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Premiere für „Die Kuh aus dem Meer“ bei Lehmkuhl

Rotraut Susanne Berner, Keto von Waberer (v.l.)

„Eine gute Geschichte ist wie ein gutes Auto – beide haben ABS“, so der neue Hanser-Kinderbuch-Chef Ulrich Störiko-Blume in seiner Eröffnungsrede zur Lesung von Autorin Keto von Waberer (Foto, r.) und Illustratorin Rotraut Susanne Berner (Foto, l.) am vergangenen Freitag in München.

Die Erklärung der Abkürzung hat er gleich hinterher geschickt: A für Anfang, B für Bilder, S für Sprache. Alles drei natürlich nur vom Feinsten und im neuen Kinderbuch der beiden Künstlerinnen „Die Kuh aus dem Meer“ aufs Trefflichste vereint. Als Keto von Waberer dann mit gewaltiger Stimme ihren Mikrokosmos der schrulligen Wesen eröffnet, scheinen im bis auf den letzten Platz gefüllten Gartenhaus der Schwabinger Traditionsbuchhandlung Lehmkuhl auch die Wände Ohren zu bekommen. Volle Konzentration, selbst bei den Kleinsten, denen Keto von Waberer einiges an Sprachwitz und Satzbau zumutet.

Sensibel wird man schon, wenn bei von Waberer selbst schnöde Küchenmesser mit Namen Derrick (!) und flügellahme Hirschkäfer ein Eigenleben und vor allem eine Eigendenke entwickeln, die ganz entfernt an Roald Dahl erinnern. Aber die Bernersche Gestaltung der hinreißenden Alltagsdramen nimmt allen Schrecken, den zum Beispiel Fleisch liebende Pflanzen oder ein abgedrehtes Techno-Haus entwickeln könnten. In Knallfarben und dennoch zierlicher Umsetzung kleinster Details, haben die ganzseitigen Bilder den Retro-Charme von Bilderbögen, inklusive handschriftlicher Kurztextchen, die der Fülle des Gezeigten einen sicheren Boden geben. Tatsächlich ergänzen sich Worte und Bilder der beiden Könnerinnen ihres Fachs zu hochanspruchsvoller Unterhaltung, die man vielleicht, homöopathisch, Geschichte für Geschichte genießen sollte, weil die Lust am Surrealen ansteckend ist. Und für die Bilder kann man sich stundenlang Zeit nehmen, nicht nur, um die ausgefeilte Kreide- und Gouache-Technik zu bewundern, sondern um sich am Liebreiz der vermenschlichten Dinge „ein tägliches Glück“ abzuholen.
Christine Paxmann

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