
Mit ruhigen, aber durchaus beunruhigenden Statements in seinem Eröffnungsvortrag hat Jürgen Neffe, Autor und freier Journalist und Erfinder des Libroid, soeben die Tagung des Arbeitskreises wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) eröffnet, die dieses Jahr unter der Überschrift „Kompetenzen im digitalen Umfeld“ steht.
„In zwanzig Jahren wird es noch so viele gedruckte Bücher geben wie heute Vinyl-Platten“, sagte Neffe vor 132 Teilenehmern, die dieses Jahr in das Best Western Hotel nach Regensburg gekommen waren. Er sei überzeugt, dass mit der Veränderung des Trägermediums sich auch die Inhalte und Darreichungsformen von Inhalten verändern werden. Auch der E-Reader sei jetzt schon ein Anwärter für das Technik-Museum. Das Buch werden nur noch das „Zu lesende“ heißen. Deshalb hat er für neue Veröffentlichungsformen das Wort „Libroide“ geprägt. Das Buch gerät damit noch mehr zur Konkurrenz mit anderen Medien. Damit ließe sich gleich zu Beginn der Bogen zum Thema der Tagung ziehen.

Ging es im letzten Jahr noch um die Frage der möglichen Allianzen, bringt die AWS-Organisatorin Dr. Dorothea Redeker mit dem diesjährigen Motto auf den Punkt, was die Neuaufteilung des Marktes für den einzelnen bedeutet: Denn die Frage stellt sich: Wer bringt für die Zukunft welche Kompetenz mit und wer kann und muss sich welche Kompetenzen erwerben, um im Markt zu bestehen? Denn nur wenn Kompetenzen klar verteilt, erkennbar und kommuniziert werden, kann Arbeitsteilung auf dem Markt funktionieren.
Das beginnt zunächst mit einem allgemeinen Blick auf den Markt. Mit ihrem Eintritt in die digitale Datenwolke haben die Bücher fliegen gelernt, so Jürgen Neffe in seinem Eröffnungsvortrag. Was das heißt, beleuchten danach schon konkreter Gregor von dem Knesebeck vom Grin Verlag, in dem er Cloud Soutions vorstellt und Dr. Gernot Deinzer von der Universitätsbibliothek Regensburg, der die Komplexität von Open Access-Lösungen vor Augen führt.

im digitalen Umfeld“
Am morgigen Tag wird die Bedeutung der Umfrageergebnisse der AWS vom Ende vergangenen Jahres analysiert. Monika Krieg (Harassowitz) beschäftigt sich mit den Ergebnissen im Hinblick auf das Exportgeschäft und die USA, Dr.Raphael Ball von der Universitätsbibliothek Regensburg] referiert über Konzepte zum Aufbau von Beständen für digitale Medien in wissenschaftlichen Bibliotheken, die mehr als nur zufällig zunehmend auch strategisch angelegt werden sollen. Doch die Umfrage unter den Sortimentern hat auch Erkenntnisse für die Liary Supplier gebracht, die AWS-Neumitglied Cary Buce von EBSCO in kurzfristiger Abweichung vom Programm vorstellt.
Wie also neue digitale Kompetenzen aufteilen und sich über sie verständigen? Dazu stellen zunächst Barbara Mahlke (Schweitzer Sortiment) und Klaus Tapken (Missing Link) die Leistungen des Fachbuchhhandels im digitalen Umfeld vor, bevor Klaus Bahmann vom Springer Verlag noch einmal zur provozierenden These Stellung bezieht: „Der Handel kann Print, kann er auch digital?“ Dr. Karl-Heinz Höfner stellt Erfahrungen aus einer Welt des Buchhandels ohne Buchhändler vor und berichtet über Erfahrungen mit dem Verkauf von Online-Produkten beim Oldenbourg und Akademie Verlag. Dr. Dubravka Hindelang vom Hanser Verlag berichtet dann über ihre Erfahrungen beim Aufbau der Hanser eLibrary mit dem Buchhandel als Partner.
Den Blick über den Tellerrand besorgen in diesem Jahr Stefan Buhr, der aus dem Hause Spiegel die Überführung des eigenen Angebots in die digitale und mobile Welt referiert, und Herr Kiefer, der über die Chancen von Apps für Verlage und Buchhandel berichtet.
Am Mittwoch werden dann konkrete best practice-Beispiele folgen, wobei Jürgen Harthauer (t&t und Eberhard Spangenberg (Garibaldi) darüber berichten wie sie den Wettbewerb gewonnen haben, indem sie ihn verlassen haben, Detlef Büttner (Lehmanns media über Vermaktungsstrategien von E-Books an den Endkunden berichtet und Michael Vetter (Square) über Federated Search berichtet: Die Zukunft beim zentralisiertem Zugriff auf externe Datenbanken und eJournals.