Wir sind zurück von der Messe: Die gesamte Redaktion war in Frankfurt, das ist der Grund, warum keine Mail beantwortet wurde. Und warum keiner ans Telefon gegangen ist.
Bis der „Betrieb“ wieder auf Normalgeschwindigkeit läuft, kann es noch ein wenig dauern – wir fangen jetzt mal an, unsere Kisten wieder auszupacken und uns durch die Berge von Mails zu wühlen. Ein paar Infos und Antworten können wir aber schon mal vorab liefern:
Taschen war nicht da: Das fiel sofort auf: Der riesige TASCHEN Stand, in den letzten Jahren immer Blickfang in Halle 3, war nicht da. Wir haben Benedikt Taschen gefragt: „Abwechslung und Pausen sind gut“, um nicht in Routine zu verfallen (hat er ja vor zehn Jahren schon mal gemacht). Es hat aber in diesem Jahr vielleicht auch keiner recht Zeit gehabt, sich drum zu kümmern: Der neue Vertriebschef Uwe Feldhaus ist noch nicht da. Und die Nachfolge von Pedro de Lemos Lisboa scheint auch noch nicht richtig geregelt, wenn unsere Infos stimmen.
Das Lesezelt („von der Agora in die Diaspora“ verbannt, wie die tägliche FAZ-Messezeitung gespottet hatte) kommt im nächsten Jahr wieder an den angestammten Platz, wie Messe-Vizin Gabi Rauch-Kneer bei der festlichen Veranstaltung Buchhandlung(en) des Jahres verriet.
Das K muss weg: Damit steht dann im kommenden Jahr das Lesen und das Buch zumindest optische wieder mehr im Blickpunkt der Messe. Vorwurf von vielen unserer Gesprächspartner: Unser Verband mache zu viel Lärm um die elektronischen Medien, schüre die (unberechtigte) Angst, das Buch habe keine Zukunft.
Die Ketten machen sich zumindest verbal für das Buch stark: Weltbild.de Chef Dr. Klaus Driever konnte sich beim Weltbild/Hugendubel Empfang das Bonmot „Die Zukunft des Buchhandels sind nicht Räucherstäbchen“ nicht verkneifen. Er meinte aber nicht nur die Nonbook-Welle, die von vielen übertrieben wird, sondern natürlich auch den großen Wettbewerber Thalia, der angeblich bis zu 40 Prozent seiner bisher für Bücher reservierten Flächen aufgeben wolle.
Doch Thalia hat bei einem ziemlich geheimen (die Presse jedenfalls war nicht eingeladen) Lieferantentreffen glaubhaft beschworen, dass das Kerngeschäft natürlich weiter das Buch bleibt – und der neue Deutschland-Chef Eyal Lahav, das wird im Gespräch mit ihm deutlich, hat sehr präzise Vorstellungen, was Kunden heute brauchen und wie man gezielt alle Vertriebswege nutzen kann. Und mit Räucherstäbchen wird er die freiwerdenen Flächen sicher nicht füllen, eher vielleicht nach Barnes & Nobel Vorbild
etwa mit Sonder-Aktionsflächen für den neuen OYO-Reader – mit dem NOOK hat B&N in den USA schon um die 20 % Marktanteil abgejagt.
Die eBookCards von Media Control / Umbreit [mehr…] könnte eine Antwort des stationären Handels werden, sich wenigstens das Geschenk-Geschäft mit E-Büchern zu sichern: E-Bücher werden wohl im zumeist doch direkt online gekauft – muss aber nicht sein, wie Uwe Herrmann von Media Control versichert. Und laut Weltbild-Chef Dr. Klaus Driever wohl am häufigsten von Frauen im mittleren Alter – trauen Sie Ihren Kundinnen also ruhig mehr zu, auch die Fähigkeit den Weltbild-Reader für 59.95 € zu bedienen.
E-Reader – Rat: Es gibt einige Anbieter, die mit Tablet-Computern ähnlich dem iPad zum halben Preis des iPads punkten werden. Der POCKETBOOK – 903 (gezielt eigentlich auf Märkte wie Saturn etc) etwa soll um die 300 € kosten und kann toll als E-Reader optimiert werden; kann sein, dass es den bald auch über KNV gibt, angeblich verhandelt man.
Gerüchte: Ja, klar kennen wir auch das andere Gerücht um eine weitere Topp-Personalie aus Köln – aber solange der Vertrag läuft gibts nix Offizielles – und die, die es wissen müssen, die wissen es – sonst wüssten wirs nicht.
Eichborn: Gesucht wird eine Idee: es gibt einen neuen Interessenten – nur will auch der nicht (alle) bereits gekündigten Mitarbeiter übernehmen müssen. Die Kündigung wäre dann bei normaler Übernahme wieder unwirksam.
Island: Wer die schöne Ausstellung verpasst hat, hat was verpasst! Großartig!
So, das wars erst mal als erste Rückmeldung auf die Schnelle.
Hier noch der offizielle Abschlussbericht („Es ist die Stunde der Startups“ / Buchmesse zieht verstärkt Experten aus den Bereichen Film, Games und Technologie an/ Leselust des Publikums ungebrochen“) über das neue Konzept der Messe:
Mit zahlreichen Ausstellern und Besuchern aus der Buchbranche, aber auch aus den angrenzenden Kreativbranchen wie Film, Games und der ITK-Branche hat die Frankfurter Buchmesse gezeigt, dass sich der Aktionsradius für die Mitglieder der Verlagsbranche deutlich vergrößert. Viele junge Disziplinen – von digitalen Publishing Services über Computerspiel-Produzenten bis hin zu Experten für die juristische und finanzielle Beratung bei crossmedialen Produkten – waren auf der Messe über alle Hallen, Sachgebiete und Regionen verteilt zu finden. Insgesamt waren rund 7.400 Aussteller aus 106 Ländern vor Ort, über 3.200 Veranstaltungen zogen rund 283.000 Besucher an.
„Wir erleben die Stunde der Startups – die Buchbranche ist in Aufbruchsstimmung“, so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. Jenseits der elektronischen Lesegeräte erlebten die Besucher auf der Buchmesse vor allem ein lebhaftes Experimentieren mit neuen Ideen, mit neuen Formen des Geschichtenerzählens und multimedialen Formaten. „Die Ideenvielfalt, die sich aus dieser Mischung aus Tatendrang und technologischen Möglichkeiten ergibt, ist enorm. Die internationale Buch- und Verlagsbranche ist sehr viel facettenreicher geworden.“
So konnte die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr auch ein leichtes Besucherplus verzeichnen: Rund ein Prozent mehr als im vergangenen Jahr kamen 2011 nach Frankfurt. Deutlich gestiegen ist das Interesse der Branche an internationalen Fortbildungs- und Netzveranstaltungen, wie sie unter dem Dach der neuen Konferenzmarke Frankfurt Academy in Kooperation mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels angeboten wurden. Im Vordergrund standen hier Formate wie die All-Media-Konferenz StoryDrive oder die Tools of Change-Konferenz.
„Je globaler das Geschäft mit Büchern wird, desto größer wird das Bedürfnis, sich mindestens einmal im Jahr auf dieser Welt persönlich zu begegnen – und zwar in Frankfurt. Das Gespräch über Menschen und Bücher ist nicht zu ersetzen“, stellt auch Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels fest. “Die Marktteilnehmer sind optimistisch: Über das E-Book-Geschäft wird nicht viel geredet, jetzt wird gehandelt. Zuversicht prägt das Gesicht der Frankfurter Buchmesse. Die Voraussetzungen sind gegeben, jeder Verlag und jede Buchhandlung ist gefordert, den richtigen Weg zu finden.“
In den Besucherbefragungen wurden die hohe Qualität der Gespräche sowie eine große Zufriedenheit mit den persönlichen Messezielen genannt. Auch die Bedeutung des internationales Rechte- und Lizenzhandels ist in diesem Jahr weiter gestiegen. Sechs Prozent mehr Besucher als noch 2009 gaben an, dass für sie der Rechtehandel im Zentrum ihres Besuches stehe. Das in die Halle 6.0 verlegte Literary Scouts & Agents Centre (LitAg) verzeichnete einen Zuwachs an Besucherzahlen von 11 Prozent. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen nach wie vor Titel aus dem englischsprachigen Raum.
Unverändert lebendig und kreativ präsentierte sich auch dieses Jahr die internationale Autoren- und Literaturszene dem deutschen Lesepublikum. Bei über 2.200 gut besuchten Veranstaltungen für das Publikum wurde deutlich, dass eine gute Geschichte für Menschen große Anziehungskraft ausübt. „Es macht einen Riesenspaß hierher zu kommen und das ganze Geschehen mitzuerleben. Es ist ein Tempel für Bücher“, fasst Bestseller-Autor Tom Rob Smith, diese Begeisterung zusammen. Als absolutes Besucherhighlight erwies sich das Gastland Island mit seiner spektakulären Präsentation im Forum. Mit überbordender Lust am Erzählen, einer gekonnten Mischung aus klassischen Sagas und moderner, temporeicher Literatur sowie großer Gastfreundschaft rissen die Isländer das Publikum der Frankfurter Buchmesse regelrecht mit.
Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7.500 Ausstellern aus mehr als 110 Ländern die größte Buch- und Medienmesse der Welt. Darüber hinaus organisiert sie die Beteiligung deutscher Verlage an rund 20 internationalen Buchmessen. Mit www.buchmesse.de unterhält sie das weltweit meist genutzte Portal für die Verlagsindustrie: Rund 31.000 Einträge umfasst das Personenverzeichnis für Entscheidungsträger der Buch- und Medienbranche. Frankfurt SPARKS, die digitale Initiative der Frankfurter Buchmesse, vereint digitale Produkte und Projekte der Branche unter einem Dach, mit dem Ziel, Inhalte und Technologie zusammenzubringen. Die Frankfurt Academy – die neue Konferenzmarke der Frankfurter Buchmesse in Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels – bietet ganzjährig internationale Kongresse und Fachveranstaltungen an. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.