
Läden mit Großflächen haben auch im Ausland verstärkt Probleme: Jetzt wird bekannt, dass auch die holländische Buchhandelskette Selexyz Insolvenz angemeldet hat. Ihr Flaggschiff ist die Filiale in Maastricht (Foto), die in einer Kirche untergebracht ist.
In BuchMarkt 9/2008 hatten wir über diesen außergewöhnlichen Laden berichtet, der für die britische Zeitung The Guardian gar als schönste Buchhandlung Europas gilt. Die Krise der Buchhandelskette hat sich schon länger abgezeichnet: Die 42 Selexyz-Läden an insgesamt 17 Standorten und 720 Mitarbeitern (600 davon im Verkauf) leiden seit einigen Jahren an erheblichem Liquiditätsmangel und versuchen, Schulden von 15 Millionen Euro abzubauen.
Zur Ketten gehören weitere starke Marken wie Scheltema in Amsterdam, Rotterdam und Donner Broese in Utrecht, die auch allein weiterarbeiten könnten, wie etwa Anna Bakker, Direktorin des Buchhändlerverbandes hofft. Besorgt sind allerdings die niederländischen Verleger, bei denen der Umsatz mit Selexyz etwa 10 % ausmacht. Henk Pröpper, Herausgeber der Zeitschrift The Busy Bee, sagt deshalb: „Das Verschwinden von Selexyz ware ein enorme Belastung“. Auch für Eppo van Nispen zu Sevenaer, den Direktor der Stiftung CpNb (Collective Propaganda-Stiftung des Buches) wäre das „desaströs“, auch, weil damit ein Schatten auf die jährliche niederländische Buchwoche fiele, bei der Selexyz ein wichtiger Sponsor ist.
Die Gründe für die Schieflage von Selexyz seien neben dem Wachstum des E-Books das schnelle Wachstum des Online-Händlers Bol.com; Selexyz hat nach Meinung von Branchenkennern zu spät auf diese Entwicklung reagiert und jetzt rächt sich sichtlich, dass die Kette dort nicht eingestiegen ist (für den damaligen Selexyz-Direktor Matthijs van der Lely der „größte Fehler meines Lebens“). Man hätte damals den Versender für nur 200.000 € übernehmen können – der ist jetzt für 350 Millionen Euro an die Supermarktkette Ahold gegangen.