Mit seiner Wahl um neuen Vorsitzenden im Landesverband Bayern stellt sich die Frage, in welche der Landesverband die Zukunft gestalten will. Dazu Dr. Jörg Platiel:
buchmarkt.de: Was können Landesverbände, was der Bundesverband nicht kann?

Dr. Jörg Platiel: Der Landesverband ist in der Region vor Ort. Das ist wichtig, um die Unternehmen in ihren regionalen Fragen und bei regionalen Problemen zu unterstützen. Die Geschäftsstelle kooperiert mit den Partnern vor Ort, zum Beispiel mit der Landeshauptstadt ebenso wie mit anderen Kommunen in Bayern. Außerdem ist der Landesverband Ansprechpartner für die bayerischen Staatsministerien. In der föderal strukturierten BRD ist insbesondere das Thema Bildung eine Länderangelegenheit. Ein Verband, der in die Breite wirken will, muss hier auch vor Ort gut aufgestellt sein. Die Landesverbände sind nah an den Mitgliedern.
Warum ist die regionale Vernetzung noch immer wichtig?
Die Bildungsthemen habe ich gerade schon erwähnt, regionale Vernetzung ist aber auch aus vielen anderen Gründen wichtig. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist es essentiell, gut in ihrem Umfeld verwurzelt zu sein. Zum Beispiel die Cluster-Initiativen der Bayerischen Staatsregierung oder die Förderung einer Organisation wie der Rid Stiftung sind nur bayerischen Unternehmen vorbehalten. Hier liegt in der föderalen Struktur eine echte Chance, die dem Gesamtverband sonst entgehen würde.
Wie hat der Landesverband Ihrem Unternehmen bisher geholfen?
In vielfacher Weise: Unsere Mitarbeiter profitieren zum Beispiel von verschiedenen Arbeitskreisen, die der Landesverband anbietet. Personalleiter, Ausbilder und Auszubildende tauschen dort ihre praktischen Erfahrungen vor Ort aus. Auch aus dem umfangreichen Forbildungsprogramm haben wir in der Vergangenheit mehrfach wertvollen Input für die tägliche Arbeit erhalten.
Was muss der Landesverband als nächstes anpacken?
An erster und prominenter Stelle sei hier das Urheberrecht genannt. Wenn das Urheberrecht fällt, ist die Branche existentiell bedroht, dann geht es ans Eingemachte. So weit ist es noch nicht gekommen. Das darf aber unter keinen Umständen jemals passieren. Bei diesem Thema ist es wichtig, an allen Fronten zu kämpfen. Bewusstsein in Politik und Gesellschaft muss dafür auch in den Ländern gebildet werden. Die Diskussion um das Urheberrecht ist die eine Facette der Digitalisierung – präsent ist das Thema insbesondere in den Verlagen.
Und was soll in Hinblick auf das Sortiment passieren?
Eine andere Facette bekommt das stationäre Sortiment zu spüren. Auch wenn der Buchhandel flexibler auf den Umbruch reagiert als das in der Öffentlichkeit vielfach wahrgenommen wird, macht das verändernde Konsumentenverhalten dem Handel zu schaffen. Auch hier bietet der Verband Unterstützung, damit die Vielfalt der Buchhandelslandschaft erhalten bleibt. Denn nur als eine flächendeckende Institution ist der Buchhandel auch ein Garant der kulturellen Vielfalt in diesem Bereich. Und nur diese Vielfalt rechtfertigt die Privilegien, mit denen unsere Branche noch immer ausgestattet ist.
Wie kann ein regionaler Verband dem Buchhandel vor Ort in Zeiten des Medienwandels helfen?
Regionale Bildungspartner, wie die Rid Stiftung hatte ich ja schon erwähnt. Nur mit einem solchen Partner können wir Seminare zu so günstigen Konditionen anbieten : 25 Euro für ein Zwei-Tages-Seminar, eine halb-jährige Coaching-Phase und ein Nachtreffen. Mit unseren Fortbildungsangeboten liefern wir das nötige Wissen vor Ort in erreichbarer Nähe für die Mitglieder. Themen sind hier ganz konkrete Praxishilfen, wie zum Beispiel die Optimierung eigene Internetpräsenz , die Kommunikation mit den Kunden über Social Media-Kanäle oder der Verkauf von E-Books. Auch Webinare bieten wir an. Aber wir unterstützen die Buchhandlungen auch darin, Mittel und Wege zu finden ihre Fläche so zu nutzen, dass die Kunden ein prägendes Einkaufserlebnis erfährt, zu Veranstaltungen in die Buchhandlungen kommen und sich beraten lassen. Veranstaltungen wie Book meets Film stärken Unternehmen bei der Vermarktung von Inhalten über die Branchengrenzen hinaus.
Die Fragen stellte Matthias Koeffler







