Der Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2011 geht an Nils Mohl für sein Jugendbuch „Es war einmal Indianerland“ (Rowohlt).
Der mit 7.600 Euro dotierte Preis wurde dem Autor heute im Claus-Hüppe-Saal des Stadtmuseums von Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerd Schwandner überreicht.
Von 528 Einsendungen, darunter 122 verlegte Werke und 416 Manuskripte, wählte die Jury zunächst vier Nominierte aus. Letztendlich entschied sich die Jury für Nils Mohl als Preisträger. „Unsere Entscheidung fiel einstimmig aus, ohne hin- und herwogende Diskussionen. Stattdessen wogten die Argumente für das Preisträgerbuch hin und her, da jeder Juror seine ganz persönlichen Argumente hatte“, begründete Juror Ralf Schweikart die Entscheidung der Jury. „Es sind ungemein fassbare, lebendige, ganz eigenständige und eigensinnige Figuren, die der Autor beschreibt und dem Leser nahe bringt. Es ist seine Art, die Handlung nicht chronologisch, sondern in Vor- und Rückblenden ineinander zu
verschachteln. Es ist der souveräne Umgang mit den unterschiedlichsten Stilformen, die sich collagenhaft durch den Roman ziehen. Das zusammen entspricht dem Anspruch an ein herausragendes literarisches Werk.“
„Nils Mohl bietet mit Es war einmal Indianerland eine raffinierte Story mit Vor- und Rückblenden, schnellen Schnitten und allen Beigaben, die der medial verwöhnte Leser erwarten mag. Auch wenn das Stichwort All-Age kaum noch zu ertragen ist, hier passt diese Zuordnung und zwar im besten Sinne. Der Autor schildert spartenübergreifend das Chaos
eines jungen Helden, ohne dass die Handlung in mystischen Klamauk abdriftet, vor Bedeutungsschwere erlahmt oder mit einer vordergründigen Botschaft nervt. Der Leser hat sich einem komplexen Geschehen zu stellen, doch wo das Publikum ohnehin mit Spots und Schnitten groß geworden ist, dürfte das keine Hürde aufbauen“, meint Juror Robert
Elstner.
Nils Mohl, Jahrgang 1971, studierte in Kiel, Tübingen und Berlin neuere deutsche Literaturwissenschaft, Linguistik und Volkskunde sowie in Weimar Kulturmanagement. Er war unter anderem zweimaliger Gewinner des Literaturförderpreises Hamburg sowie zweimaliger Träger des MDR-Literaturpreises. Nils Mohl gehört dem Forum Hamburger Autoren an, zu dem derzeit auch Sigrid Behrens und Andreas Münzner zählen. Neben dem Schreiben arbeitet er als Dozent für Schreibtechnik an der Universität. Er lebt mit seiner Familie in
Hamburg. Die Laudatio hielt die Autorin, Übersetzerin und Vorlesekünstlerin 2010 Sabine Ludwig. Die Preisverleihung wurde von FAZ-Redakteur Andreas Platthaus moderiert.