
Das hat alle überrascht: Bernhard Meuser (57) soll als neuer Geschäftsführer ab 1. Juli die Neuausrichtung der inhaltlichen Arbeit beim Verlag Sankt Ulrich übernehmen. Inzwischen bestätigt auch Droemer-Chef Hans-Peter Übleis die Meldung und damit den Weggang von Meuser bei Pattloch zu diesem Zeitpunkt.
Wie Sankt Ulrich mitteilt, wird Meuser zunächst gemeinsam mit den bisherigen Geschäftsführern Dr. Bert Stegmann und Dr. Hans Wendtner den Verlag leiten. Die beiden kommissarischen Verlagsleiter bleiben plangemäß bis zum Herbst des Jahres in der Geschäftsführung des Verlages. „Sie hatten die Überprüfung der Fundamente der Verlagsarbeit seit Januar dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Nun sollen im Sankt-Ulrich-Verlag und im Buchprogramm offenbar neue Schwerpunkte gesetzt werden.
Laut Übleis ist der Wechsel tatsächlich schon zum 1. Juli perfekt. „Wir wünschen Herrn Meuser, der den Pattloch-Verlag entscheidend seit Gründung unserer Verlagsgruppe (und auch schon einige Jahre vor 1999) mitgestaltet und geprägt hat alles Gute für diese neue Herausforderung!“ Interimistisch werde er zusammen mit dem Pattloch-Team und seinen „bewährten“ (Übleis) Lektoren Michael Schönberger und Jürgen Bolz, in Kürze ist auch Frau Boudart nach ihrem Mutterschaftsurlaub wieder an Bord, „dafür sorgen, dass Pattloch unverändert eine erfolgreiche Kernmarke unserer Verlagsgruppe Droemer Knaur bleibt“, so Übleis.
Die Meldung hat auch die Mitarbeiter bei Sankt Ulrich überrascht. Sie sehen den Wechsel aber positiv. „Mit so einem so prominenten Namen ist sichergestellt, dass die Arbeit hier weitergeht“, ist zu hören. Dass aber schon strategische Eckpunkte festliegen, zeigt, dass Gespräche schon länger laufen. Der Sankt-Ulrich-Verlag will sich besonders der Neuevangelisierung widmen, ist zu hören. Ein Schlagwort, das der Papst erst neuerdings ausgegeben hat. Der meint damit die „erneute Einwurzelung und Vergegenwärtigung des Evangeliums Jesu Christi“ in den Ländern, in denen der christliche Glaube schon sehr lange beheimatet ist, aber durch die fortschreitende Säkularisierung an Bedeutung verloren hat.
„Mit Bernhard Meuser konnten wir einen Autor und Verleger gewinnen, der Menschen mit seinen Büchern für den Glauben begeistert“, lässt Bischof Dr. Konrad Zdarsa jedenfalls mitteilen. Mit Büchern wie „Beten – eine Sehnsucht“ oder „Christ sein für Einsteiger“ hat Meuser bewiesen, dass christliche Inhalte auch allgemeinverständlich einem breiteren und jüngeren Publikum vermittelt werden können. Sein jüngstes Projekt, der Jugendkatechismus YOUCAT, erscheint derzeit in 23 Sprachen weltweit.
Der Sankt-Ulrich-Verlag ist der Buch- und Zeitungsverlag des Bistums Augsburg. Zudem hält der Sankt-Ulrich-Verlag Beteiligungen an regionalen Fernsehsendern etwa Augsburg.tv und TV Allgäu Nachrichten.
Nachtrag: Meuser selbst:
„Es hat natürlich mit dem YOUCAT zu tun. Wir haben, wie es Kardinal Schönborn in Rom zum Ausdruck brachte, in den letzten Monaten „das kleine gelbe Wunder“ erlebt. Binnen weniger Wochen wurden allein im deutschsprachigen Raum 105.000 Exemplare abgesetzt. Das Werk wird gerade in 23 Sprachen übersetzt und wird damit in über 50 Ländern der Erde präsent sein. 700.000 Jugendliche auf dem Weltjugendtag in Madrid werden den YOUCAT als persönliches Geschenk des Heiligen Vaters empfangen. Es ist eine neue, weltweite, christliche Jugendmarke entstanden.
Natürlich muss YOUCAT online gehen – und natürlich geht das nicht ohne Steuerung. Das sind Dinge, die einen normalen Publikumsverlag überfordern. Deshalb bin ich glücklich, dass Bischof Zdarsa in Augsburg eine Einladung ausgesprochen hat: „Kommen Sie mit dem YOUCAT-Projekt nach Augsburg! Und machen Sie die Idee der Neuevangelisierung zum Herzstück der Mediengruppe!“ Diesen Geist möchte der Bischof haben – und er wies darauf hin, dass mir in der Mediengruppe eine reiche Klaviatur der Möglichkeiten zur Verfügung stünden: Buch, Zeitschriften, Radio, Fernsehen, Internet. Das ist in der Tat beeindruckend – und darauf freue ich mich sehr.
Ich bin also der Einladung des Bischofs bin ich gefolgt – und zwar sehr schnell, denn das YOUCAT-Projekt (also alles, was über die beiden Bücher hinausgeht, die bleiben weiter bei Pattloch) muss bis Madrid stehen und in mehreren Sprachen funktionieren!
So wird mein Schwerpunkt in Augsburg zunächst der YOUCAT sein – und zwar über einen Zeitraum von insgesamt drei Monaten. Dann werde ich die junge YOUCAT-Truppe, die wir hoffentlich dann beieinander haben, an einem Tag der Woche begleiten und sonst meine ganze Kraft in den Ausbau der Mediengruppe stecken. Jeder, der die Augsburger Verhältnisse kennt, weiß, dass es eine unglaublich heikle Aufgabe ist.“







