetzten Theatersaals von englischen Verhältnissen, denn in Großbritannien sei das Buch inzwischen ein Bestseller und werde als Penguin Taschenbuch an Tankstellen und in Supermärkten verkauft. Unter dem Titel Alone in Berlin habe es dort bereits über 200.000 Käufer gefunden.

Zu verdanken ist die weltweite Renaissance von Falladas Roman, der ursprünglich 1947 erschien, dem englischen Verleger Adam Freudenheim. Er brachte vor zwei Jahren eine englische Version auf den Markt, die international ein großer Erfolg wurde. In Ländern wie Frankreich, Großbritannien, den USA und Israel gingen insgesamt 750.000 Exemplare über die Ladentische.

Dass Fallada den Widerstand der kleinen Leute gegen die Obrigkeit beschreibt, mache die Aktualität des Buches aus, so Freudenheim. Die Briten interessierten sich sehr für die deutsche Kriegserfahrung und dieses Buch rege dazu an, die deutsche Geschichte differenzierter zu verstehen. Jeder Leser stelle sich von Seite zu Seite die Frage: „Wie hätte ich mich verhalten?“

„Jeder stirbt für sich allein“ sei derzeit der „erfolgreichste deutsche Roman in der nicht deutschsprachigen Welt“, betonte Hajo Steinert. „Ein dramatischer Erzählstoff, den zu lesen es sich immer noch lohnt.“

Der Roman wird noch lange im Gespräch bleiben. Neben der Bühnenfassung des Maxim Gorki Theaters soll die Geschichte des Ehepaars Quangel, das in Berlin einen einsamen Widerstand gegen das Hitler-Regime leistet, indem es Postkarten mit Anti-Nazi-Parolen auslegt, nun auch neu verfilmt werden.

ML

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