Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Delius Klasing-Verleger Konrad Delius.
Konrad Delius, Jahrgang 1952, leitet nach Verlagsbuchhändlerlehre (bei HoCa und Jurastudium in Hamburg seit 1989 den Bielefelder Delius Klasing Verlag – in mittlerweile vierter Generation. Mit seinen Zeitschriften, Büchern und Kalendern hat der Verlag sich als Spezialist für sportliche Bewegung unter freiem Himmel fest positioniert.

Konrad Delius: 100 Jahre Delius Klasing – was kann man aus 100 Jahren in die nächsten 100 Jahre mitnehmen?
Konrad Delius: Seit der Gründung unseres Verlages durch meinen Großvater setzen wir auf die Kontinuität in der Spezialisierung. Dieser Maxime werden wir treu bleiben, um in unseren Themenfeldern Wassersport, Fahrrad und Automobil auch weiterhin eine führende Position einzunehmen. Im Vordergrund unseres verlegerischen Handelns steht seit jeher die Fokussierung auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppen. Unser Anspruch für die Zukunft ist es, mit hoher journalistischer Qualität diesen Anforderungen jeden Tag aufs Neue gerecht zu werden.
Wird denn die hohe journalistische Qualität, die Sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, vom Verbraucher heute genügend gewürdigt – und auch bezahlt?
Konrad Delius: Wir beobachten, dass es gerade im Special Interest-Bereich ein besonderes Bedürfnis nach hochwertiger, verbraucherfreundlich konsumierbarer und journalistisch fundierter Information gibt. Eine Bereitschaft, für diese Inhalte zu bezahlen ist vorhanden, weil diese Informationen sonst nirgendwo in dieser Qualität zur Verfügung stehen.
Können Sie beziffern, in welchem Maß die Verfügbarkeit von Special Interest-Informationen im Internet Ihr Geschäft beeinflusst?
Konrad Delius: Die speziellen Informationen, die unsere Autoren und die Redakteure unserer eigenen Magazine liefern, finden Sie kaum in den redaktionellen Gratisangeboten im Web. Ich spreche zum Beispiel von Fahrradtests oder Bootstests. Es handelt sich hierbei um qualifiziertes Fachwissen von Experten, das schlicht nicht umsonst zu bekommen ist. Unsere Zielgruppen verlangen nach einem Angebot, das Print und digitale Medien miteinander verbindet.
Welche Ihrer Geschäftsfelder haben sich stabil gezeigt oder dynamisch entwickelt?
Konrad Delius: Wir verzeichnen eine hohe Stabilität in unseren klassischen Verlagssegmenten Wassersport, Fahrrad und Automobil und investieren kontinuierlich in die Entwicklung neuer Produkte. Im Buchbereich konnten wir unter dem Label „Delius Klasing Sport“ beispielsweise mit Büchern zum Thema Fußball erfolgreich Akzente setzen.
Was ist das für ein Gefühl, im 100. Jahr dafür verantwortlich zu sein, die Weichen für die nächsten 100 Jahre richtig zu stellen?
Konrad Delius: Es ist ein schönes Gefühl. Mit unserem Buch- und Zeitschriftenportfolio zählen wir heute zu den führenden Special-Interest-Verlagen in Europa. Im Jubiläumsjahr umfasst unser Buchprogramm mehr als 1000 lieferbare Titel aus allen Themenfeldern des Verlages, mit denen wir unsere Position eindrucksvoll unter Beweis stellen. Sie sehen: Wir sind gut aufgestellt. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit einem Team engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Herausforderungen der Medienbranche gerecht zu werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit unseren Erfahrungen aus einem bewegten Jahrhundert Verlagsgeschichte für die Zukunft gut gerüstet sind. Wir sehen in erster Linie Chancen im Markt und zweifeln nicht daran, dass wir uns weiterhin dynamisch entwickeln.
Wird also Delius Klasing als „Independent“ weiter bestehen?
Konrad Delius: Daran arbeiten wir und davon sind wir fest überzeugt.

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.







