
Heute ist die KrimiZEIT-Bestenliste Juli 2013 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen; hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken: download(KrimiZEIT-Bestenliste_Juli 2013.pdf). Auf Platz 1 der KrimiZEIT-Bestenliste Juli 2013 finden Sie – wie auch im letzten Monat – Leichendieb von Patrícia Melo.
Neu auf der Bestenliste sind in diesem Monat folgende Titel:
Platz 2. Gun Machine von Warren Ellis (Heyne)
Gun Machine ist eine der wenigen ästhetisch und inhaltlich überzeugenden Serienkiller-Novels der letzten Jahre. Der abgehalfterte Detective Tallow mobilisiert die Reste seiner erschöpften Bullenschlauheit, um mit Unterstützung zweier völlig durchgeknallter Forensiker dem „Jäger“ auf die Spur zu kommen. Dieser Serienmörder glaubt sich zurückversetzt in das Manahatta der indianischen Ureinwohner vor Ankunft des weißen Mannes. Polizeigroteske à la Stuart McBride, Großstadthorror vom feinsten. Der Brite Ellis ist Comicautor (Transmetropolitan), sein Kriminalroman Gott schütze Amerika stand 2009 auf der KrimiZEIT-Bestenliste.
Platz 4: Bußestunde von Arne Dahl (Piper)
In dem zehnten – und vorläufig abschließenden – Roman um die Stockholmer A-Gruppe führt Arne Dahl beispielhaft seine Mischung aus hoher und niedriger Literatur vor. Er verknüpft einen Spionagefall (Hommage an John le Carré) mit einer komplexen Mordgeschichte, die sich anscheinend gegen selbstdestruktive anorektische Frauen richtet (Hommage an James Ellroy). In beiden Fällen geht es um Entführungen, in beiden auch um Krankheit: Selbstdestruktion und (Macht-)Gier. Bravouröser Schlussstein der Dekalogie, die Dahl von 1999 bis 2007 verfasste.
Platz 5: Osama von Lavie Tidhar (Rogner & Bernhard)
Der 1976 geborene Israeli Lavie Tidhar hatte das Pech, mehrfach unmittelbar in die Nähe von Anschlägen Al-Kaidas zu geraten. Der Phantasy-Autor transponierte seine Erfahrungen 2007 zunächst in die Novelle My Travels with Al-Qaeda. Osama ist die Geschichte der Suche nach dem Schundromanautor Mike Longshott, der das, was die Welt als Terroranschläge Al-Kaidas kennt, erfunden hat. Privatdetektiv Joe, der anscheinend in einer Vorzeit ohne Handys und Internet lebt, torkelt durch eine Welt der literarischen Anspielungen auf Autoren des 19. Jhdts. (de Quincey, Dickens) wie im Drogenrausch. Gewagte und gelungene Attacke auf den Mythos Osamas und den Krieg gegen den Terror – ohne der schrecklichen Realität in die Phantasy auszuweichen. 2012 mit dem World Phantasy Award ausgezeichnet.
Platz 9: Das Fest der Schlangen von Stephen Dobyns (C. Bertelsmann)
Stephen Dobyns treibt den von Faulkner bis Stephen King betriebenen Horror der amerikanischen kleinen Stadt in „Das Fest der Schlangen“ auf einen erzählerischen Höhepunkt. In schnellen Schnitten jagt er die Handlung – ein Baby verschwindet, Indianer greifen an, Katzen werden erhängt, Kojoten erobern die Stadt – in einen Wirbel, der Leser, Ermittler und Bewohner leichte Bewusstseinsverluste zufügt: Was ist wahr, was inszeniert, was pure Einbildung?
Außerdem auf der Liste:
3. Robert Hültner: Am Ende des Tages, btb
6. Olen Steinhauer: Die Spinne, Heyne
7. Matthias Wittekindt: Marmormänner, Edition Nautilus
8. Sara Gran: Das Ende der Welt, Droemer
10.Mark Peterson: Flesh & Blood, Rowohlt
Monatlich wählen achtzehn auf Kriminalliteratur spezialisierte Literaturkritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Titel, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZEIT-Bestenliste ist eine Kooperation der ZEIT mit dem Nordwestradio, einem gemeinsamen Programm von Radio Bremen und dem NDR.
Die KrimiZEIT-Bestenliste Juli wird in den Literatursendungen des NordwestRadios besprochen sowie im Internet unter www.zeit.de/krimizeit-bestenliste und unter www.radiobremen.de/nordwestradio/serien/krimizeit/index.html vorgestellt.
Die Jury:
Tobias Gohlis, Kolumnist der ZEIT, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, DLF, BR | Gunter Blank, »Sonntagszeitung« | Thekla Dannenberg, »Perlentaucher« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Michaela Grom, SWR | Lore Kleinert, Radio Bremen | Thomas Klingenmaier, »Stuttgarter Zeitung« |
Kolja Mensing, »Tagesspiegel« | Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR | Jan Christian Schmidt, »Kaliber 38« | Margarete v. Schwarzkopf, NDR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, Elder Critic, »NRZ«, »WAZ« | Hendrik Werner, »WeserKurier« | Thomas Wörtche, »Plärrer«, »culturmag«, »DRadioKultur«