
Ray(mond Douglas) Bradbury (22.8.1920 – 5.6.2012) – einer der größten amerikanischen Autoren, ist tot. Gestern starb er im Alter von 91 Jahren in Los Angeles.
Schon mit elf Jahren schrieb Bradbury Geschichten auf Butterbrotpapier, 1938 wurde die erste Geschichte von ihm gedruckt. Den Durchbruch als Science-fiction-Autor stellte die Veröffentlichung der »Mars-Chroniken« 1950 dar. Seine bekannteste Zukunftsvision, »Fahrenheit 451«, folgte 1953. Als preisgekrönter Autor von schier unermeßlicher Schöpfungskraft hat Ray Bradbury an die 500 Kurzgeschichten, Romane, Bühnenstücke und Gedichte geschrieben.
Bradbury wurde in Waukegan, Illinois, geboren. »Ich wurde an einem Sonntag geboren«, so Bradbury, »während mein Vater und mein Bruder am anderen Ende der Stadt bei einem Baseball-Match waren. Meine Mutter wurde in Stockholm geboren und kam 1890 hierher. Mein Vater stammte aus einer Familie von Zeitungsredakteuren und Druckern, so dass man sagen könnte, Publizieren und Schreiben liege mir im Blut. Als Junge fühlte ich mich aber viel näher verwandt mit meiner Ahne Mary Bradbury, die im 17. Jahrhundert in Salem als Hexe verurteilt wurde.«
Nach dem Highschool-Abschluss stellte er sich an eine Straßenecke und verkaufte die Zeitschrift Futura Fantasia. Die vielen verschiedenen Namen unter den Beiträgen täuschten: Geschrieben hatte Bradbury fast alles selber. Das Herumstehen war er bald leid. Wozu auch, wenn es willige Abnehmer für seine Geschichten gab, die sich, mit klingenden Namen wie Esquire, Collier’s oder Saturday Evening Post, auch besser verkauften. 1953 erschien Fahrenheit 451, sein erster Roman, den er auf einer gemieteten Schreibmaschine geschrieben hatte. Fahrenheit 451 machte Ray Bradbury weltberühmt, wie auch Die Mars-Chroniken und Der illustrierte Mann. 1966 verfilmte François Truffaut Fahrenheit 451 mit Oskar Werner und Julie Christie in den Hauptrollen, und Hollywood plant derzeit eine Neuverfilmung.
Das Spektrum des »Louis Armstrong der Sciencefiction« (Kingsley Amis) reicht aber weiter. Er hat sich in jeder literarischen Gattung profiliert: von Kinderbüchern und Gedichten über Essays und Theaterstücke bis hin zu Drehbüchern, wie jenes zu Moby Dick von John Huston.
Ray Bradbury hat in seinem langen Leben sozusagen jede Auszeichnung erhalten, die man in Amerika erringen kann (darunter auch einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und zuletzt, 2007, den Special Citation Pulitzer Prize). Kein Geringerer als Aldous Huxley würdigte ihn so: »Einer der größten Visionäre unter den zeitgenössischen Autoren.«