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Robert Gernhardt Preis für Pete Smith und Frank Witzel

Frank Witzel und Pete Smith

Die gestrige Verleihung des 4. Robert Gernhardt Preises überraschte mit einigen Neuerungen. So fand die Veranstaltung nicht wie bislang im Frankfurter Mousonturm statt, sondern eine Ecke weiter im Industriedenkmal Naxoshalle, Spielstätte des Theaters Willy Praml.

Entsprechend begrüßte der Hausherr die zahlreichen Gäste mit den Worten: „Sie sitzen hier im Bühnenbild des ‘Frankfurter Jedermann‘“ und erläuterte kurz das historische Gebäude.

Ingmar Jung, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, überbrachte die Grüße aus Wiesbaden und dankte den Stiftern des Preises, der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen. Der Vorstandsvorsitzender der Helaba, zu der die WIBank gehört, Hans-Dieter Brenner, bekräftigte das Engagement seines Instituts für Bücher, „die nie aus der Mode kommen“, so ist er überzeugt. „Wir begleiten finanziell Projekte, die Erfolg versprechen“, resümierte er.

Während bisher der eine Preisträger jeweils über den anderen sprach, übernahm in diesem Jahr Martin Lüdke die Laudatio, in die er Robert-Gernhardt-Worte einstreute.
Er würdigte Pete Smith als Autor von So voller Wut, erschienen 2009 im Ueberreuter Verlag, Wien. Dieses Jugendbuch, „eine unterschätzte Gattung“, wie Lüdke betonte, sei handwerklich gut geschrieben, „sozialkritisch, engagiert, mit diesem dramaturgischen Geschick und einem feinen Gespür für die notwendigen Effekte“ entwickle sich die Geschichte.

Ein Exkurs führte den Laudator dann zu den Verlegern, konkret zu Gustav Mechlenburg, Textem Verlag, Hamburg. „Er macht das, was (die Leser) lesen sollen … zum Beispiel Frank Witzel.“ Lüdke formulierte kraftvoll: „Für die Klugscheißer, die zynisch meinen, was sich auf dem Markt nicht durchsetzen könne, das werde auch nicht gebraucht, sind diese Bücher natürlich nicht gemacht. Peter Rühmkorf beschreibt in seiner eben erschienenen Sammlung In meinen Kopf passen viele Widersprüche, Wallstein Verlag noch einmal drastisch die Ignoranz, auf die selbst Robert Gernhardt mit seinen ersten Gedichtbänden gestoßen war. Die Kritik habe ihn überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, das Publikum kaum. Die Literaturgeschichte wimmelt nur so von solchen Beispielen.“ Lüdke forderte, „auf diese Situation nicht verdruckst kleinmütig, sondern offensiv und aggressiv zu reagieren … Es geht nämlich um Literatur, nicht um das Anschleimen an einen schäbigen Publikums-Massen-Geschmack.“

Im Anschluss an diese Rede wurde der Preis, der mit jeweils 12.000 Euro dotiert ist, an die beiden Autoren übergeben. Pete Smith wird die finanzielle Unterstützung dazu verwenden, seinen Roman Endspiel fertig zu stellen, Frank Witzel wird sein 1000-Seiten-Projekt Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 vorantreiben. Beide Preisträger bedankten sich für das in sie gesetzte Vertrauen.

Eines blieb auch in diesem Jahr beim Alten: Die WIBank schenkte allen Gästen dieser Veranstaltung ein Buch – den Roman Die Glücksparade, fertiggestellt vom Preisträger 2010 Andreas Martin Widmann [mehr…] und im Rowohlt Verlag erschienen. Eine schöne Geste.

JF

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