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Schwabe feierte 525-jähriges Jubiläum: „Bücher statt Flieger“ / Bilder von der Feier

In den Zeiten des Medienwandels, den Geburtstag eines Verlages zu feiern, dessen Wurzeln direkt in die Zeit von Gutenbergs Buchdruck ragt, kann nicht nur für Gänsehaut-Feeling sorgen, sondern auch zu politischen Aussagen über gegenwärtige Entwicklungen. Mit einer ebenso würdigen wie gelassenen Feier beging Verlagseigentümer Ruedi Bienz am vergangenen Freitag das 525. Jubiläum des Schwabe Verlages in Basel.

Schwabe ist wohl der weltälteste Verlag, der noch sein Geschäft noch unabhängig betreibt. Dennnoch verzichtete Bienz in seiner Begrüßung darauf, die Geschichte des 1488 von Johannes Petri gegründeten Verlagshauses noch einmal Revue passieren zu lassen. Petri, immerhin ein Schüler aus der Umgebung des Erfinders der beweglichen Lettern, zog es damals von Mainz nach Basel. Vielleicht war auch ein bisschen Bescheidenheit dabei, indem Bienz es lieber anderen überließ, die Bedeutung des Verlages zu erklären.

Zum Beispiel Maya Graf, derzeit Nationalratspräsidentin in der Schweiz. Die höchste Repräsentantin des Staates ließ es sich nicht nehmen, beim Festakt vorbeizuschauen. „Ohne Buchdruck gäbe es keine Bürgerrechte und ohne Bürgerrechte keine Demokratie“, sagte sie, um auch gleich anzuschließen: „Das Internet wurde zur Nachfolge von Gutenberg.“ Heute könne jeder sein Buch selbst publizieren und im Internet vertreiben, sagte sie und spannte den Bogen ihrer folgenden medienpolitischen Ausführungen bis zur NSA-Affäre.

Der viel beachtete Vortrag von Barbara Schüppach-Guggenbühl, Staatsschreiberin des Kantons Basel Stadt verdeutlichte am Beispiel der Stadtgeschichte, warum in der Zeit von Johannes Petri erst nach dem Druck und damit nach der Veröffentlichung der Beschlüsse diese auch allgemeine Gültigkeit erhielten. Damit habe die Veröffentlichungstätigkeit eine unmittelbare Auswirkung auf die Umsetzung demokratisch gefasster Beschlüsse. Heute arbeite man an der Umsetzung einer elektronischen Bekanntmachungsplattform. Selbstverständlich mit dem inzwischen auch auf moderne Medien eingestellten Verlagshauses Schwabe.

Ein bemerkenswert klares Bekenntnis zur Rolle der wissenschaftlichen Verlage legte der designierte Vize-Rektor für Lehre und Entwicklung der Universität Basel Prof. Dr. Maarten J.F.M. Hoenen ab. „Die Wissenschaft ist dafür da, Forschung zu betreiben, nicht diese zu vermarkten“, sagte er, das sei die Aufgabe der Verlage. „Wir wollen den Weg gemeinsam gehen“, rief er in seiner kurzen, aber eindeutigen Rede dem Verlag zu, „ad multos annos (noch viele Jahre lang)“.

In seinem Festvortrag begründete Prof. Dr. em. Dr. Dr. h.c. Helmut Holzhey den Humanismus des Buches und dass dieser von narzistischer Selbsthypnose befreie. „Sprache ist ein Haus, in dem wir wohnen“, sagte er.

Ein Zitat, das vor allem viele Mitarbeiter in Buchhandlungen und Verlagen nachdenklich machte, kam von Urs Wütrich-Pelloli, Regierungspräsident des Kantons Basel Landschaft: „Bücher mögen sich nicht rechnen, aber sie zahlen sich aus.“ Im gleichen Atemzug betonte er aber, dass sie sich offenbar für Schwabe durchaus rechneten.

Obwohl der Festakt vor allem die Leistungen der Vergangenheit feiern sollte, wurde er dennoch mit einer Aussage von Nationalratspräsidentin Graf am Rande hochpolitisch. Sie erwarte eine Kampagne in der Art „Bücher statt Flieger“, sagte sie im Beisein von SBVV-Geschäftsführer Dani Landolf mit Blick auf die Neuanschaffung von Kampfflugzeugen, die derzeit in der Schweiz diskutiert wird.

Auf die Frage, ob es die Schweizer bereuten, dass es nun keine Buchpreisbindung mehr gibt, sagte sie, sie habe die Kampagne für die Buchpreisbindung unterstützt. Während der Diskussionen kurz vor ihrer Abschaffung seien aber viele Versprechungen an die Verlage gemacht worden, Publikationen zu unterstützen, die es auf dem Markt schwer haben würden, doch diese Zusagen seien nicht eingelöst worden. Wenn nun auf einmal Mittel für Flugzeuge bereitstünden, sollten die Verlage diese früheren Versprechen einfordern. Wichtiger als Flugzeuge sei, dass „die Gedanken fliegen können“.

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