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Heinold fragt: Wer war’s?

Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Der Gründer des Verlags, nach dem wir heute fragen, gehört zu den so genannten Kulturverlegern, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tätig wurden. Er war kein Akademiker, sondern als Autodidakt im besten Sinne die Verkörperung des deutschen Bildungsbürgers schlechthin.

Mit knapp 16 Jahren erwarb er die Mittlere Reife, absolvierte eine Buchhändlerlehre und war anschließend als Buchhandlungsgehilfe tätig. Im Alter von 25 Jahren gab er seine Gehilfenstellung auf und gründete mit einem anderen Verleger als zeitweiligem Teilhaber sein eigenes Unternehmen. Es trägt auch heute noch seinen Familiennamen, zählt zu den bekanntesten Publikumsverlagen und steht weiterhin in der bildungsbürgerlichen Tradition des Gründers.

Dessen vielseitige geistige Orientierung und seine Verbindungen zum Kulturleben der Verlagsstadt schufen die Grundlage, die den Verlag bis heute trägt. Schon in seinen ersten Jahren wurde das Unternehmen zum Sprachrohr moderner bildender Künstler, deren Manifest einer ganzen Kunstrichtung den Namen gab. In der Belletristik prägten aufwendige Gesamtausgaben das Verlagsgesicht, z. B. die eines der größten russischen Autoren. Dazu kamen Klassiker der Philosophie und wichtige Schriften zur Musik.

Da der Verleger fast ohne Kapital gestartet war, blieb er für die ersten Jahrzehnte auf vermögende Teilhaber angewiesen. Das wurde dem Unternehmen im Dritten Reich fast zum Verhängnis. Mit einem jüdischen Teilhaber galt es als „halbjüdisch“. Unter Druck entschloss sich der Mitverleger, aus dem Verlag auszuscheiden und ins Exil zu gehen. Um ihn auszahlen zu können, wurde das Verlagsgebäude verkauft. Der Verlag siedelte in die großbürgerliche Villa über, in der er noch immer seinen Sitz hat.

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein von dem jüdischen Teilhaber entdeckter Autor entwickelte sich zu einem der bestverkauften Romanciers der braunen Jahre, ein wirtschaftlicher Segen für den Verlag, der im Übrigen weitgehend in unverbindliche Unterhaltungsliteratur auswich.

Schon 1932 war der Sohn des Gründers im Alter von 21 Jahren in den Verlag eingetreten. Er wurde 1941 Teilhaber und nach dem Tod des Vaters 1953 alleiniger Geschäftsführer und persönlich haftender Gesellschafter. Er vor allem war es, der mit Aufnahme neuer Programmsegmente und der Entdeckung nationaler und internationaler Beststellerautoren die Nachkriegsentwicklung vorantrieb.

Auch ist ihm zu verdanken, dass der gesuchte Verlag 1960 zum Mitinitiator eines zunächst von elf Verlagen gemeinsam betriebenen erfolgreichen Taschenbuchverlags wurde, aus dessen Gesellschafterkreis er 1983 ausschied, um eine eigene Taschenbuchreihe zu etablieren , die heute über 50 Proeznt des Umsatzes erwirtschaftet.

1982 trat der Enkel des Gründers in den Verlag ein und war ab 1984 als geschäftsführender Gesellschafter tätig. Sein Vater verkaufte den Verlag 1995 an eine ausländische Verlagsgruppe, woraufhin er aus dem Unternehmen ausschied. Unter der neuen Inhaberschaft wurde der Verlag stetig weiterentwickelt und eine Reihe kleinerer Publikumsverlage dazu erworben, wovon einer 2006 mit dem Reisebericht eines populären Fernsehstars einen der spektakulärsten Bestsellererfolge der letzten Jahrzehnte erzielen konnte.

Heinold fragt: Wie hieß der Gründer mit Familiennamen (= Verlagsname) und in welcher Stadt ist der Firmensitz?

{Senden Sie die Lösung an heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 15. Dezember 2011. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ (Bramann) von Wolfgang E. Heinold.

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