
Alle rieten dem knapp Fünfzigjährigen ab, als er sich 1975 entschloss, einen Verlag für Wirtschaft und Gesellschaft zu gründen: Die deutsche Wirtschaft stecke in einer Rezession und der Wettbewerb unter den zahlreichen konkurrierenden Verlagen werde immer stärker. Auch habe er seine Verlagserfahrungen nicht im heimischen Markt, sondern im Ausland gesammelt.
In der Tat kam er gerade aus den USA, wo er lange Jahre die New Yorker Tochterfirma einer konfessionell orientierten deutschen Verlagsgruppe geleitet hatte. In dieser Verlagsgruppe hatte er nach Kriegsgefangenschaft und spätem Abitur Buchhändler gelernt und war für sie zunächst nach Süd-, dann nach Nordamerika gegangen. Mit dem Management des Mutterhauses war es zum Streit über das Programm gekommen: Dem passte dessen aufklärerischer Impuls nicht zum Gesicht des Gesamthauses.
Er war als hartnäckig in der Branche bekannt. Er blieb bei seiner Gründungsidee – und behielt Recht. 1986 nahm er seinen Sohn als Lektor in den Verlag auf; der wurde 1995 zum Geschäftsführer berufen und führt den Verlag seitdem allein. Der Vater starb 1997 – eine Verlegerfigur, die die FAZ so beschrieb: „Eher wortkarg und etwas knurrig, wenn auch im Gespräch ein verhalten verschmitztes Lächeln seinen Mund umspielt“. Ein Vater, mit dem es der Sohn nicht leicht hatte. Er meisterte das bravourös und trug mit seinem Gespür für gut verkäufliche Wirtschaftsbücher maßgeblich dazu bei, dass die Gründung seines Vaters schon bald zu einem anerkannten Bestsellerverlag wurde.
Vom Start des Verlages an war als 50-%-Gesellschafter ein erfahrener, auf ganz anderen Themengebieten tätiger Verleger und Drucker dabei. Heute spielt dessen vor einigen Jahren gegründete Medienholding die Rolle des Gesellschafters, der für Sicherheit sorgt, aber in Programmfragen im Hintergrund bleibt.
Derzeit präsentiert sich das Unternehmen mit jährlich rund 200 Neuerscheinungen, die dem Buchhandel und der Öffentlichkeit in zwei Vorschauen vorgestellt werden. Die eine Vorschau ist dem Wissenschafts-, die andere dem allgemeinen Programm gewidmet. Nahezu alle Bücher erscheinen auch in elektronischer Form. Eine eigene Reihe umfasst Publikationen, die ausschließlich in digitaler Form herausgebracht werden. Ausgewählte Titel werden zusätzlich als Hörbücher auf CD und als Audio-Download veröffentlicht.
Der Verlag hat wie auch sein Verleger persönlich den Anspruch, mit seinen Büchern Beiträge zu politischen, wirtschaftlichen, historischen und gesellschaftlichen Debatten zu leisten sowie kritische Analysen und neueste Ergebnisse der Forschung zu liefern. In den Themenbereichen „Beruf & Karriere“ und „Business“ werden konkret umsetzbare Informationen angeboten, ergänzt durch Orientierungshilfen zur persönlichen Lebensführung, die einschließlich eines Tageskalenders zu den meistverkauften Titeln des Verlages zählen.
Das gesuchte Unternehmen bietet in der klassischen Tradition deutscher Verlagshäuser Autorinnen und Autoren eine Plattform für die verschiedensten Ansichten und Meinungen. Wen wundert es da, wenn sich im Programm neben smarten Business-Titeln die Dissertation und ein weitere Publikation aus der Feder der Lebensgefährtin eines populären linken Politikers finden?
Heinold fragt: Wie ist der Name und wo ist der Sitz des gesuchten Verlages?
Lösung an: heinold@buchmarkt.de