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Zur Diskussion: Was wird aus dem Fachhandel, wenn Zalando & Amazon weiter wachsen?

Der Beitrag „Spielwarenbranche im Dilemma“ von Tassilo Zimmermann in der Lebensmittel Zeitung vom 1. Februar 2013( s. Abb.) (aus Anlass der diesjährigen Spielwarenmesse in Nürnberg) macht nicht nur nachdenklich, sondern verführt auch beim Lesen dazu, das Wort Spielwarenbranche durch das Wort Buchbranche zu ersetzen….

Tassilo Zimmermann schreibt:

Zalando polarisiert. Der Online-Händler ist deshalb immer für einen Aufschrei gut. Dass der nicht immer aus Glücksgefühlen erfolgt, erlebt derzeit die Spielwarenbranche. Sie ist gehörig aufgeschreckt von Hinweisen, wonach ein

Beitrag in der LEBENSMITTEL ZEITUNG

Einstieg in diese Warengruppe geplant sei. Auch das umgehende Dementi von Zalando hat bei den stationären Händlern nicht für Beruhigung gesorgt.

Denn erstens trauen sie es dem Online-Riesen zu, schnell ein Spielwarensortiment auf die Beine zu stellen, wenn er denn will. Zweitens, und das ist der wesentliche Punkt, geht bei den Fachhändlern generell die Angst um, dass ihnen die rasante Verlagerung von Umsätzen ins Internet zunehmend die Existenzgrundlagen raubt. Im vergangenen Jahr wurden schon 25 Prozent des Branchenumsatzes von 2,7 Mrd. Euro per Mausklick getätigt. 2011 betrug der Anteil noch 20 Prozent.

Betroffen vom gravierenden Strukturwandel ist allerdings besonders der klassische Fachhandel. Denn der hat nicht nur mit der Online-Konkurrenz zu kämpfen, sondern auch mit Filialisten wie Drogerie Müller, Toys R Us oder auch der Metro-Tochter Real. Insbesondere Müller hat es in den zurückliegenden Jahren vorgemacht, wie sich diese Warengruppe vermarkten lässt.

Insider berichten, dass bei Neueröffnungen von Müller-Filialen, die zum Teil große Spielwarensortimente führen, umliegende Fachgeschäfte Umsatzeinbußen bis zu 30 Prozent hinnehmen müssen. Als Erfolgsfaktoren gelten Einkaufsatmosphäre, klare Sortimentsstrukturen und vor allem eine funktionierende Warenwirtschaft. Außerdem ist Müller die Verknüpfung mit dem eigenen Online-Shop gelungen.

Inhabergeführte Fachgeschäfte, die lange Zeit das Rückgrat der Branche waren, befinden sich in der Zwickmühle. Um zu überleben, müssen sie gleichzeitig in größere Flächenumbauten investieren, die Kapitalbindung verringern und eigene Multi-Channel-Konzepte erarbeiten. Angesichts der sich weiter verschärfenden Ertragssituation in der Branche werden das nur wenige Inhaber stemmen können. Deshalb wird sich der Strukturwandel fortsetzen. Der Verdrängungsprozess wird an Heftigkeit gewinnen.

Da bringt ein Aufschrei gegen Zalando auf der Spielwarenmesse nur kurzzeitige Erleichterung. Die eigentlichen Probleme löst er nicht.

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