Die chinesischen Machthaber sind wenig einfallsreich beim Rechtfertigen von ihren Menschenrechtsverletzungen: Dieser Tage wurde bekannt, daß das Regime Ai Weiwei dazu verdonnern will, umgerechnet 1,7 Millionen Euro Steuern nachzuzahlen – wohl um seine widerrechtliche Verschleppung zu bemänteln.
Ai Weiwei bestreitet die Rechtmäßigkeit dieser Forderung. Seine letzte Twittermeldung von heute morgen lautet, meldet sein deutscher Verlag Galiani: „Der Staat missbraucht seine Macht, um sich zu rächen und die Dissidenten zu beseitigen. Jedes Mittel ist dafür recht, Verschwinden lassen, geheime Festnahmen, juristische Verfolgung. Der Sicherheitsapparat, die Steuerbehörde, das Außenministerium und die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua arbeiten Hand in Hand und missachten dabei Recht und Moral … Das reicht, um einen zu beängstigend; wirklich deprimierend aber ist, dass die chinesische KP ihre Sicht der Dinge der ganzen Welt und uns Chinesen als Realität aufzwingt.“ Der Verlag verlinkt übrigens täglich auf alle aktuellen Meldungen, die es von oder über Ai Weiwei gibt.
Vor kurzem trat der mit Redeverbot belegte, aber immer fleißiger twitternde Ai Weiwei gemeinsam mit dem auch mehrfach inhaftiert gewesenen Menschenrechtsanwalt Teng Biao für den verfolgten blinden Menschenrechtler Chen Guangcheng ein, der in seinem Dorf von Schlägertrupps von der Außenwelt abgeschirmt wird.
Noch immer hat Ai Weiwei Hausarrest und darf sich eigentlich nicht mündlich oder schriftlich über die Zustände in China äußern, das hat er in aller Klarheit allerdings schon in seinem Blog getan, der dieses Jahr ins Deutsche übersetzt wurde und bei Galiani erschienen ist.
Am 2. Dezember wird im Berliner Gropiusbau (wo derzeit auch eine Fotoausstellung Ai Weiweis zu besichtigen ist) eine Solidaritätslesung aus dem verbotenen Blog und den Twitternachrichten von Ai Weiwei stattfinden.