
Heute ist die diesjährige Jahrestagung des Arbeitskreises unabhängiger Buchhändler AkS in Mainz zu Ende gegangen. Es herrschte eine „durchweg positive Aufbruchstimmung“ unter den Tagungsteilnehmern; sie „sind zuversichtlich, das Frühlingshoch über das ganze Jahr weiter zu tragen“, wie Sprecherkreis-Mitglied Iris Hunscheid (Buchhandlung Hoffmann) [mehr…] sagt.
Einziger Wermutstropfen: Im AkS sind innerhalb des Börsenvereins weit mehr als unabhängige 500 Buchhandlungen organisiert; gekommen waren bestenfalls nur zehn Prozent, dafür aber viele Gäste, die sich alle durchweg einig

zeigen Ideen aus der Kampagne
waren: Wer nicht da war, hat wieder die Chance zum lockeren Gedankenaustausch untereinander verpasst, von dem alle in ihren Firmen profitieren könnten – erstaunlich immer wieder, wie viele Ideen bei den in der Regel ja eher „kleinen“ Läden und Ihren InhaberInnen schlummern.
Andrea Nunne, wiedergewählt in den Sprecherkreis, demonstrierte das mit ihrer Sammlung erster Ideen, was sich alles mit wenig Aufwand, aber großer Wirkung, mit der jetzt gestarteten Buchmarketing-Kampagne des Börsenvereins machen lässt.
Für die hatte zuvor BV-Geschäftsführer Alexander Skipis in diesem Kreis sichtlich eher unnötige Überzeugungsarbeit geleistet: Die Bereitschaft, sich hier weiter zu engagieren, scheint ungebrochen, auch wenn in den privaten Gesprächen doch hier und da die Sorge anklang, ob man sich nicht auch offensiver dem immer übermächtiger werdenden großen Wettbewerber Amazon stellen sollte. Es bleibt aber die Hoffnung, über die Kampagne, die ja etwas andere Ziele hat, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen, damit man ihnen klar machen kann, dass jeder Kindle-Käufer für den stationären Handel verloren ist. Denn die können. ja ihren Nachschub nür bei Amazon beziehen.
Welche Online-Strategie man überhaupt als stationärer Buchhändler einschlagen soll, ob ein eigener Online-Shop überhaupt Sinn macht – das wurde in einem Streitgespräch zwischen Andrea Nunne („unverzichtbar“] und Patrick Musial („sinnlos und zu teuer“) praxisnah diskutiert. Beider Argumentation machte Sinn, die Fortsetzung ist schon eingeplant. Auf die ist das Forum gespannt, denn Musial jedenfalls ist sich derzeit noch sehr sicher, dass seine Kunden diesen Schritt zum „gehobenen“ Off-Line-(Feinkost)Laden honorieren. Aber er ist nicht verbohrt:“Ich werde zugeben, wenn sich das nicht bestätigen lässt“.
Anlass zu weiteren Pausen-Gesprächen war auch die provokative Frage „Brauchen wir eigentlich noch Buchhandlungen?“, über die die Autoren Carina Bartsch, Alina Bronsky, Oliver Pötzsch und Jan Schröter unter der unaufgeregten Gesprächsführung von Börsenblatt-Chefredakteur Dr. Torsten Casimir diskutierten. Und sehr gespannt sind jetzt die ZuhörerInnen, ob sich die Blütenträume des von Bastei Lübbe geplanten „Concept Store-Modell“ [mehr…] erfüllen werden: Bastei Lübbe-GF Klaus Kluge und seine Kollegin Stefanie Folle machten aber klar: „Das Käuferverhalten ändert sich, wir müssen alle lernen – und wir auf Verlagsseite noch mehr.“
Der zunächst für April geplante Laden, von dem Kluge noch einmal deutlich sagt: „Wir wissen selber noch ncht, ob unsere Ideen funktionieren. Deswegen sagen wir: Bastei Lübbe p r o b t den Concept-Store.“ Für diese Probe aber will der Verlag sich drei Jahre Zeit lassen“. Im September soll es aber jetzt losgehen.