Geht das Geschacher um Suhrkamp in eine neue Runde? Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach will den Suhrkamp Verlag offenbar komplett übernehmen, berichtet DIE ZEIT heute in einer Vorabveröffentlichung.
Barlach ist mit seiner Medienholding Winterthur mit 39 Prozent Minderheitsgesellschafter. „Der Suhrkamp Verlag ist wirtschaftlich gefährdet“, sagte Barlach demnach der ZEIT. Er habe deshalb „am 7. März vor Gericht ernsthaft das Angebot gemacht, auch die 61 Prozent der Familienstiftung zu kaufen, weil wir daran glauben, dass wir diesen Verlag besser führen könnten“. Allerdings hätten die Mehrheitsgesellschafter den Vorschlag abgelehnt.
Hintergrund des Angebots ist ein weiterhin anhaltender Streit zwischen Barlach und der Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz, die auch der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung vorsteht, die Mehrheitsgesellschafter des Suhrkamp Verlags ist. Barlach wirft der Witwe von Verlagsgründer Siegfried Unseld Missmanagement und die Vermischung von geschäftlichen und privaten Interessen vor.
Barlach kritisierte, der Verlag habe „langjährig Flächen in der Villa seiner Geschäftsführerin für Events und Autorenübernachtungen“ angemietet. „Die Mietflächen in der Gerkrathstraße und die Aufwendungen, die vom Verlag getroffen wurden, dienen unseres Erachtens zum großen Teil der privaten Lebensführung von Frau Berkéwicz und den weiteren Hausbewohnern“, sagte Barlach und lässt sich mit der Aussage zitieren, das stelle „eine unzulässige Mischung von Geschäftlichem und Privatem dar“.
Barlach sagte, der Literaturverlag „machte von 2003 bis 2009 Verluste. 2010 hatten wir außerordentliche Ergebnisse – Kunststück: Wir haben nicht betriebsnotwendiges Anlagevermögen verkauft.“ Die Gesellschafter des Suhrkamp Verlags streiten sich in Berlin vor dem Landgericht. Barlach geht es um die Absetzung von Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin. Am 9. Mai wird das Urteil gesprochen.