Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2012 wird zu gleichen Teilen an den britischen Historiker Ian Kershaw und an den US-Historiker Timothy Snyder verliehen, so das Urteil der international besetzten Jury.
Aus der Menge der historischen Arbeiten zum Kriegsende ragt Ian Kershaws im vergangenen Jahr bei der Deutschen Verlags Anstalt erschienene große Studie »Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45« in ihrer umfassenden Darstellung, tiefgreifenden Analyse und anschaulichen Schilderung hervor. Kershaw findet neue Antworten auf die Frage, warum die militärisch bereits besiegten Deutschen noch fast ein Jahr lang weiterkämpften und bis zur totalen Verwüstung des Landes durchhielten. Anhand zahlloser einleuchtender Beispiele legt er eine Fülle unterschiedlicher Ursachen für die Selbstzerstörung der Deutschen dar.
In seinem 2011 bei C.H. Beck erschienenen Buch »Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin« verbindet Timothy Snyder genau recherchierte Daten über das deutsche und sowjetische Morden in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Erinnerung an individuelles Leid. Er erweitert unsere Vorstellung vom industrialisierten Massenmord, indem er Hunger und Terror als Todesursache für mehr als die Hälfte der Opfer in den Blick rückt. Dabei entgeht »Bloodlands« jederzeit der Gefahr des Abstumpfens: Hinter den unvorstellbaren Zahlen hält Timothy Snyder die Menschen und ihre einzelnen Schicksale stets sichtbar.
Beide Autoren befassen sich in ihren jüngsten Studien mit dem Zweiten Weltkrieg, jedoch ist ihre jeweilige historische Fragestellung so unterschiedlich, dass die Werke einander vorzüglich ergänzen und als komplementär zueinander lesbar sind. Beide Werke verbindet auch, dass sie ein tieferes Verständnis Europas für seine eigene Schreckensgeschichte ermöglichen.
Die Preisverleihung 2012 an Ian Kershaw und Timothy Snyder findet anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse am 14. März im Gewandhaus zu Leipzig statt.







