Heute ging in Berlin die gestern begonnene Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) unter Leitung der Vorstandsvorsitzenden Renate Reichstein zu Ende. Eine Arbeitsgruppe wurde damit beauftragt, sich um den digitalen Kinder- und Jugendbuchmarkt zu kümmern, ein Inputvortrag gab Anregungen zur Covergestaltung.

Die Überlegung, eine eigene Plattform unter dem Arbeitstitel „Digitales Kinderbuchregal“ zu installieren, war auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr aufgekommen. Beschäftigt haben sich damit Dr. Paula Peretti (Boje/Baumhaus), Christoph Gondrom (Loewe), Albrecht Oldenbourg (Arena), Till Weitendorf (Verlagsgruppe Oetinger) und Sebastian Zembol (mixtvision). Ihrer Einschätzung nach ist die Gründung einer unabhängigen Plattform derzeit nicht realisierbar. Es soll aber ein Kompetenzteam innerhalb der avj entstehen, das Aufgaben bearbeitet wie die Stärkung der digitalen Präsenz der Kinder- und Jugendbuchverlage, das Ausloten von Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit bestehenden Plattformen sowie des Kostensharings bei Investitionen in digitale Entwicklungen.
Im Musiksaal des Ullstein Verlags referierte außerdem Prof. Dr. Dieter Georg Herbst über „Bildsprache, Bildaufbau und Covergestaltung“. Zentral bei der Covergestaltung sei die Frage: Wie klar ist deine Vorstellung davon, wie du dich fühlen wirst, wenn du das Buch liest? Wenn ein Bild oder ein Wort keine Emotionen auslöse, gäbe es wenig Grund, sich damit zu beschäftigen. Die Aufgaben eines Covers definierte Herbst mit den Worten Identifizierung, Differenzierung und Profilierung. Fotos wirken im Allgemeinen besser als Zeichnungen, so Herbst, und je größer das Foto, desto höher die Aufmerksamkeit.
Ein enormer Träger als Motiv seien Menschen. Aus der Wahlkampfforschung weiß man, dass drei Dimensionen einen Menschen auf einem Foto sympathischer wirken lassen: Eine leichte Neigung des Kopfes, die Hand im Gesicht (wirkt weniger bedrohlich) und eine leichte Untersicht in der Perspektive. Herbst empfahl außerdem: „Prüfen Sie den Aufbau eines Covers in Bezug auf die in unserem Kulturkreis üblichen Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten. Sie entscheiden, wohin der Betrachter schaut.“ Für den Online-Handel sei zudem die Frage relevant, wie gut ein Cover in der Miniaturansicht zu erkennen ist. Mit Dieter Georg Herbst wird die avj auch ein Tagesseminar anbieten.
Dr. Jörg F. Maas stellte die Arbeit der Stiftung Lesen vor und betonte, dass alle Institutionen an einem Strang ziehen müssten, damit aus Deutschland ein Leseland werde und konstatierte ein wachsendes Interesse von Seiten der Politik. „Wenn Wanka einen Euro investieren würde, könnte Schröder 25 Euro an Folgekosten sparen.“ Renate Reichstein wurde am Vortag wieder in den achtköpfigen Vorstand der Stiftung Lesen gewählt.
Jutta Bauer stellte die Stiftung Illustration vor und konnte u.a. den nächsten Workshop ankündigen: „Wenn das Bild das Wort hat“ heißt das Thema, der Workshop wird vom 30. bis zum 31. August im Bilderbuchmuseum in Troisdorf stattfinden, referieren werden u.a. Dr. Mareile Oetken, Stefanie Harjes und Aljoscha Blau.
Juergen Boos und Katja Böhne präsentierten den „Kommunikationsschwerpunkt Kids“ der Frankfurter Buchmesse. Auf der Agora soll in diesem Jahr ein Zelt – Arbeitstitel „Kids Bubble“ – installiert werden, in denen Verlage ihre Autoren präsentieren können – auch abends. Damit gehe man bewusst aus den Hallen heraus, wo besonders am Wochenende viel Trubel herrsche. Das Lesezelt soll weiterhin bestehen. Diskutiert wurde die Trennung zwischen Fachbesucher- und Publikumstagen, zum Beispiel die Aktion, am Freitagnachmittag Hortkinder über die Messe zu führen. Auch die Möglichkeit des Buchverkaufs schon am Messesamstag stand zur Debatte.
Christoph Hellerung stellte die Produkte der Harenberg Kommunikation vor, zu denen nach dem Verkauf durch Rossipaul auch die Bücherbox gehört. Widerspruch äußerte Till Weitendorf zu den redaktionellen Entscheidungen bezüglich der Spiegel-Bestsellerlisten („Kinder- und Jugendbücher werden in der Regel nicht berücksichtigt; Bücher die über die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen hinaus in großem Umfang auch Erwachsene erreichen (All Age-Titel), können aber durch redaktionelle Einzelfallentscheidung einbezogen werden.“): „Warum darf das nicht das Publikum entscheiden?“
Die Mitgliederversammlung im nächsten Jahr wird wieder vor den Buchtagen in Berlin stattfinden.