Am Freitagabend wurde in Berlin der internationale WELT-Literaturpreis an Albert Ostermaier verliehen. Der Preis, der an den Kritiker und Essayisten Willy Haas erinnert, wird seit zwölf Jahren von der LITERARISCHEN WELT, der wöchentlichen Buchbeilage der WELT, vergeben und gehört zu den renommierten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Dazu Dr. Rachel Salamander, die Herausgeberin der LITERARISCHEN WELT in unserem Sonntagsgespräch.
Frau Dr. Salamander, die LITERARISCHE WELT hat sich wie die WELT und die WELT am Sonntag seit der letztjährigen Preisverleihung verändert; das Layout ist moderner geworden. Hat sich auch die inhaltliche Konzeption der LITERARISCHEN WELT verändert?

Dr. Rachel Salamander: Ganz in der Tradition der von Willy Haas 1925 gegründeten LITERARISCHEN WELT wollen wir die besten Rezensionen zu den wichtigsten Büchern publizieren. Wir sind kein Feuilleton mit Literaturteil, sondern ähnlich der New York Review of Books oder des Times Literary Supplement eine Wochenendbeilage, die sich vor allem auf Rezensionen konzentriert, um die jeweils ausgesuchten Bücher ins Gespräch zu bringen. Darin hat sich nichts verändert, auch nicht im Ehrgeiz, unsere Arbeit stets zu verbessern.
Nach welchen Kriterien entsteht die Buchauswahl für die LITERARISCHE WELT?
Das Kriterium jeder Buchauswahl kann nur Qualität sein. Dabei spielt die Urteilskraft des Rezensenten die entscheidende Rolle. Bücher werden nicht nach den Rankings ausgewählt, sondern nach Anspruch und Relevanz.
Wie heben Sie sich von Literaturseiten anderer Tageszeitungen ab?
Die LITERARISCHE WELT ist die einzige Literaturbeilage am Wochenende.
Bei der WELT hat auch das Kinderbuch einen Platz im Feuilleton.
Der Grund ist einfach: Kinder und Jugendliche werden ein immer wichtigerer Leserkreis. Angesichts der Flut der Publikationen gilt hier eine besondere Verantwortung, Qualität von Unfug zu unterscheiden.
Sie sind auch Inhaberin der Literaturhandlung. Wie blicken Sie als Buchhändlerin auf die LITERARISCHE WELT?
Ich halte die LITERARISCHE WELT für die beste Literaturbeilage.
Der WELT-Literaturpreis wird seit 1999 vergeben und setzt in der Fülle der Preise auf Qualität. Welches Resümee ziehen Sie nach 12 Jahren? Braucht man Literatur Preise?
Literaturpreise müssen immer den Autor auszeichnen und nicht dem Preisverleiher ein Denkmal setzen. Die zwölf bisherigen Preisträger – Bernhard Schlink, Imre Kertész, Pat Barker, Leon de Winter, Jeffrey Eugenides, Amos Oz, Ysmina Reza, Rüdiger Safranski, Daniel Kehlmann, Hans Keilson, Philip Roth, Claude Lanzmann – passen sehr gut zum Anspruch der LITERARISCHEN WELT.
Am Freitagabend erhielt Albert Ostermaier den Preis. Was hat die Jury bewogen ihn auszuzeichnen?
Seine Literatur und das Temperament, das darin zum Ausdruck kommt. In der Begründung der Jury heißt es: „Gleichermaßen auf dem Gebiet des Dramas, der Lyrik und der Prosa zu Hause, zeugt sein Umgang mit Sprache von großer gestalterischer Kraft und Fantasie. Immer ist er authentisch, in seinen Themen und in seinem Stil emotional beglaubigt. Er hat sich einen unverwechselbaren Ton erschrieben, zuletzt in seinem Roman Schwarze Sonne, scheine„.
Als Laudator konnten Sie Dominik Horwitz gewinnen. Wieso fiel Ihre Wahl gerade auf ihn?
Wir wollten vom Üblichen abweichen und diesmal keinen Kritiker oder Literaturwissenschaftler bemühen, sondern einen, der sich in das Innenleben und die Ausdrucksweise des Albert Ostermaier einfühlen kann wie der Schauspieler Dominik Horwitz. Sie kennen sich aus gemeinsamer Arbeit.
Die LITERARISCHE WELT ist nicht nur in WELT Online zu lesen, sondern auch als E-Paper. Wie sehen Sie die LITERARISCHE WELT der Zukunft?
Die LITERARISCHE WELT hat so ein Gewicht, dass sie auf allen Medienplattformen präsent sein muss.
Die Fragen stellte Margit Lesemann.






