
Gestern wurde im Frankfurter Goethe-Haus die Ausstellung … mein Werther – dein Werther – unser Werther … eröffnet. Sie zeigt, wie Goethes Erfolgsroman Die Leiden des jungen Werthers Grenzen überwindet – bis heute.
24-jährig schreibt Johann Wolfgang Goethe, zurückgekehrt aus Wetzlar, wo er der schönen Charlotte Buff begegnet war, nach eigener Auskunft in nur vier Wochen 1774 den Briefroman im Elternhaus in Frankfurt nieder. Im Herbst desselben Jahres erscheint der Roman auf der Leipziger Buchmesse.
Während der Stadtrat von Leipzig das Buch 1775 verbot und diese Indizierung bis 1825 aufrecht erhalten wurde, konnten dieses und weitere Verbote den Roman nicht aufhalten. Der Werther bewegte die Gemüter, wird als erster deutscher Roman zum Welterfolg. Bereits 1775 erscheint der Roman im Französischen, aber nicht in Frankreich – das ist erst nach der Revolution möglich. Nach fast 240 Jahren ist der Werther in mehr als 60 Sprachen übersetzt, wird noch immer und aufs Neue übertragen und gelesen.
Die Ausstellung im Frankfurter Goethe-Haus verbindet den Ort des Geschehens, Wetzlar, mit der Geburtsstadt des Dichters. Bereits im letzten Jahr war die Exposition, präsentiert von der 2010 gegründeten internationalen Werther-Abteilung der Stadtbibliothek Wetzlar, kurz dort zu sehen, sie entstand in Zusammenarbeit mit einem Deutsch-Kurs der Volkshochschule und wird von Katharina Lehnert-Raabe kuratiert.
In Frankfurt sind historische Exponate dazu gekommen, in Vitrinen werden Erst-, Raub- und Nachdrucke ausgestellt, das Umfeld, in dem der Briefroman angesiedelt ist, wird nachvollziehbar. Zahlreiche Illustrationen im damaligen Zeitgeschmack belegen die Popularität des Werkes.
Die aus aller Welt zusammengetragenen Übersetzungen liegen indes offen da, der Besucher kann darin blättern.
Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts/Goethe-Haus, zeigt in ihrer Einführung zur Exposition ein Werther-Exemplar aus dem Dänischen aus dem Jahr 2010, das auch als Schulbuch verwendet wird. „Das Original altert nicht, die Übersetzungen schon“, sagt sie.
Dabei gibt es auch Skurriles zu berichten; so ist die Erstübersetzung ins Thailändische auf dem Titel mit einer verjüngten Totenmaske Goethes erschienen.
Die zahlreichen Übertragungen sind kaum zu überblicken, es kostete viel Zeit und Mühe, die Bücher in 60 unterschiedlichen Sprachen zusammen zu tragen.
„Die Ausstellung im Goethe-Haus spricht die internationalen Gäste an und ermöglicht dem nationalen Publikum, Eigenes im Fremden neu zu entdecken“, erläutert Anne Bohnenkamp-Renken.
Versinnbildlicht werden die Übersetzungen durch einen Fries mit blass-rosa Schleifen, wie sie im Werther beschrieben werden – jeder versteht darunter eine etwas andere Farbe.
Eine Videoinstallation, eine Hörstation und ein Rahmenprogramm komplettieren die Ausstellung, die bis zum 24. März in Frankfurt zu sehen ist.
JF