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Das Literaturhaus Berlin würdigt Warlam Schalamow

Ab morgen zeigt das Literaturhaus Berlin die Ausstellung Leben oder Schreiben. Der Erzähler Warlam Schalamow, kuratiert von den Publizisten Wilfried F. Schoeller und Christina Links. Heute Mittag konnten Journalisten schon einmal einen Blick in die Schau werfen, die Leben und Schreiben Schalamows thematisiert.

Die Ausstellung beginnt mit der Kindheit des russischen Schriftstellers, der 1907 im nordrussischen Wologda als Sohn eines orthodoxen Geistlichen und einer Lehrerin geboren wurde, und 1924 nach Moskau ging um dort Jura zu studieren. Mit 22 Jahren wurde er zum ersten Mal verhaftet und wegen „konterrevolutionärer Agitation“ zu Lagerhaft im Ural verurteilt. 1931 kehrte er nach Moskau zurück, wo er 1937 erneut inhaftiert wurde. Es folgte die Deportierung in die Kolyma-Region um den gleichnamigen Fluss im Nordosten Sibiriens, wo in der Zeit des Stalinismus Bergwerke und Konzentrationslager errichtet wurden, in denen Millionen Menschen ausgebeutet und umgebracht wurden. Es gleiche einem Wunder, dass Schalamow seinen Aufenthalt dort überlebt habe, sagte Christina Links.

Erst 1956 durfte Schlamow nach Moskau zurückkehren. Zwei Jahre zuvor hatte er mit seinen Erzählungen aus Kolyma begonnen, an denen er zwanzig Jahre lang arbeitete und die sein Hauptwerk ausmachen. Die Verfemung Schalamows hat in dessen Heimat über seinen Tod im Jahr 1982 hinaus angehalten. So konnten die Erzählungen aus Kolyma erst 1989 in Russland erscheinen.

Seit 2007 verlegt der Verlag Matthes & Seitz Berlin die Werke von Warlam Schalamow auf Deutsch. Bisher sind vier Bände der Erzählungen aus Kolyma, herausgegeben von Franziska von Thun-Hohenstein erschienen. Im Oktober folgt mit Das vierte Wologda und Erinnerungen, der fünfte Band der Werkausgabe, wieder von Gabriele Leupold übersetzt.

Die Idee zu der Ausstellung hatte Wilfried F. Schoeller, als er sich eingehend mit dem spanisch-französischen Schriftsteller Jorge Semprún beschäftigte. Für Schoeller gehören die rund 150 Erzählungen aus Kolyna in die nächste Nachbarschaft von Jorge Semprún, Primo Levi und Imre Kertész und deren Berichte aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Auschwitz.

Zwei Jahre haben Schoeller und Christina Links an der Ausstellung gearbeitet und dabei auch vor Ort recherchiert. Gezeigt werden Bilder und Dokumente von 20 russischen Leigebern, darunter das GULAG-Museum Moskau, das Russische Staatsarchiv für Literatur und Kunst und dem Menschenrechtszentrum „Memorial“.

Schalamow sei ein Schriftsteller von weltliterarischem Rang, der hierzulande zu Unrecht weitgehend unbekannt sei, betonte Christina Links. Die Ausstellung solle ihn mit seinem Werk präsent halten und das Andenken an ihn fördern. Zur Ausstellung „Leben oder Schreiben“ erscheint ein gleichnamiges Begleitbuch von Wilfried F. Schoeller mit Beiträgen u.a. von Irina Scherbakowa, Valeri Jessipow und Franziska Thun-Hohenstein sowie einigen erstmals in Übersetzung publizierten Texten Schalamows.

In Berlin ist die Ausstellung noch bis zum 8. Dezember zu sehen. Anschließend wird sie nach Stationen in deutschen Städten wie Bremen und Heidelberg auch in Russland gezeigt.

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