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Georg Geschke

Georg Geschke ist am 1. Juni kurz vor seinem 90. Geburtstag am 26. Juli gestorben. Ein Nachruf von Horst Meyer.

Ich weiß nicht mehr, wo wir uns zuerst begegnet sind. Es war auf einer der „Ost-Messen“: in Leipzig, in Poznan, in Warschau, in Belgrad. Geschke war der Franzis-Mann, der Repräsentant des Franzis-Verlages. Ich dagegen leitete lange Jahre die Gemeinschaftsstände der „Verlage der Bundesrepublik und Westberlin“ ( so die offizielle, von den östlichen Messeveranstaltern gewünschte Formulierung).

Geschke war ein gefragter Mann, weil er den westdeutschen Verlag für Elektronik-Fachliteratur vertrat. Radio, Telefonie, das sich ausbreitende Fernsehen, alles was damals mit Elektrik und Elektronik zu tun hatte, waren die vorherrschenden Themen, die alle Technik-Interessierten einschließlich der Radiobastler brennend interessierten. Entsprechend „bestürmt“ wurden seine Ausstellungen.

Georg Geschke gehörte somit zu den „Ostland-Reitern“, die – ab den Fünfzigern, mitten im Kalten Krieg – westdeutsche Fachliteratur im Ostblock anboten. Auf privat organisierter Basis, unter all den Schwierigkeiten, die im Ostgeschäft damals zu bewältigen waren. Die westdeutschen Aussteller auf den Ostmessen hatten nämlich kein Amerikahaus, kein British Council und kein Maison de France im Rücken. Unser Auswärtiges Amt war erst sehr viel später zur Unterstützung des Kulturexports in Form von Büchern bereit. Geschke und die Kollegen anderer großer Verlage wie Springer, de Gruyter, Langenscheidt usw. galten als Pioniere, die den komplizierten, devisenbewirtschafteten Markt in kleinen Schritten erobern wollten.

Geschke ist mir aber auch noch in anderer Weise in Erinnerung. Er war ein Vertriebsleiter, der fast das ganze Jahr unterwegs war, nicht nur um Franzis-Bücher und -Zeitschriften ins Sortiment zu bringen. Er wollte auch, dass die Kollegen im Sortiment sachverständig über den Inhalt Auskunft geben konnten. Also gab er „Unterrichtsstunden“ zwecks Einführung in die Elektronik. Er nannte das Nachhilfestunden. Ich erinnere mich, dass manch ein Sortimenter nach dem Intensivkurs gestöhnt hat. Dessen Erfolge und damit auch Geschkes und des Verlages waren der Lohn für die Mühe.

Es gab keine Fach-Buchhandlung im deutschsprachigen Raum, die Geschke nicht von innen kannte. Und so kannten ihn ungezählte Kollegen als den umtriebigen, stets mit interessantem Angebot aufwartenden „Franziskaner“. Der 1920 in München gegründete Verlag hatte sich von Anfang an dem Medium Radio und Funktechnik gewidmet. 1948 erfolgte eine Neugründung als Fachverlag für Elektronik. Was über die Geschichte des Verlages zu sagen ist, das können die Kollegen, die heute den Verlag betreiben, besser darstellen. Die Geschke-Ära war jedenfalls ein wichtiger Zeitabschnitt dieser Geschichte.

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