Ein Abend in Gedenken an Jorge Semprún: Der ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe Gonzáles und Bundestagspräsident Norbert Lammert erinnerten gestern an den kürzlich verstorbenen Schriftsteller und Politiker.

Nobert Lammert (v.l.)
In der Bertelsmann Repräsentanz Unter den Linden begrüßte Hausherrin Helen Müller rund 170 Gäste aus Politik, Medien und Kultur, darunter Literaturnobelpreisträger Imre Kertész.
Der Botschafter von Spanien, Rafael Dezcallar de Mazarredo würdigte in seinem Grußwort den großen Europäer Jorge Semprún, der wie kaum ein anderer Schriftsteller die Gräuel europäischer Totalitarismen durchlitt und bekämpfte.
Ursprünglich sei vor einem Jahr, am 9. November 2010, ein Gespräch von Jorge Semprún und Norbert Lammert geplant gewesen, so der Botschafter. Die beiden Politiker waren sich 2010 bei der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald begegnet. Doch der Gesundheitszustand Semprúns ließ damals ein Treffen nicht zu. Er starb am 7. Juni 2011 in Paris.
Gemeinsam mit Felipe Gonzáles, der als spanischer Ministerpräsident seinen langjährigen Freund und Weggefährten Semprún 1988 zum Kulturminister ernannt hatte, sprach Lammert über die Frage „Was heißt es, ein Europäer zu sein?“ Wolfgang Herles moderierte das Gespräch auf dem Blauen Sofa, dem gemeinsamen Autorenforum vom Club Bertelsmann, Deutschlandradio Kultur und dem ZDF.
Die Diskussion über Semprún wurde zu einer Reflexion über die aktuelle Krise der Europäischen Union. Das Thema Europa lag Semprún zeit seines Lebens am Herzen. Mit seinen Reden und Aufsätzen gab er immer wieder Denkanstöße. 2006 erschien im Murmann Verlag Was es heißt, Europäer zu sein, das Semprún zusammen mit Dominique de Villepin verfasste.