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Dr. Ralf Birkelbach: Wie passen Datenbanken und der Verkauf von Printprodukten im Handel zusammen?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Springer DE-Geschäftsführer Dr. Ralf Birkelbach.

Dr. Ralf Birkelbach ist seit 2007 Executive Vice President Professional Business & Technology Springer Science+Business Media und hat mit Beginn des Jahres 2012 die Programme des Gabler Verlags (heute: Springer Gabler) und des Spektrum Akademischer Verlag (heute: Springer Spektrum), des Vieweg+Teubner Verlags (heute: Springer Vieweg) und des VS Verlags (heute: Springer VS) mit den deutschsprachigen Lehr- und Fachmedienprogrammen des Springer Verlages zusammengelegt.

Herr Dr. Birkelbach, mit „Springer für Professionals“ [mehr…] hat Springer DE ein neuartiges Online-Angebot entwickelt. Sie bieten darin Entscheidern in Wirtschaft und Industrie an, die komplette Fachbuch- und Zeitschriftenbibliothek von Springer in einem digitalen Angebotspaket zu einer monatlichen „flatrate“ zu beziehen. Verabschieden Sie sich damit vom Verkauf einzelner gedruckter Fachbücher?

Dr. Ralf Birkelbach

Dr. Ralf Birkelbach: Nein. Qualitativ hochwertige Fachbücher und –zeitschriften werden auch in Zukunft das Rückgrat der Fachmedien sein. Aber genauso klar ist, dass sich das Mediennutzungsverhalten von Entscheidern ändert: Man möchte alles verfügbare Wissen sofort im Zugriff haben und dennoch über eine kompetente verlegerische Auswahl und Verdichtung den Überblick behalten.

Genau da setzt „Springer für Professionals“ an?

Ja. Die neue Online-Plattform, die es in dieser Form noch nicht gibt, bietet unseren Kunden schon zum Start Zugriff auf über 1.000.000 Volltextdokumente aus den Verlagen von Springer Science+Business Media. In den Bereichen Wirtschaft und Technik entspricht das dem Wissen aus über 30.000 Buch- und 300 Fachzeitschriften-Titeln – von der Automobiltechnischen Zeitschrift (ATZ) und dem Bankmagazin bis hin zur Zeitschrift für Controlling und Management.

Das klingt nach dem bekannten Datenbank-Modell. Was genau ist das Neuartige daran?

Eine Datenbank ermöglicht den Nutzern „nur“ den in der Regel suchwortgeleiteten Zugriff auf Inhalte. Wir bieten darüber hinaus bei „Springer für Professionals“ unseren Nutzern einen echten verlegerischen Mehrwert: Wir erstellen für unsere Datenbankabonnenten einen Informationsservice, bei dem kompetente Fachredaktionen werktäglich für 12 verschiedene Zielgruppen in Wirtschaft und Technik relevante Themen und Fragestellungen journalistisch adressieren und den gesetzten Themen jeweils die Inhalte der Datenbank für einen Volltextzugriff zuordnen.

Was heißt das?

Ein Automobilingenieur erhält täglich kompetent aufbereitete Kurzbeiträge zu neuen Trends und technischen Entwicklungen in der Automobilindustrie und gleich dazu – sofern er Interesse an dem jeweiligen Thema hat – das Hintergrundwissen im Volltextzugriff. Gewissermaßen verschmelzen wir in der digitalen Welt die klassische Fachzeitschrift und eine Fachbuchbibliothek thematisch und zielgruppenspezifisch. Somit erhalten unsere Kunden zum einen Orientierung über die relevanten Themen der Branche bzw. ihrer beruflichen Funktionen und zum anderen die Möglichkeit zur jederzeit möglichen tiefergehenden Recherche. Zusätzlich kann jeder Nutzer sein erworbenes Wissen mit einer Reihe von zur Verfügung gestellten Software-Tools in seinem persönlichen Archiv strukturieren.

Das klingt nach einem umfassenden Angebot.

Ja! Bei Springer DE verfügen wir in unseren Themenbereichen Wirtschaft und Technik über ein marktführendes Fachbuchangebot, das durch ein umfangreiches Fachzeitschriftenportfolio abgerundet wird. Dieses deutschsprachige Angebot wird ergänzt um alle Inhalte, die wir in der Springer-Gruppe in der englischen Sprache in den Themen Engineering und Business publiziert haben. Ein Angebot. das seinesgleichen sucht. Sukzessiv binden wir über Kooperationen mit Beratungsgesellschaften und Forschungsinstituten Inhalte anderer Experten in unser Angebot ein. Vielleicht öffnen wir „Springer für Professionals“ eines Tages auch für Drittverlage. Momentan hat aber die Marktgestaltung und -durchdringung eines völlig neuartigen Onlineangebotes Vorrang.

Aber braucht jeder Entscheider denn wirklich alles? Es gibt Springer Gabler Wirtschaftsinformationen, Springer Vieweg Technik-Angebote und sozialwissenschaftliche Medien in Ihrem Hause…, die braucht doch nicht jeder in einem Abo.

Wir glauben, der Entscheider benötigt in erster Linie schnelle relevante Informationen. Dieses Bedürfnis bedienen wir bei Springer für Professionals mit dem werktäglichen journalistischen Informationsservice durch unsere Fachredaktionen. Darüber hinaus besteht aber jederzeit die Möglichkeit, passgenau verknüpfte weitere Informationen aus der Datenbank zu beziehen – bei Themen, in die genauer eingestiegen wird. Rein thematisch glauben wir, dass z.B. ein Entscheider im Bereich Marketing auch interdisziplinäre Interessen hat, z.B. in den Bereichen PR oder Management – daher dann ein Wirtschaftsangebot und ein Technikangebot.

Das neue Angebot richtet sich an Entscheider im Berufsalltag, die Inhalte der Datenbank sind aber zu einem großen Teil wissenschaftlich – wie passt das zusammen?

Der überwiegende Teil der angebotenen Publikationen in den Themenbereichen Wirtschaft und Technik ist sehr anwendungsorientiert, was mit der verlegerischen Historie der Verlage Springer Gabler (vormals Gabler) bzw. Springer Vieweg (vormals Vieweg+Teubner) und dem Springer Verlag zusammenhängt. Darüber hinaus liegt in der journalistischen Auswahl, Einordnung und Verlinkung durch die Fachredaktionen die Innovationskraft und die Herausforderung von „Springer für Professionals“. Neue Angebotsformate wie Dossiers, Handbuch-Inhalte, Fachlexika, Statistiken und Videos werden den Anwendungsnutzen unterstützen.

Hat Springer als klassischer Wissenschaftsverlag die Corporate-Kunden „neu entdeckt“?

Das Kerngeschäft von Springer ist und bleibt hochwertige Fachliteratur für die internationale Wissenschafts-Community. Derk Haank hat aber in seiner Strategie „Springer 2010-2015“ das Management aufgerufen, unsere Contents konsequent auch an Corporate-Kunden heranzutragen. Dazu haben wir zwei große Initiativen bei Springer gestartet. Die Kollegen aus dem Wissenschaftsgeschäft haben unter der Federführung von Peter Coebergh ein Datenbankangebot entwickelt, in dem der gesamte Springer-Content den Informationsinteressen bestimmter weltweit agierender Industrien zugeordnet wird und durch modernste Suchtechnologien abgerufen werden kann.

Das heißt, das Angebot ist international ausgerichtet?

„Springer for Research and Development“ richtet sich an international agierende Unternehmen und Institutionen, die in der Regel große Forschungsabteilungen haben und wissenschaftsnah arbeiten. Dito ist das Konzept global ausgerichtet und wird dort entsprechend seit Anfang des Jahres erfolgreich ausgerollt. Zielgruppe sind die großen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen großer internationaler Konzerne.

Die Zielgruppe auf einen Punkt?

„Springer für Professionals“ zielt demgegenüber auf Individual- und Firmenkunden, die verstärkt anwendungsorientiertere Inhalte suchen und für einen schnellen Überblick einen journalistischen Service schätzen, der Inhalte nach Relevanz vorselektiert und Themen verdichtet. Diesen Spagat zwischen geforderter „Wissensreduktion“ einerseits und „größtmöglicher Angebotstiefe“ andererseits können wir nur auflösen, weil wir über erstklassige Fachzeitschriftenredaktionen verfügen, deren Kerngeschäft die Reduktion relevanten Wissens ist und wir gleichzeitig eine der mächtigsten Fachbibliotheken der Welt im Zugriff haben.

Wohin geht die digitale Reise bei Springer DE?

Um die Digitalisierung mit aller Kraft umsetzen zu können, haben wir zu Jahresbeginn die deutschsprachigen Aktivitäten des Springer-Verlags – ausgenommen Springer Medizin – mit den Verlagsprogrammen von Springer Gabler, Springer Spektrum Springer Vieweg und Springer VS zusammengelegt, woraus die Geschäftseinheit Springer DE entstanden ist. So können wir als noch stärkere Einheit das digitale Geschäft der Lehr- und Fachmedien weiter vorantreiben. Mit „Springer für Professionals“ haben wir für die Fachmedien nun die Weichen gestellt.

Sie bedienen aber noch andere Zielgruppen…

Ja, parallel werden wir natürlich auch in unserem zweiten großen Zielgruppenbereich – den Studenten – ähnliche Projekte folgen lassen. Hier wird zum einen im Vordergrund stehen, wie wir klassische E-Book-Formate mit neuen Funktionalitäten so weiterentwickeln, dass die originären Vorteile des digitalen Mediums ausgereizt werden. Zum anderen wird an interessanten Konzepten gearbeitet, auch im Studentenmarkt neue Konzepte anzubieten, bei denen sich das Angebot nicht mehr nur auf ein einzelnes Lehrbuch, sondern eine ganze Lehrbuchbibliothek erstreckt.

Unsere wichtigste Frage zuletzt: Welche Rolle spielt der Buchhandel bei Springer für Professionals?

Genauso, wie wir SpringerLink partnerschaftlich mit dem Buchhandel an die Bibliotheken vermarkten, werden wir auch bei „Springer für Professionals“ den Handel in den Verkauf einbinden. Dazu stehen wir derzeit in Gesprächen mit unseren Handelspartnern und wollen diese über verschiedene Kooperationsmodelle beteiligen.

Die Aufteilung stimmt doch längst nicht mehr: Verlage machen E- und Buchhandel Print- Geschäft. Wie sehen die Kooperationsmodelle aus?

Wir denken, dass wir mit „Springer für Professionals“ natürlich auch einfach eine Art Showroom für unsere Produkte ausbauen – es ist anzunehmen, dass dies auch den einen oder anderen zum Kauf eines klassischen Print-Fachbuches anregt, sicherlich auch wie gewohnt zum großen Teil über den Handel. Davon profitiert der Buchhandel direkt. Bei der Ausgestaltung der Kooperationsmodelle arbeiten wir sowohl an einer Bezugsmöglichkeit von Springer für Professionals durch Individualkunden im Buchhandel als auch an Lösungen, wie spezialisierte Fachbuchhändler ihre Firmenkundengeschäfte mit Springer für Professionals ausbauen können.

War der Handel bei der Planung einbezogen?

Ja, wir sind insbesondere mit den auf das Firmenkundengschäft spezialisierten Fachbuchhandlungen im engen Dialog.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

Weitere Informationen: www.springerprofessionals.de

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