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Oliver Voerster – wie zuverlässig sind Ihre Lieferanten?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an KNV-Chef Oliver Voerster.

Oliver Voerster, geboren 1966, ist seit 1996 Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Koch, Neff &Volckmar GmbH und Koch, Neff &Oetinger Verlagsauslieferung GmbH sowie deren Tochtergesellschaften.

Herr Voerster, wie oft telefonieren, mailen oder konferieren Sie am Tag in „brandheißer“ Sache?

Oliver Voerster

Oliver Voerster: Täglich mehrmals bin ich im direkten persönlichen und telefonischen Kontakt mit unserem Krisenteam. Das Thema hat für uns natürlich absolute Priorität. Die LKG-Mannschaft ist in engem Austausch mit den Verlagen, hat Titellisten der betroffenen Bücher zur Verfügung gestellt und unterstützt bei der Organisation der notwendigen Maßnahmen. Wir sind laufend in Kontakt mit den Sachverständigen und Versicherungen und unternehmen alles Mögliche, um die betroffenen Verlage zu unterstützen und die Auswirkungen auf den Handel so begrenzt wie möglich zu halten. Von Vorteil ist, dass wir für die Sicherung der Lieferfähigkeit unsere eigenen Möglichkeiten im Bereich Print-on-Demand nutzen können, hier sind wir aktiv auf die betroffenen Verlage zugegangen und haben ein Angebot für einen kurzfristigen Nachdruck unterbreitet, das bereits von Verlagen angenommen wird.

Haben Sie den Brandort persönlich in Augenschein genommen?

Oliver Voerster: Wir haben uns als Geschäftsleitung selbstverständlich ein Bild vor Ort gemacht. Herr Ratajczak war als Geschäftsführer für den Bereich Logistik gleich am Montag nach dem Brand am Unglücksort. Als Unternehmen, dessen ganze Bestände im Zweiten Weltkrieg verbrannt sind, wissen wir, welche Dramatik das für die betroffenen Verlage und für uns hat. Unsere gesamte Geschäftsleitung beschäftigt sich mit diesem Thema intensiv und hat es auf oberste Priorität gestellt.

Ist die Brandursache mittlerweile klar?

Oliver Voerster: Nein, die Brandursache ist nach wie vor unklar, die Ermittlungen laufen noch.

Deutet irgend etwas auf Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz hin?

Oliver Voerster: Wir erkennen auf unserer Seite derzeit keine Hinweise in diese Richtung.

Auditiert die LKG ihre Lieferanten sorgfältig genug?

Oliver Voerster: Unser Vertragspartner für das Außenlager in Naunhof, die international agierende Spedition Hellmann, hat der LKG vertraglich zugesichert, die Räumlichkeiten in einem Zustand zu halten, der den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Wir legen großen Wert darauf, im Lagermanagement mit renommierten und ausgewiesenen Partnern zusammenzuarbeiten, die unseren hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden.

Ist das Ausmaß des Schadens nun lückenlos bekannt?

Oliver Voerster: Noch nicht vollständig, wir gehen aber davon aus, dass wir die Zahl der betroffenen Paletten noch weiter nach unten korrigieren können. Denn mittlerweile wurde deutlich, dass der Schaden doch geringer ist, als ursprünglich angenommen. Es sind circa 9.000 Paletten betroffen und nicht, wie zunächst vermutet, 13.000 Paletten. Bei einem Drittel der 9.000 Paletten besteht außerdem die Hoffnung, dass diese durch spezielle Aufbereitungsverfahren wieder verkaufsfähig gemacht werden können.

Haben die Geschädigten ihren Ausgleich bereits bekommen?

Oliver Voerster: Die Allianz-Versicherung, mit der über 60 % der Verlage in der LKG ihre Versicherungsvereinbarung abgeschlossen haben, hat äußerst schnell reagiert und die Deckungszusage für den Schaden der bei ihr versicherten Verlage gegeben. Diese Verlage haben bereits eine erste Abschlagszahlung in Höhe von insgesamt 5 Millionen Euro erhalten. Das über die Allianz versicherte Volumen entspricht 60 % des beschädigten Volumens. Wir hoffen nun, dass auch die anderen Versicherungen der Verlage ähnlich schnell reagieren.

Wird der Vorfall die Beziehungen von LKG, Lieferanten und Verlagskunden verändern?

Oliver Voerster: Wir werden engagiert daran arbeiten, dass wir trotz dieses Brandunglücks die traditionell guten Beziehungen zwischen LKG und ihren Verlagskunden erhalten. In den nächsten Wochen werden noch viele Fragen zu beantworten und Probleme zu lösen sein. Das Thema ist für uns Chefsache, und wir werden uns intensiv dafür einsetzen, die betroffenen Verlage zu unterstützen und werden diese regelmäßig über neue Erkenntnisse informieren. Dass uns Verlage im persönlichen Gespräch und auch in der Presse ein gutes Krisenmanagement bescheinigen, freut uns. Wir wollen die guten und vertrauensvollen Beziehungen zu unseren Verlagen erhalten und werden alles daran setzen, eine schnelle und gute Schadensregulierung zu unterstützen.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, E-Commerce-Unternehmen,Buchhändler und Dienstleister bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Die Qualitätssicherung von Katalog- und anderen Stammdaten ist sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

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